NRW braucht mehr Neubau – kleine Häuser besonders gefragt

Der Wohnungsbau in NRW erholt sich seit Jahren von der Weltfinanzkrise. Doch trotz des ansteigenden Trends bleibt er bislang hinter den Erwartungen zurück. Doch es kommt nicht nur darauf an, dass gebaut wird. Eine wichtige Frage ist auch: Welche Art von Wohnraum wird eigentlich gewünscht – und wo? Eine repräsentative Umfrage hat jetzt interessante Erkenntnisse dazu geliefert.

Düsseldorf/Münster. Der Wohnungsbau in Nordrhein-Westfalen wächst: Im September sind 11,6 Prozent mehr Wohnungen entstanden als im Vorjahresmonat. Das hat die amtliche Statistikstelle des Landes heute mitgeteilt. Der Aufwärtstrend gibt allerdings wenig Anlass zur Beruhigung – zu diesem Schluss kommt eine Studie der LBS West, die gestern in Münster vorgestellt wurde. Die Bausparkasse rechnet vor, dass im Jahr 2017 etwa 50.000 neue Wohneinheiten an Rhein und Ruhr entstehen. Benötigt würden aber 75.000 jedes Jahr.

Die Lücke kann bislang nicht geschlossen werden, obwohl sich der Neubau seit dem Tiefpunkt im Jahr 2009 – bedingt durch die Finanzkrise – wieder erholt. Rund 33.000 neue Etagenwohnungen entstehen laut Studie 2017 in NRW. Allerdings: Der Neubau von Eigenheimen stagniert bei rund 17.000 Einheiten pro Jahr. Die LBS West folgert daraus: Nicht nur Mietwohnraum, auch Eigentum  sei nötig, um Druck aus dem Markt zu nehmen.

Wohnen außerhalb? Kein Problem, wenn es schnelles Internet gibt

Der Erhebung zufolge sind 62 Prozent der Bürger dazu bereit, mehr als 21 Kilometer zur Arbeit zu pendeln. Für 22 Prozent wären 11 bis maximal 20 Kilometer erträglich. Wahrscheinlich haben sich viele Bürger angesichts der Wohnungsknappheit in den großen Städten damit abgefunden, größere Strecken zu pendeln. Klar ist aber auch: Einfamilienhäuser, Zweifamilienhäuser und Reihenhäuser findet man eher nicht im Innenbereich von Metropolen. Gerade diese Wohnformen sind aber sehr beliebt. Drei Viertel der Eigentümer und ein Viertel der Mieter hat in der Befragung den Wunsch danach geäußert.

Zugleich berichten die Auftraggeber der Erhebung, dass zunehmend Bewegung in den Wohnungsmarkt kommt. Die Hälfte der Haushalte hält einen Umzug in den nächsten Jahren für möglich. Damit können sich heute doppelt so viele Menschen einen Wohnungswechsel vorstellen als noch vor 10 Jahren. Bei der Wohnungssuche achten sie vor allem auf eine gute Infrastruktur. Gute Einkaufsmöglichkeiten in der Umgebung sind für 81 Prozent der Menschen ein wichtiger Faktor bei der Wohnungssuche. Schnelles Internet nennen 80 Prozent der Befragten, die medizinische Versorgung kommt auf 74 Prozent.

Zukunft des Wohnungsmarktes liegt nicht allein in den Städten

Haus & Grund Rheinland überraschen die Ergebnisse der Studie nicht. „Wir sagen das ja immer wieder: Die Menschen müssen nicht alle unbedingt in den Städten wohnen, wenn sie auch außerhalb eine gute Infrastruktur vorfinden“, meint Erik Uwe Amaya, Verbandsdirektor von Haus & Grund Rheinland. Der Vorsitzende, Prof. Dr. Peter Rasche, ergänzt: „Auf unserem Parlamentarischen Abend haben wir gehört, dass die Landesregierung mit Ihrer Wohnungspolitik weder Stadt und Land, noch Mietwohnungsbau und Eigenheimförderung gegeneinander ausspielen möchte. Diese neue Untersuchung zeigt, dass sie damit auf dem richtigen Weg ist.“

Wie sich die Wohnungspolitik in NRW im Detail verändern soll? Bauministerin Ina Scharrenbach (CDU) hatte persönlich auf dem Parlamentarischen Abend von Haus & Grund Rheinland darüber informiert. Dabei stand auch die Frage im Mittelpunkt, wie ein Klima für einen gesteigerten Neubau geschaffen werden kann. Ein ausführlicher Bericht darüber findet sich hier.

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