Verschuldung beim Kauf von Wohneigentum viel höher als gedacht

Die Deutschen verschulden sich beim Kauf von Wohneigentum deutlich stärker, als bislang bekannt. Dabei zeigen sich große regionale Unterschiede. Die gelten auch für das Alter, in dem der Durchschnittsbürger sein Eigentum erlangt und für die Frage, ob er eher neu baut oder im Bestand kauft. Zu diesem Ergebnis kommt jetzt eine neue Studie – NRW schneidet dabei nur mittelmäßig ab.

Düsseldorf. Für den Kauf einer Wohnimmobilie nehmen die Deutschen immer höhere Kredite auf. Zu diesem Ergebnis war vor kurzem eine Untersuchung der Bundesbank gekommen – wir berichteten. Jetzt hat der Finanzierungsdienstleister Dr. Klein eine Studie zum Thema vorgelegt, die regionale Zahlen ausweist. Über das Ergebnis hatte zuerst der Spiegel berichtet: Es gibt erhebliche regionale Unterschiede bei der Höhe der Verschuldung für den Immobilienkauf. Außerdem ist der durchschnittliche Kredit laut Dr. Klein wesentlich höher, als die Zahlen der Bundesbank besagen.

Den neuen Zahlen nach ist Hamburg unter den 16 Bundesländern das Land, in dem sich die Menschen bei der Eigentumsbildung am stärksten verschulden. Durchschnittlich 341.403 Euro nehmen die Hamburger auf. Das ist fast doppelt so viel wie im günstigsten Bundesland: In Sachsen-Anhalt leihen sich die Bauherren oder Käufer durchschnittlich nur 173.459 Euro bei einem Kreditinstitut.

Immobilienkauf: Bürger in NRW verschulden sich nicht ganz so stark

Nordrhein-Westfalen liegt im deutschlandweiten Ranking im oberen Mittelfeld – auf Platz 6 gleich hinter Berlin. 251.188 Euro Darlehen sind in NRW durchschnittlich nötig, um Haus oder Wohnung zu finanzieren. Die Statistik spiegelt die hohen Unterschiede bei den Kaufpreisen wieder: In vielen ländlichen Regionen stagnieren die Immobilienpreise, vor allem im Osten sinken sie sogar. In den Ballungsräumen steigen die Preise dagegen sehr stark. So ziehen die wirtschaftsstarken Ballungsräume die Länder Bayern, Baden-Württemberg und Hessen auf die Plätze 2, 3, und 4 nach oben.

Die ostdeutschen Länder belegen die unteren Plätze. Thüringen ist 15., Mecklenburg-Vorpommern 14., Sachsen findet sich auf Rang 12 wieder. Einzig Brandenburg ist mit 228.587 Euro durchschnittlicher Kredithöhe auf Platz 9 noch ziemlich weit vorne dabei – hier macht sich der Berliner Speckgürtel mitsamt der Landeshauptstadt Potsdam bemerkbar. Der bundesweite Durchschnittskredit beträgt laut Dr. Klein 257.795 Euro. NRW kommt diesem Wert von allen Ländern am nächsten.

Bundesbank hatte nicht den gesamten Kreditmarkt untersucht

Die Bundesbank war in Ihrer Erhebung zum gleichen Thema auf einen bundesweiten Durchschnittskredit von nur rund 110.000 Euro gekommen. Der Grund liegt im Umfang der Zahlenbasis begründet. Die Bundesbank hatte nur kleine und mittelgroße Banken und Sparkassen befragt, weil sie sich speziell für deren finanzielle Stabilität interessierte. Andererseits zählten die Bundesbanker auch solche Kredite mit, die für Modernisierungen oder Sanierungen aufgenommen wurden.

Der Finanzvermittler Dr. Klein dagegen griff auf Zahlen aus seiner eigenen Geschäftstätigkeit zurück. Das Unternehmen bringt Immobilienkäufer und Banken zusammen und konnte so im Jahr 2016 einen Überblick über 74.000 Erstfinanzierungen gewinnen. Das Gesamtvolumen dieser Finanzierungen betrug 19 Milliarden Euro – dabei waren Kredite von Banken aller Größe. So gesehen ist die Untersuchung von Dr. Klein repräsentativer als jene der Bundesbank.

Große regionale Unterschiede auch bei der Frage: Kaufen oder neu bauen?

Die Statistik gibt auch Auskunft darüber, wo eher neu gebaut wird und wo Käufe im Bestand dominieren. Letzteres ist vor allem in den bereits dicht besiedelten Gebieten der Fall. Der Anteil neu gebauter Immobilien war demnach in Bremen mit 8,8 Prozent bundesweit am niedrigsten. Es folgen Berlin mit 11,88 Prozent, Hamburg mit 12,48 Prozent und Hessen mit 14,36 Prozent. Nordrhein-Westfalen liegt mit 15,02 Prozent ganz knapp vor dem Saarland auf dem 5. Platz der Länder mit der niedrigsten Neubau-Quote.

Im Umkehrschluss heißt das: In NRW wurden im letzten Jahr 85 Prozent der Immobilienkäufe im Bestand getätigt. Der geringe Neubau dürfte wesentlich darauf zurückzuführen sein, dass in den bereits dicht besiedelten Ballungsräumen an Rhein und Ruhr wenig Bauland zur Verfügung steht. In Ostdeutschland ist das Gegenteil der Fall. So landet Brandenburg mit 36,13 Prozent Neubau-Quote auf dem ersten Platz, gefolgt von Mecklenburg-Vorpommern (30,97 Prozent), Thüringen (26,31 Prozent), Sachsen-Anhalt (26,06 Prozent) und Sachsen (25,59 Prozent).

Eigentumserwerb gelingt erst spät

Auch das Alter der Bauherren und Immobilienkäufer hat die Untersuchung in den Blick genommen. Das Ergebnis verwundert wenig: Dort, wo die aufgenommenen Darlehn besonders hoch sind, liegt auch das Alter der Kreditnehmer deutlich höher. Schließlich muss für einen größeren Kredit auch ein höheres Eigenkapital angespart werden, was in Zeiten schwacher Zinsen zusätzlich schwer fällt.

Mit 41,9 Jahren waren die Käufer in Berlin durchschnittlich am ältesten. In Nordrhein-Westfalen kauft der Durchschnittsbürger seine Wohnung oder sein Haus im Alter von 40,1 Jahren. Deutlich jünger sind die Menschen dagegen in Sachsen: Hier findet der Eigentumserwerb im Schnitt schon im Alter von 38,1 Jahren statt.

 

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