Brachflächen im Ruhrgebiet entwickeln: Wohnen und Arbeiten sollen zusammenrücken

Das Ruhrgebiet leidet an einem Paradoxon: Obwohl der Niedergang der Montanindustrie viele Brachflächen geschaffen hat, fehlt es an nutzbaren Flächen für neue Gewerbeansiedlungen. Dringend benötigte Arbeitsplätze entstehen so anderswo auf der grünen Wiese. CDU und FDP wollen das jetzt ändern und Brachflächen nutzbar machen, damit an der Ruhr wieder Wohnen und Arbeiten möglich ist.

Düsseldorf. Die Landtagsfraktionen von CDU und FDP möchten die Entwicklung von Brachflächen im Ruhrgebiet voranbringen. Das geht aus einem gemeinsamen Antrag der Fraktionen hervor, der Haus & Grund Rheinland Westfalen vorliegt und am Freitag im Landtag zur Sprache kommen wird. Die Abgeordneten beauftragen damit die Landesregierung, „alle landesrechtlich zur Verfügung stehenden Instrumente verstärkt zu nutzen, um Brachflächen zu entwickeln, Unternehmen anzusiedeln und Arbeitsplätze im Ruhrgebiet zu generieren.“

Insbesondere soll eine Gesamtstrategie erarbeitet werden, um „die Mobilisierung, Aufbereitung und Wiedernutzung von Brachflächen zu ermöglichen.“ Hintergrund für die Initiative ist der Strukturwandel an der Ruhr. Durch den Wegfall der Kohleförderung und –verstromung sind im Ruhrgebiet viele Arbeitsplätze verloren gegangen und Industrieflächen brach gefallen. Wenn es gelänge, diese Brachflächen wieder für Gewerbeansiedlungen nutzbar zu machen, könnten neue Arbeitsplätze vor Ort entstehen.

Flächenmangel erschwert Gewerbeansiedlung – trotz vieler Brachen

Im Ruhrgebiet bestehe aktuell jedoch ein Mangel an unmittelbar vermarktungstauglichen und nutzbaren Industrie- und Gewerbeflächen. „Daher kann die große Nachfrage nach geeigneten Flächen, insbesondere auch aufgrund einer restriktiven Flächenpolitik im Ruhrgebiet, bereits seit Jahren nicht befriedigt werden“, heißt es in dem Antrag. Immer häufiger müssten interessierte Unternehmen auf Nachbarregionen ausweichen, da viele Kommunen im Ruhrgebiet kein Angebot für flächenintensive Ansiedlungen mehr darstellen können.

Unmittelbare Folge für die Menschen im Ruhrgebiet: Neue Arbeitsplätze entstehen nicht vor der Haustür, so dass man zur Arbeit pendeln muss. Überlastete Verkehrswege, Staus und höhere Schadstoffemissionen sind die Folge, aber auch verminderter Komfort und verlorene Zeit für jeden Einzelnen. Mit der Nutzbarmachung von Brachflächen für neue Gewerbeansiedlungen im Ruhrgebiet wollen CDU und FDP Wohnen und Arbeiten dagegen wieder näher zusammen bringen.

Nutzung von Brachflächen birgt viele Chancen für das Ruhrgebiet

Genau darin liegt zugleich aber auch eine Herausforderung. So schreiben die Abgeordneten in ihrem Antrag: „Entscheidend ist insbesondere für die Ausweisung von Industriegebieten die Lösung der Lärmproblematik gegenüber umliegenden herangerückten Wohnnutzungen.“ Sprich: Wer Gewerbe- und Wohngebiete nah zusammenrücken lässt, muss sich über einen entsprechenden Lärmschutz Gedanken machen – und genau das soll die Landesregierung tun.

Das gilt gerade auch in Bezug auf die Erschließung der Flächen mit Verkehrswegen, die für Gewerbeansiedlungen entscheidend sind. Bei Haus & Grund Rheinland Westfalen trifft der Ansatz auf Zustimmung. „In der Entwicklung von Brachflächen liegt eine große Chance für das Ruhrgebiet, die bislang noch zu wenig genutzt wird“, findet Erik Uwe Amaya, Verbandsdirektor von Haus & Grund Rheinland Westfalen.

„Wenn neue Arbeitsplätze die Attraktivität des Ruhrgebiets als Wohngegend stärken, hat das auch eine Entlastungswirkung für den angespannten Wohnungsmarkt auf der Rheinschiene. Die Menschen ziehen besonders gerne dort hin, wo es Arbeitsplätze, attraktive Kultur- und Freizeitangebote gibt. In dieser Hinsicht sehe ich sehr gute Perspektiven für das Ruhrgebiet und damit auch für NRW insgesamt.“

 

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