Deutlich mehr Baugenehmigungen im ersten Dreivierteljahr

Die monatlichen Zahlen zu neuen Baugenehmigungen waren dieses Jahr mit Vorsicht zu genießen: Wegen der Corona-Pandemie kamen die Bauämter nicht immer mit der Arbeit hinterher, holten dann kurzfristig auch mal wieder viel nach. Jetzt gibt es aber Zahlen für die gesamten ersten neun Monate des Jahres. Sie zeigen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum deutlich bergauf – vor allem in NRW.

Düsseldorf/Wiesbaden. Die Bauämter in Nordrhein-Westfalen haben in den ersten drei Quartalen des Jahres 2020 deutlich öfter eine Baugenehmigung für Wohnraum ausgestellt als noch im Vorjahreszeitraum. Insgesamt waren es gut 45.000 Genehmigungen und damit 11,5 Prozent mehr als im ersten Dreivierteljahr von 2019. Gut 39.300 der neuen Wohneinheiten sollen in Neubauten entstehen, was für diesen Bereich sogar ein Plus von 12 Prozent bedeutet. Das hat IT.NRW als statistisches Landesamt von Nordrhein-Westfalen jetzt mitgeteilt.

Genehmigungen für neue Wohneinheiten in Bestandsgebäuden legten um 11,4 Prozent zu, sie erteilten die Bauämter in NRW insgesamt gut 5.200 Mal. Hinter dieser Zahl verbergen sich unter anderem die Projekte zum Dachgeschossausbau. Der Trend bei den neu genehmigten Projekten geht ganz klar hin zum Mehrfamilienhaus. Knapp 25.000 neue Wohnungen in Mehrfamilienhäusern bekamen dieses Jahr bislang eine Baugenehmigung, das sind 13,7 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

Beim Zweifamilienhaus legten die Genehmigungszahlen um 8,8 Prozent zu. Weniger gefragt war dagegen das Einfamilienhaus: Für solche Bauprojekte erteilten die Bauämter 3,4 Prozent weniger Baugenehmigungen als im Vorjahreszeitraum. Erstmals seit längerem wurden auch wieder etwas mehr Wohnungen in Wohnheimen genehmigt: Die Zahl stieg um 195,5 Prozent oder rund 1.300 Wohneinheiten von sehr niedrigem Niveau auf eine Gesamtzahl von nunmehr knapp 2.000.

Gutes Klima für Wohnungsbau in NRW

Die Zahlen aus Nordrhein-Westfalen übertreffen den bundesweiten Trend bei weitem. So meldete das Statistische Bundesamt bundesweit einen Anstieg der Baugenehmigungen in den ersten drei Quartalen um 4,2 Prozent. Das Klima für den Neubau scheint in NRW also deutlich besser zu sein, als im Rest der Republik. Wie berichtet geht die NRW-Landesregierung davon aus, dass bis 2025 jedes Jahr 51.200 neue Wohnungen im Land entstehen müssen. Zumindest bei den Baugenehmigungen zeichnet sich ab, dass der Wert 2020 auch tatsächlich erreicht wird.

Das reicht allerdings nicht aus, denn nicht jede genehmigte Wohnung wird auch wirklich in absehbarer Zeit gebaut. Der Bauüberhang – also die Zahl genehmigter, aber noch nicht gebauter Wohnungen, steigt seit Jahren an. Erst im Juni hatte das Statistische Bundesamt gemeldet, dass der Bauüberhang in Deutschland im Jahr 2019 mit 740.400 Wohnungen auf den höchsten Stand seit 1998 gestiegen ist. Seit 2008 nimmt der Bauüberhang unaufhörlich zu. Noch unklar ist, welche Auswirkungen die Corona-Pandemie auf die Entwicklung des Bauüberhangs haben wird.

 

zurück zum News-Archiv