Wohnungsbau auf Hochtouren: Droht jetzt ein Beton-Engpass?

Der Wohnungsbau wächst kräftig – aktuelle Zahlen zeigen das einmal mehr. Das reicht aber noch immer nicht, um die laut Experten benötigten 400.000 Wohnungen pro Jahr zu errichten. Für noch weitere Steigerungen der Bauproduktion sieht es allerdings nicht gut aus: Neben dem Personal drohen jetzt auch wichtige Rohstoffe wie Sand, Kies und Beton knapp zu werden.

Düsseldorf. In Nordrhein-Westfalen wird weiterhin kräftig gebaut. Die Bauproduktion ist im ersten Halbjahr dieses Jahres um 7,3 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum gestiegen. Im Juni lag die Produktion im Bauhauptgewerbe um 5,6 Prozent über dem Vorjahreswert. Betrachtet man allein den Hochbau – zu welchem der Wohnungsbau gehört – zeigt sich eine Steigerung von 5,5 Prozent. Das ist etwas weniger als im Tiefbau, der mit 5,8 Prozent zulegte.

Diese Zahlen hat die amtliche Statistikstelle des Landes, IT.NTW, dieser Tage mitgeteilt. Die Behörde unterteilt den Hochbau in öffentliche Projekte und den Wohnungsbau. Während der öffentliche Hochbau um 2,7 Prozent wuchs, legte der Wohnungsbau um 13,0 Prozent zu. Angesichts dieser Wachstumszahlen ist es nicht verwunderlich, dass die Bauwirtschaft langsam aber sicher an ihre Kapazitätsgrenzen stößt.

Schattenseiten des Baubooms: Personal- und Rohstoffknappheit

Wie berichtet klagt die Branche aktuell über immer größeren Personalmangel. Das kräftige Wachstum beim Straßenbau – ein Plus von 8,5 Prozent stellten die Statistiker im Juni fest – und im Tiefbau allgemein zeigt außerdem: Der Wohnungsbau hat es mit erheblicher Konkurrenz zu tun, wenn es darum geht, Firmen zu finden, die Bauarbeiten zeitnah durchführen können. Die knappen personellen Ressourcen sind aber nicht der einzige Faktor, der einem noch schnelleren Wachstum entgegensteht.

Wie die Rheinische Post kürzlich berichtete, droht der Bauwirtschaft jetzt auch noch ein Materialengpass. Konkret geht es dabei um Beton. Die Nachfrage nach dem Baustoff steigt natürlich mit der wachsenden Bauproduktion kräftig an. Für die Herstellung von Beton wird Sand benötigt – und die Kies- und Sandgruben arbeiten bereits an ihrer Kapazitätsgrenze, wie das Blatt schreibt. So drohen dem Neubau Verzögerungen – und weitere Kostensteigerungen.

Zu wenig Beton: Rohstoffverband fordert Bürokratieabbau

Hinzu kommt, dass die Zahl der Kieswerke sogar zurückgeht. Die Nachfrage für neue Abbaustätten wäre zwar vorhanden – doch wer eine neue Kiesgrube einrichten möchte, kann das nicht über Nacht machen. Die Genehmigungsverfahren ziehen sich über bis zu 12 Jahre hin. Problematisch sind hier vor allem die strengen Umwelt- und Naturschutzauflagen, die es zu erfüllen gilt.

„Die Politik muss das auf allen Ebenen angehen und die Bürokratie abbauen“, forderte Susanne  Funk vom Bundesverband Mineralische Rohstoffe in der Rheinischen Post. Ihre Mahnung: „Sollte sich an der Dauer der Genehmigungsverfahren nichts ändern, könnte es zu massiven Verzögerungen bei Baustellen kommen.“ Und davon wären letztlich alle betroffen: Sand, Kies und der daraus gemachte Beton werden im Straßenbau genauso benötigt wie im Wohnungsbau.

zurück zum News-Archiv