Immer kleinere Haushalte leben in immer größeren Wohnungen

Obwohl die Bevölkerungszahl in Deutschland seit zwei Jahrzehnten keine großen Sprünge macht, steigt die Nachfrage nach Wohnraum immer weiter. Verantwortlich dafür ist der Trend zu immer kleineren Haushalten. Und der bleibt ungebrochen, wie das Statistische Bundesamt jetzt mit Zahlen belegt. Zugleich wohnen wir hierzulande in immer größeren Wohnungen.

Wiesbaden. Die Anzahl der Haushalte in Deutschland wächst weiter, die durchschnittliche Größe ihrer Wohnungen nimmt ebenfalls zu. Das ist die Kernbotschaft der aktuellen Zahlen zum Wohnungsbestand, die das Statistische Bundesamt heute (27. Juli 2017) veröffentlicht hat. Wie die Statistikbehörde mitteilte, gab es Ende 2016 in der Bundesrepublik 41,7 Millionen Wohnungen. Darin sind auch Wohnungen in Wohnheimen mitgezählt. Ohne die Wohnheime, die erst seit dem Jahr 2011 in die Statistik eingehen, beträgt der Wohnungsbestand 41,2 Millionen. Das sind 2,9 Millionen Wohnungen mehr als im Jahr 2000, was einen Anstieg von 7,5 Prozent bedeutet.

Die Bevölkerungszahl ist gleichzeitig seit dem Jahr 2000 fast konstant geblieben. So kommt es, dass die Zahl der Wohnungen pro 1.000 Einwohner ebenfalls gestiegen ist. Ende 2016 kamen auf 1.000 Einwohner 502 Wohnungen. Das sind 35 mehr als noch im Jahr 2000, was eine Zunahme von ebenfalls 7,5 Prozent bedeutet. Die Zahl zeigt: Heute wohnen nur noch zwei Menschen in der deutschen Durchschnittswohnung.

Statistik gibt Hinweis auf hohen Bedarf für Neubau

Diese Entwicklung ist ein wesentlicher Grund dafür, dass der Bedarf an neuen Wohnungen über viele Jahre hinweg unterschätzt wurde. Schon seit den 90er-Jahren zeigte sich eine weitgehend stabile Bevölkerungszahl. Daraus schlossen viele auf einen gleichbleibenden Wohnungsbedarf. Die steigende Zahl der Haushalte führte zeitgleich jedoch zu steigender Nachfrage.

Interessant ist auch eine weitere Feststellung, von der das Statistische Bundesamt jetzt in diesem Zusammenhang berichtet hat. Die Wohnfläche der bestehenden Wohnungen ist deutlich stärker gestiegen als die Anzahl der Wohnungen. Ende 2016 standen in deutschen Wohnungen insgesamt gute 3,8 Milliarden Quadratmeter Wohnfläche zur Verfügung. Im Jahr 2000 waren es nur 3,2 Milliarden gewesen. Das Wachstum beträgt also etwa 600 Millionen Quadratmeter oder 17,2 Prozent.

Die Folge: Die Wohnfläche der deutschen Durchschnittswohnung ist seit der Jahrtausendwende um 7,7 Quadratmeter gewachsen. Damit misst eine Wohnung hierzulande heute im Schnitt 92,2 Quadratmeter. Zugenommen hat damit auch die Wohnfläche, die jedem Einwohner zur Verfügung steht. Die Zunahme beträgt 6,8 Quadratmeter. Damit lebt der Durchschnittsdeutsche heute auf 46,3 Quadratmetern. Da der Trend zu immer kleineren Haushalten in immer größeren Wohnungen ungebrochen ist, scheint ein zunehmender Neubau die einzige Lösung zu sein. Aktuell schwächelt der Wohnungsbau allerdings – mehr dazu lesen Sie hier.

 

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