Brandschutz an der Fassade: Was Eigentümer jetzt wissen müssen

Der Londoner Hochhausbrand hat in Deutschland das Thema Brandschutz bei Fassadendämmungen auf die Tagesordnung gesetzt. Denn offenbar hatte sich das Feuer in London so schnell ausgebreitet, weil die Fassade mit brennbarem Material gedämmt war. Das gibt es auch in Deutschland – und zwar häufig. In Wuppertal wurde ein erstes Hochhaus deswegen geräumt. Was nun?

Düsseldorf. Um die Vorgaben zum Klimaschutz zu erfüllen, sind in den letzten Jahren sehr viele Gebäude neu gedämmt worden. Bei Neubauten wurde ohnehin ein großes Augenmerk auf die Wärmedämmung gelegt. Während die Dämmschichten früher 6 bis 8 Zentimeter dick waren, sind es inzwischen in der Regel 14 bis 40 Zentimeter. Der Materialverbrauch ist entsprechend stark gestiegen. Um die Kosten im Rahmen zu halten, griffen die Bauherren in sehr vielen Fällen auf Dämmplatten aus Polystyrol zurück. Das besser unter dem Handelsnamen „Styropor“ bekannte Material ist der meistverbaute Dämmstoff in Deutschland – es brennt allerdings ausgesprochen gut.

Bis 2016 wurde Polystyrol mit dem giftigen Flammschutzmittel HBCD behandelt – wie berichtet ist das inzwischen verboten. Doch auch HBCD kann, wie mittlerweile bekannt ist, das Polystyrol nicht ausreichend feuersicher machen. Der Einsatz von Polystyrol als Dämmstoff ist trotzdem bislang erlaubt – solange das Gebäude nicht höher als 22 Meter ist. Argument: So weit reichen die Drehleitern der Feuerwehr. Deswegen sind nur für noch höhere Gebäude feuerfeste oder wenigstens von nicht brennbarem Material umschlossene Dämmstoffe, aber auch ein zweiter Fluchtweg und ähnliches vorgeschrieben.

Wärmedämmung: Welche feuerfesten Alternativen gibt es?

Wer jetzt einen Neubau oder eine Sanierung seines Gebäudes plant, der steht vor der drängenden Frage: Für welche Art der Wärmedämmung muss ich mich entscheiden, damit ein guter Brandschutz erzielt wird? Schließlich ist Zukunftssicherheit bei einer so großen Investition wichtig. Und wer kann heute schon sagen, ob die aktuelle Diskussion nicht zu einer Verschärfung der Vorschriften führt? In jedem Fall gibt es bereits einige Alternativen auf dem Markt. Nicht brennbar sind beispielsweise Steinwolle oder Mineralschaum. Auch natürlich vorkommende mineralische Stoffe wie Blähton oder Perlite brennen nicht.

„Wer jetzt bauen oder sanieren möchte, sollte sich gut informieren, welche Dämmstoffe für sein Projekt geeignet und auch rechtlich zugelassen sind“, empfiehlt Prof. Dr. Peter Rasche. Der Vorsitzende von Haus & Grund Rheinland gibt zu bedenken: „Neben der Feuerfestigkeit sind dabei auch die Haltbarkeit, die Kosten, die Dämmwirkung und die Auswirkungen des Materials auf das Raumklima zu beachten.“ Das mache die Auswahl des richtigen Materials durchaus kompliziert.

Wärmedämmung war politisch gewollt – Brandschutz zu wenig bedacht

Und was passiert mit Bestandsgebäuden, die bereits eine neue Wärmedämmung bekommen haben? Die Stadt Wuppertal will laut Medienberichten jetzt alle 70 Hochhäuser in der Stadt überprüfen, ob dort brennbare Dämmstoffe verbaut sind. Wenn sie fündig werden, droht ein Austausch der Dämmung.

Haus & Grund Rheinland sieht hier die Politik in der Pflicht: „Die energetischen Modernisierungen waren politisch gewollt“, betont Verbandsdirektor Erik Uwe Amaya. „Die Baufirmen haben dabei Materialien verwendet, die brennbar, aber rechtlich zulässig sind.“ Für eine erneute Sanierung der betroffenen Häuser ohne brennbare Dämmstoffe, solle die Politik finanzielle Lösungen anbieten, fordert Amaya. „Andernfalls sehe ich hohe Kosten auf Vermieter und somit auch die Mieter zukommen.“

Brandschutz zuhause: Preiswerte Sofortmaßnahmen für Eigentümer

Die ganze Fassade neu zu dämmen verursacht einen großen Aufwand mit entsprechend hohen Kosten. Eigentümer können aber auch mit preiswerten Sofort-Maßnahmen den Brandschutz in Ihren Gebäuden wirksam verbessern. Da sich ein Feuer durch brennbaren Dämmstoff sehr schnell über die Fassade ausbreiten kann, ist es besonders wichtig, einen Brand so früh wie nur möglich zu entdecken. „Eigentümer sollten deswegen unbedingt sicherstellen, dass Ihre Immobilie mit ausreichend vielen und richtig platzierten Rauchmeldern ausgerüstet ist“, so der  eindringliche Rat von Erik Uwe Amaya. „Rauchwarnmelder sind kurzfristig und preiswert zu installieren und helfen im Brandfall, Schäden an Leib, Leben und Eigentum zu begrenzen.“

Weitergehende Informationen rund um das Thema Rauchwarnmelder finden Eigentümer im Infoblatt von Haus & Grund. Gerne können über unsere Geschäftsstelle preisgünstig Rauchmelder bezogen werden, die modernsten Anforderungen entsprechen und gleichzeitig dank Wartungsfreiheit über viele Jahre einen hohen Komfort bieten. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, findet hier auch hochmoderne Kohlenmonoxid-Melder. Sie warnen rechtzeitig vor dem unsichtbaren, geruchs- und geschmackslosen Gas, dass bei Defekten an Heizung, Gaskochstelle oder Kamin zur tödlichen Gefahr im Haus werden kann. „Wer sicher wohnen möchte, sollte auf CO-Melder keinesfalls verzichten“, rät Amaya.

Fluchtwege freihalten, Brandrisiken minimieren

Wenn der Rauchwarn- oder Kohlenmonoxidmelder Alarm schlägt, muss man allerdings auch schnell genug ins Freie fliehen können. Haus & Grund-Experte Amaya mahnt deswegen: „Hauseigentümer sollten unbedingt darauf achten, dass Fluchtwege stets frei sind.“ Treppenhäuser und Flure seien keine Abstellkammern, auch wenn sich in manchen Häusern entsprechende Gewohnheiten eingeschlichen hätten.

„Auch das Grundstück rund um das Haus herum sollte immer so frei gehalten werden, dass die Feuerwehr im Notfall problemlosen Zugang hat.“ Außerdem sollten Eigentümer darauf  achten, dass Mülltonnen mindestens drei Meter Abstand von der Fassade  haben. Denn Mülltonnen sind immer wieder Ursprungsort von Bränden, die sich bei zu großer Nähe zur Hauswand schnell auf die Fassade ausbreiten können. Und das sollte man dringend verhindern – vor allem, wenn noch nicht klar ist, ob in der Fassade wirklich kein brennbarer Dämmstoff steckt.

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