NRW hat 2017 weniger Wohnraum verloren

Häufig wird über Neubauzahlen berichtet – schließlich kann nur ein reger Neubau den Wohnungsmarkt entlasten. Dabei ist aber nicht zu vergessen, dass jedes Jahr auch Wohnraum verloren geht – sei es durch Abriss, Umnutzung oder auch durch Unglücke. Wie sich diese Verluste von Wohnraum in NRW entwickeln, dazu hat die amtliche Statistik jetzt interessante Fakten zusammengetragen.

Düsseldorf. In NRW ist im vergangenen Jahr deutlich weniger Wohnraum verlorengegangen als noch 2016. Insgesamt 5.672 Wohneinheiten registrierten die Bauämter als sogenannten „Bauabgang“ – Gründe für das Verschwinden der Wohnungen waren beispielsweise Abriss oder Umnutzung. Im Vorjahr war die Zahl noch um stattliche 16,2 Prozent höher ausgefallen, wie die amtliche Statistikstelle des Landes, IT.NRW, kürzlich berichtete.

Es ist seit dem Jahr 2011 die niedrigste Zahl von Bauabgängen. Damals waren 5.374 Wohnungen verloren gegangen. Richtig klein war aber auch die Zahl von 2011 nicht, wie der langfristige Trend zeigt. Denn die Statistiker haben ausgerechnet, dass sich die Zahl der Wohnungsabgänge gegenüber dem Jahr 2000 um stolze 66,2 Prozent erhöht hat.

Im Rheinland besonders wenig Wohnraum verloren

Insgesamt zeigt die Statistik deutliche Unterschiede zwischen den betrachteten Wohnungstypen. So entfällt rund die Hälfte der Wohnungsabgänge auf Wohnungen in Mehrfamilienhäusern und Wohnheimen. In diesem Bereich war aber auch der Rückgang des Wohnraumschwundes mit 24,9 Prozent gegenüber dem Jahr 2016 besonders groß. Das bedeutet allerdings immer noch einen Verlust von 2.809 Wohnungen in Nordrhein-Westfalen.

Zugleich kamen in NRW im Jahr 2017 insgesamt 2.135 Ein- und Zweifamilienhäuser abhanden. Das waren 9,4 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Gestiegen ist dagegen der Verlust von Wohnraum in Gebäuden, die nicht überwiegend zu Wohnzwecken genutzt werden. In diesem Bereich waren 728 Abgänge zu verzeichnen – 7,7 Prozent mehr als im Vorjahr.

Wohnraumschwund hat vielfältige Gründe

Im Mittel sind im Zeitraum von 2010 bis 2017 pro 10.000 Bestandswohnungen 6,8 Wohneinheiten verloren gegangen. Am größten war diese sogenannte Wohnungsabgangsquote in Münster. Hier lag sie bei 22,9. Die Plätze zwei und drei gehen an den Kreis Steinfurt (14,6) und den Kreis Borken (13,7). Während sich unter den Top drei also keine rheinischen Städte und Kreise befinden, liegen alle drei Gebiete mit den geringsten Quoten im Rheinland.

Spitzenreiter ist Solingen, wo auf 10.000 Wohnungen nur 0,7 Bauabgänge kamen. Ebenfalls Spitzenwerte erreichten der Kreis Euskirchen mit 2,5 und die Stadt Mönchengladbach mit 2,7. Die amtliche Statistik erfasst als Bauabgang Wohneinheiten, die durch Abriss oder Zusammenlegung von Wohnungen entfallen sind. Berücksichtigt sind aber auch genehmigungspflichtige Nutzungsänderungen – also etwa wenn eine Wohnung zur Gewerbefläche gemacht wird oder umgekehrt.

Hoher Bauabgang: Kann auch für viele Ersatzneubauten sprechen

Hinzu kommen alle Fälle, in denen Wohnraum durch Unglücke wie Feuer, Überschwemmung oder Einsturz zerstört wird. Auch wenn die Bauaufsichtsbehörde eingreift und etwa ein Haus wegen Einsturzgefahr schließt, findet das Gebäude Eingang in die Statistik. Für die Entwicklung des Wohnungsbestandes insgesamt zu bedenken ist auch: Wenn ein Gebäude durch einen Ersatzneubau ersetzt wird, erfasst die Statistik es doppelt.

Zunächst werden die Wohnungen im abgerissenen Vorgängergebäude als Bauabgang erfasst. Später landen die Wohnungen des neuen Hauses in der Neubaustatistik. Wenn die Zahl der Bauabgänge – wie zuletzt beobachtet – sinkt, kann das also auch bedeuten, dass weniger in Ersatzneubauten investiert wird. Umgekehrt erklärt sich die sehr hohe Bauabgangsquote in Münster laut IT.NRW damit, dass dort in den letzten Jahren verstärkt ältere Studentenwohnheime durch zeitgemäße Neubauten ersetzt wurden.

 

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