Wohnen wird immer teurer: Nebenkosten steigen stärker als Mieten

Viele Menschen fühlen sich durch die Wohnkosten zunehmend finanziell belastet – das gilt für Mieter wie für Eigentümer. Haus & Grund hat jetzt das Ausmaß der Kostensteigerungen und ihre Gründe untersucht. „Die Nebenkosten sind wieder viel stärker gestiegen als die Nettokaltmieten“, bilanziert Prof. Dr. Peter Rasche, Vorsitzender von Haus & Grund Aachen.

Düsseldorf. Im Rheinland zu wohnen ist 2016 erneut teurer geworden. Um 2,2 Prozent sind die Wohnkosten im Jahr 2016 gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Damit gab der durchschnittliche Rheinländer 10,56 Euro pro Monat und Quadratmeter für seine Behausung aus. Die Nettokaltmieten wuchsen 2016 um nur 1,1 Prozent von 6,70 Euro pro Quadratmeter und auf 6,77 Euro im Jahr 2016. Demgegenüber haben die Wohnnebenkosten um 4,3 Prozent zugelegt, ihr Anteil an den Kosten des Wohnens insgesamt ist von 35 auf 36 Prozent gestiegen.

„Diese Zahl ist umso bedenklicher, weil die Kosten für die Energieträger im Jahr 2016 kräftig gefallen sind“, erklärt Erik Uwe Amaya, Verbandsdirektor von Haus & Grund Rheinland. „Erdgas verbilligte sich im Schnitt um 5,7 Prozent, Heizöl sogar um 16,8 Prozent.“ Diese beiden Rohstoffe dienen in 86 Prozent der rheinischen Haushalte als Energieträger für die Heizung. Die Wohnkosten hätten also noch viel weiter steigen können, wenn die Öl- und Gaspreise sich nicht so günstig entwickelt hätten. Denn: Die Heizkosten belegen weiterhin den ersten Platz in der Rangliste der höchsten Betriebskosten. Sie machen 21 Prozent der Betriebskostenabrechnung aus. Es folgen die Müllgebühren (8 Prozent) und die Grundsteuer (7 Prozent). Sie ist in 87 von 165 rheinischen Kommunen weiter erhöht worden.

Auch die Stromkosten sind 2016 gestiegen – im Bundesdurchschnitt um 2,1 Prozent, wie Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen. Der Wohnkostenbericht stellte fest, dass 50 Prozent der Haushalte im Rheinland ihr warmes Wasser mit elektrischen Durchlauferhitzern erzeugen. Das bringt den Haushalten für ihre selbst mit dem Energieversorger abgerechneten Stromkosten einen deutlichen Mehrverbrauch ein. Setzt man den durchschnittlichen Stromverbrauch eines Haushalts an, der im Rheinland im Schnitt zwei Personen umfasst, erreicht die Stromrechnung einen Anteil von 8 Prozent an den gesamten Wohnkosten. Stolze 11,29 Euro pro Quadratmeter kostet das Wohnen den Beispielhaushalt so berechnet im Monat.

Steigende Wohnnebenkosten: Die Öffentliche Hand verdient mit

„Der Wohnkostenbericht 2014 kam bereits zu der Feststellung, dass rund 70 Prozent der Wohnnebenkosten von der Politik verursacht sind. Das fängt mit der Grundsteuer an und hört mit den hohen Stromkosten noch lange nicht auf“, kommentiert Prof. Rasche die Zahlen. „Der Wohnkostenbericht 2017 hat keinen Anhaltspunkt dafür geliefert, dass sich daran etwas geändert hätte.“ Die von der Politik beeinflussten Kostenfaktoren haben weiterhin einen hohen Anteil an den Gesamtkosten des Wohnens. Dabei unterscheidet sich die Belastung der Bürger deutlich von Ort zu Ort. Denn die Höhe der Grundsteuer, der Müll- und Abwassergebühren, aber auch der Kosten für Frischwasser, liegt in der Hand der Kommunen.

„Damit das stetige Wachstum der Wohnnebenkosten aufhört, müssen die Kommunen wieder auf finanziell gesunde Beine gestellt werden und Handlungsspielräume zurückgewinnen“, ist die Schlussfolgerung von Erik Uwe Amaya. „Nur dann ist ein Ende der Aufwärtsspirale möglich bei den Betriebskosten, die von den Kommunen bestimmt werden – besonders bei der Grundsteuer.“ Die neue Landesregierung hat bereits Maßnahmen angekündigt, die in diese Richtung zielen. „Der Wohnkostenbericht kann als Ermunterung gelesen werden, diese Pläne zügig umzusetzen“, ergänzt Amaya.

Für den Wohnkostenbericht hat Haus & Grund Rheinland seine 102.000 Mitglieder nach den Nebenkosten ihrer Wohnungen befragt. Dabei wurden sowohl vermietete als auch selbstgenutzte Wohneinheiten mit einbezogen. Die Studie berücksichtigte all jene Kostenpunkte, die ein Vermieter über die Betriebskostenabrechnung auf seine Mieter umlegen darf.

Den kompletten Wohnkostenbericht 2017 können Sie ab sofort hier herunterladen.

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