Eigenheime in NRW verteuern sich weiter – Ruhrgebiet holt auf

Wer in Nordrhein-Westfalen Eigentümer einer Wohnimmobilie ist, kann sich trotz Corona über eine positive Wertentwicklung freuen. Wer erst noch Eigentümer werden möchte, muss sich entsprechend mit weiterhin steigenden Preisen auseinandersetzen. Dabei gibt es im Land allerdings deutliche Unterschiede je nach Region und Art des Wohneigentums. Wir geben eine Übersicht.

Aachen. Die Corona-Pandemie macht sich bei Immobilienpreisen in Nordrhein-Westfalen offenbar bislang nicht bemerkbar. Sie steigen weiterhin – im Landesdurchschnitt waren es in diesem Frühjahr 10 Prozent mehr als im Vorjahr. Das Ruhrgebiet hat kräftig aufgeholt und zeigte ein Wachstum von 7 Prozent bei den Preisen für Wohnimmobilien. Den landesweit moderatesten Anstieg gab es im Sauerland und im Siegerland mit 6 Prozent.

Die Region Köln/Bonn kam mit 18 Prozent auf das Dreifache. Das geht aus einer Erhebung der Bausparkasse LBS West mit Stand Juli 2020 hervor, über welche die WAZ jetzt berichtete. Die Nachfrage übersteigt demnach das Angebot weiterhin deutlich. In der Marktregion NRW, Niedersachsen, Berlin und Bremen zusammengenommen hat die LBS letztes Jahr 13.703 Immobilien vermittelt und hatte es dabei mit 150.000 Interessenten zu tun.

In NRW ist Wohneigentum den Regionen Köln/Bonn und Niederrhein am teuersten. Am billigsten sind die Regionen Sauerland, Siegerland und Ostwestfalen-Lippe. Das Ruhrgebiet, lange besonders günstig, hat zwar deutlich aufgeholt. Trotz dieses Trends ist Wohneigentum zwischen Ruhr und Emscher jedoch weiterhin eine recht günstige Wahl, die Preise liegen für die einzelnen Typen von Wohnimmobilien jeweils noch unter dem Landesschnitt.

Eigentumswohnungen: Im Sauer- und Siegerland am günstigsten

Für eine 80 Quadratmeter große Neubauwohnung muss der Käufer im Raum Köln/Bonn mit 364.400 € am meisten ausgeben, gefolgt vom Niederrhein mit 294.800 € und dem Bergischen Land mit 278.400 €. Am günstigsten kommt man zu einer Eigentumswohnung dagegen im Sauer- und Siegerland. Dort genügen im Schnitt 216.000 €. Es folgen Ostwestfalen-Lippe mit ebenfalls recht günstigen 228.800 € und der Raum Aachen/Eifel mit 236.400 €. Zum Vergleich: Im NRW-Landesdurchschnitt schlägt eine Eigentumswohnung aktuell mit 272.000 € zu Buche.

Gebrauchte Objekte sind natürlich günstiger zu haben. Eine 80 Quadratmeter große Bestandswohnung kostet den neuen Eigentümer im NRW-Schnitt 163.600 €. Es geht aber auch deutlich günstiger: Im Sauer- und Siegerland ist man schon mit 108.800 € dabei, das Ruhrgebiet lockt mit Durchschnittspreisen von 130.400 €. Auch das Bergische Land ist mit 144.400 € günstig. Am teuersten ist eine Bestandswohnung dagegen im Raum Köln/Bonn (254.000 €), gefolgt vom Münsterland (174.000 €) und dem Niederrhein (170.000 €).

Für Einfamilienhäuser ist der Niederrhein ein teures Pflaster

Für ein 100 Quadratmeter großes Reihenhaus ermittelte die LBS West einen NRW-Durchschnittspreise von 345.000 €. Auch hier ist die Schwankungsbreite beträchtlich. Am teuersten ist auch in diesem Segment der Köln-Bonner-Raum: 460.000 € muss einem Käufer das Reihenhäuschen dort wert sein. Am Niederrhein ist es mit 370.000 € und im Münsterland mit 335.000 € schon deutlich günstiger. Auf der anderen Seite der Preisskala finden sich dagegen die Region Aachen/Eifel mit 236.400 €, das Sauer- und Siegerland mit 240.000 € und Ostwestfalen-Lippe mit 255.000 €.

Wer sich für ein freistehendes Einfamilienhaus interessiert, der muss dagegen am Niederrhein am tiefsten in die Tasche greifen. Für ein 120 Quadratmeter großes Eigenheim werden dort im Schnitt 460.000 € fällig. Der Landesdurchschnitt liegt bei 390.000 Euro und wird vom Bergischen Land mit 385.000 € ziemlich genau getroffen. Als drittteuerste Region ist das Münsterland mit 360.000 € schon wieder vergleichsweise günstig.

Immobilienpreise im Ruhrgebiet liegen im Mittelfeld

Wer für wirklich wenig Geld ins Einfamilienhaus ziehen möchte, sollte sich dagegen im Siegerland oder im Sauerland umsehen. Dort liegt der Preis im Schnitt bei 245.000 €. Ostwestfalen-Lippe (290.000 €) und der Bereich Aachen/Eifel (330.000 €) folgen auf den Plätzen. Sehr große Preisunterschiede gibt es beim Bauland. Im NRW-Landesdurchschnitt kostet der Quadratmeter laut der Erhebung aktuell 355 €.

Im ländlichen Raum geht das sehr viel preiswerter: Im Sauer- und Siegerland gibt es den Quadratmeter Baugrund im Schnitt schon für 130 €, in Ostwestfalen-Lippe für 195 € und im Bereich Aachen/Eifel für 250 €. Am teuersten ist Grund und Boden dagegen – wenig überraschend – im Raum Köln/Bonn. Dort kostet der Quadratmeter 625 €. Am Niederrhein sind es 455 € und im Münsterland 325 €.

Das Ruhrgebiet taucht in all diesen Ranglisten kaum auf: Es rangiert durch den beobachteten Aufholeffekt inzwischen preislich durchweg im Mittelfeld. Für Kaufinteressenten bieten diese Zahlen interessante Anhaltspunkte bei der Standortwahl – mehr aber auch nicht. Denn: Innerhalb der genannten Regionen können die Preise sich von Ort zu Ort noch einmal deutlich unterscheiden. Gerade bei der Region Aachen/Eifel beispielsweise ist von einem deutlichen Preisgefälle zwischen dem ländlichen Raum der Eifel und der Großstadt Aachen auszugehen.

 

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