Baufinanzierung: Nächstes Jahr steigen die Zinsen

Baufinanzierung boomt: Das Neugeschäft der Baufinanzierer in Deutschland wuchs in den ersten 10 Monaten des Jahres von 228 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum auf jetzt 235 Milliarden. Effektive Jahreszinsen von knapp unter einem Prozent locken viele Kunden. Für nächstes Jahr erwartet die Branche jedoch steigende Zinsen. Wer bald eine Immobilie kaufen will, sollte daher möglichst solide rechnen.

Frankfurt/Main. Finanzexperten rechnen für das Jahr 2022 mit steigenden Bauzinsen. Aktuell zahlt man im Schnitt ein knappes Prozent Zinsen für eine zehnjährige Baufinanzierung. Im kommenden Jahr dürften es zwischen 0,25 und 0,5 Prozentpunkte mehr sein. Ursache für die erwartete Entwicklung ist die anziehende Inflation. Das berichten verschiedene Medien unter Berufung auf die Finanzberatung FMH.

Die erwarteten Werte stellen allerdings noch immer sehr günstige Konditionen dar. Bei FMH sieht man Zinsen von mehr als drei Prozent auch langfristig nicht am Horizont. Die Inflation zwinge die Zentralbanken zwar dazu, die Zügel in der Geldpolitik etwas anzuziehen. So hat die US-Notenbank bereits die Erwartung mehrerer Zinserhöhungen für 2022 geschürt. Die EZB will ihr Corona-bedingtes Notaufkaufprogramm für Anleihen im März auslaufen lassen. Einen starken Zinsanstieg erwartet dadurch aber niemand.

Dennoch raten Fachleute allen, die noch bauen möchten, sich die aktuell günstigen Zinsen auf lange Sicht zu sichern. Eine kleine Beispielrechnung verdeutlicht die Problematik: Ein Käufer nimmt ein typisches Durchschnitts-Darlehn von 350.000 Euro mit aktuell einem Prozent Zins auf und vereinbart eine zehnjährige Laufzeit mit 3 Prozent Tilgung. Wenn die Zinsen um 0,2 Prozent höher liegen – also bei 1,2 Prozent rangieren – zahlt der Käufer im Laufe der 10 Jahre 5.700 Euro mehr Zinsen an die Bank. Das ist für einen Durchschnittshaushalt durchaus eine Menge Geld.

Keine Panik: Baufinanzierung solide berechnen

Dennoch: Übereilt sollte sich jetzt niemand in eine Baufinanzierung stürzen. Über die Mehrkosten durch den Zinsanstieg darf eine solide Finanzierung für den Weg ins Wohneigentum nämlich nicht vernachlässigt werden. Denn auch wenn man auf 15 oder gar 20 Jahre finanziert: Die Wenigsten können das Eigenheim in dieser Zeitspanne komplett abbezahlen. Eines fernen Tages wird also eine Anschlussfinanzierung gebraucht. Die muss man sich dann auch leisten können – selbst bei zwischenzeitlich gestiegenen Zinsen.

Das lässt sich am besten erreichen, wenn bis zum Ende der Zinsbindung schon ein großer Teil der Schulden getilgt ist. Dann bleibt bei der Anschlussfinanzierung auch mit deutlich gestiegenen Zinsen die monatliche Belastung im vertretbaren Rahmen. Für die Erstfinanzierung heißt das: Eigenkapital und Tilgung müssen so kalkuliert werden, dass die Restsumme am Ende der vereinbarten Laufzeit nicht zu groß ist. Da Immobilien sich seit Jahren stark verteuert haben und Käufer mithin immer höhere Summen finanzieren, will hier besonders sorgsam kalkuliert werden.

Das beherzigen die Kreditnehmer in der Tat auch mehrheitlich. Wie das Handelsblatt berichtet, ist der kreditfinanzierte Anteil der Kosten bei Immobilienkäufen zuletzt von 82 auf 80 Prozent gesunken – es wird also mehr Eigenkapital eingebracht. Die Kreditbelastungsquote – also der Anteil der monatlichen Ausgaben für Zinsen und Tilgung am verfügbaren Haushaltseinkommen – ist zugleich von 26 auf 25 Prozent gesunken. Wer sich daran orientiert, schafft Reserven für eine Anschlussfinanzierung in Zeiten gestiegener Zinsen.

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