Fenster: Allround-Talent gesucht

Fenster sind ein wichtiger Bestandteil der Außenhülle – nicht nur in Sachen Aussehen, sondern auch bei der Energieeffizienz, als kostenloser Solarkollektor, bei der Sicherheit und beim Lärmschutz. Die Auswahl neuer Fenster sollte mit Bedacht erfolgen. Schließlich ist die Anschaffung eine Entscheidung über Jahrzehnte: Die durchschnittliche Nutzungsdauer beträgt mehr als 40 Jahre.

Berlin. Egal ob der Rahmen aus Holz, Kunststoff und Metall oder aus Kombinationen dieser Materialien besteht – Fenster können schick und funktional sein, wobei persönliche Vorlieben natürlich eine Rolle spielen. Wer Wert auf Natürlichkeit legt, setzt auf Holzfenster. Pflegeleicht und ebenfalls schön sind Kunststofffenster, die überwiegend in klassischem Weiß gewählt werden. Metall-Fenster hingegen sind Profis in Sachen Objektbau, Statik, Funktionalität sowie Gestaltung, und Holz-Metall-Fenster optimieren die Witterungsbeständigkeit der Holzfenster.

Doch neben dem Aussehen spielt vor allem die Energieeffizienz eine entscheidende Rolle. Eine effektive Wärmedämmverglasung im Zusammenspiel mit einer fortschrittlichen Rahmenkonstruktion kann die Energieeffizienz des Eigenheims deutlich erhöhen. Dabei gilt: Erst nach 1995 erbaute Modelle entsprechen einem Wärmeschutzstandard. Um den Wärmeverlust für Fenster zu bestimmen, wird der sogenannte U-Wert herangezogen, auch als Wärmedurchgangskoeffizient bezeichnet.

Je älter die Fenster, desto höher der Energieverlust

Der Wärmeschutz eines Fensters ist umso höher, je niedriger der U-Wert ist. Während dieser Wert bei einfachverglasten Fenstern nach dem Standard der Siebzigerjahre noch bei mehr als fünf Watt pro Quadratmeter und Kelvin W/(m2K) lag, erreichen moderne Fenster mit Zweifachverglasung heute im Durchschnitt 1,2 W/(m2K) und mit Dreifachverglasung 0,9 W/(m2K). Je älter die Fenster sind, desto höher ist somit auch die Energieeinsparung nach dem Fenstertausch. Moderne Fenster leisten aber noch mehr: Sie schützen vor Einbrechern, reduzieren den Lärm und stellen die Verbindung zur Außenwelt und der Natur dar.

Kurzum: Fenster sind Allround-Talente. Nicht zuletzt können Fenster auch als kostenloser Solarkollektor agieren. Im Zuge einer Modernisierung lassen sich über vergrößerte oder gar bodentiefe Fenster weitere Potenziale zur Energieeinsparung erschließen. So kann die Sonneneinstrahlung in der kühleren Jahreszeit die Innenräume erwärmen. Dank modern konzipierter Fenster verbleibt die Wärme drinnen und wird nicht direkt wieder nach außen abgegeben. Beim Energiesparen geht es also nicht nur um den Wärmeverlust, sondern um die Bilanz aus Letzterem sowie dem solaren Gewinn.

Natürlich spielt auch die Ausrichtung eine entscheidende Rolle. Fenster mit Ost-West-Ausrichtung entsprechen in ihrer Energiebilanz einer sehr gut gedämmten Wand. Bei einer Südfassade können diese Werte sogar noch übertroffen werden, heißt es beim Fachverband Fenster + Fassade. Wer clever ist, lässt den Einbau von modernen Fenstern übrigens fördern. Das BAFA (Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle) beispielsweise unterstützt mit seinem Programm BEG EM (Bundesförderung für effiziente Gebäude Einzelmaßnahme). Weitere Infos gibt es hier.

Fenstertausch in Wohnungseigentümergemeinschaften

Mit der WEG-Reform wurde es Eigentümergemeinschaften erleichtert, Beschlüsse zum Austausch und damit zur Modernisierung von Fenstern zu treffen. Da diese zum Gemeinschaftseigentum gehören, bedarf es immer einer Entscheidung der Gemeinschaft – vor der Reform in der Regel aller Eigentümer. Seit dem 1. Dezember 2020 genügt eine einfache Mehrheit. Handelt es sich um eine reine Instandsetzungsmaßnahme, werden die Kosten, wenn nicht in der Teilungserklärung anders festgeschrieben, nach § 16 Absatz 1 WEG nach dem Anteil der Miteigentumsanteile auf alle Eigentümer verteilt.

Geht der Austausch über eine Instandsetzungsmaßnahme hinaus, so richten sich die Kosten maßgeblich danach, wer für die Maßnahme gestimmt hat. Denn grundsätzlich zahlen nur diejenigen Eigentümer für alle Fenster, die für die Maßnahme gestimmt haben. Alle Eigentümer teilen sich nur dann die Kosten, wenn die Maßnahme sich entweder innerhalb eines angemessenen Zeitraums amortisiert oder mit mehr als zwei Dritteln der abgegebenen Stimmen und der Hälfte der Miteigentumsanteile beschlossen wurde.

Wann sich welche Maßnahme amortisiert, ist richterlich noch nicht geklärt, sodass Eigentümer darauf hinarbeiten sollten, die gesetzlich vorgesehene doppelt qualifizierte Mehrheit zu erreichen, um die Kosten auf alle Schultern zu verteilen.

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