Hunderttausende Gasgeräte im Rheinland brauchen Umrüstung

Bislang beziehen die Haushalte im Rheinland Erdgas, das vorwiegend aus den Niederlanden geliefert wird. Doch das Nachbarland stellt im Jahr 2030 den Gasexport komplett ein. Das Erdgas muss dann aus Russland, Norwegen oder Großbritannien ins Rheinland fließen – von dort kommt aber eine andere Sorte. Hunderttausende Gasthermen oder Herde müssen dafür umgerüstet werden.

Düsseldorf. Im Rheinland müssen in den nächsten Jahren rund eine halbe Million gasbetriebene Haushaltsgeräte umgerüstet werden. Betroffen sind neben Gasthermen auch Gasherde, Gasöfen oder -kamine sowie Brennwert- und andere Heizkessel. Grund ist die Umstellung der Gasversorgung auf eine neue Gas-Sorte. Damit die neue Sorte von den bisherigen Geräten verbrannt werden kann, muss meistenteils die Brennerdüse ausgetauscht und das Gerät neu eingestellt werden.

Rund 60 Minuten soll eine Umrüstung laut Medienberichten dauern. Bis es soweit ist, geht allerdings noch etwas Zeit ins Land. Zunächst wird die Rheinische Netzgesellschaft, die das Gasnetz im Rheinland betreibt, sich an die Hauseigentümer wenden, um zu erfassen, wo Geräte umgerüstet werden müssen. Mitte 2018 soll es damit losgehen, in einigen Städten wie etwa in Köln soll es erst 2021 so weit sein.

Bei vielen Geräten kann die Umrüstung dann schon vor der tatsächlichen Umstellung auf die neue Sorte über die Bühne gehen. Es gibt aber auch Gasgeräte, die möglichst zeitnah zur Umstellung angepasst werden müssen. Geräte, die sowohl mit der neuen, als auch mit der alten Sorte zurechtkommen, gibt es dagegen nur wenige. Diese sogenannten gasadaptiven Geräte müssen nicht umgerüstet werden.

Niederlande liefern bisherige Gas-Sorte nicht mehr

Bislang verbrauchen die Haushalte im Rheinland sogenanntes L-Gas. Die Abkürzung steht für „low calorific gas“. Diese Gas-Sorte wird vor allem aus den Niederlanden, aber auch aus deutschen Vorkommen gefördert. Die Förderung von L-Gas geht allerdings zurück und die Niederlande haben beschlossen, ab 2030 gar kein Gas mehr nach Deutschland zu liefern.

Deswegen muss die Gasversorgung im Rheinland umgestellt werden auf die Gas-Sorte, die vorwiegend aus Russland, Norwegen und Großbritannien kommt. Sie heißt „high calorific gas“, kurz H-Gas. Diese Sorte enthält einen höheren Anteil brennbarer Kohlenwasserstoffe. Deswegen ist ihr Energiegehalt größer, so dass mit einem etwas geringeren Verbrauch zu rechnen ist. Die größere Anzahl an Herkunftsländern vergrößert außerdem die Krisenfestigkeit der Versorgung, weil das Rheinland dann nicht mehr von einem Lieferstaat abhängig ist.

Kosten bleiben letztlich am Verbraucher hängen

Zugleich kostet H-Gas allerdings auch etwas mehr als das bisher übliche L-Gas. Die Rheinische Netzgesellschaft rechnet nach Medienberichten mit Mehrkosten von maximal einem Euro pro Jahr. Andere Quellen gehen davon aus, das Heizen und Kochen werde unter dem Strich nicht teurer durch die neue Gas-Sorte. Die Umrüstung der Gasgeräte kostet die Verbraucher zunächst nichts. Es sollen weder Arbeits- noch Materialkosten in Rechnung gestellt werden, wie es in verschiedenen Medienberichten übereinstimmend heißt. Allerdings zahlt der Verbraucher durch die Hintertür: Um die sogenannte „Marktraumumstellung“ zu finanzieren, wir zusätzlich zum Netzentgelt eine MRU-Umlage kassiert. Sie beläuft sich auf 0,2587 €/kWh/h/a im Jahr.

Richtig teuer werden kann es dagegen für diejenigen Hauseigentümer, die eine sehr alte Therme besitzen. Geräte, die mehr als 40 Jahre alt sind, können nämlich nicht auf H-Gas umgerüstet werden. Diesen Eigentümern bleibt nichts anderes übrig, als ein neues Gerät anzuschaffen. Das müssen sie selbst in die Hand nehmen und auch selbst bezahlen. Für bestimmte Neugeräte kann vom Netzbetreiber ein Zuschuss von 100 Euro eingefordert werden. Angesichts der Investitionskosten für eine neue Heizung ist das jedoch ziemlich wenig.

 

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