Immer mehr Wohnungen nötig: Schon 42 Prozent Single-Haushalte in Deutschland

Die aktuelle Wohnungsknappheit – vor allem in großen Städten – hat einen ganz wesentlichen Grund, der oft in der öffentlichen Diskussion ungenannt bleibt: Die Haushalte in Deutschland werden seit Jahren immer kleiner. Dadurch steigt die Anzahl der Haushalte und mithin die Nachfrage nach Wohnungen. Aktuelle Zahlen zeigen, wie stark dieser Trend tatsächlich ist.

Wiesbaden. Immer mehr Deutsche leben allein. Von den 41,4 Millionen Haushalten in der Bundesrepublik sind stolze 42 Prozent Singlehaushalte. Etwa jeder fünfte Deutsche wohnt inzwischen allein – das sind 17,3 Millionen Menschen. Diese Zahlen hat das Statistische Bundesamt jetzt bekannt gegeben. Sie beruhen auf Auswertungen für das Jahr 2018 und zeigen: Auch die Mehrpersonenhaushalte werden immer kleiner. Unter ihnen haben Zweipersonenhaushalte mit 34 Prozent den größten Anteil.

Nur noch 12 Prozent der Mehrpersonenhaushalte haben drei Mitglieder, Vierpersonenhaushalte kommen gerade noch auf einen Anteil von 9 Prozent. Noch größere Haushalte sind echte Exoten: Fünf oder mehr Personen leben nur in 3 Prozent der Mehrpersonenhaushalte. Die amtliche Statistik zeigt deutlich: Der Trend zu immer kleineren Haushalten ist ungebrochen. Heute leben im Durchschnittshaushalt statistisch gesehen nur noch 1,99 Personen, im Jahr 1991 waren es noch 2,27. Zugleich ist die Zahl der Singlehaushalte seit 1991 um 46 Prozent gewachsen.

Plus 17 Prozent: Zahl der Haushalte hat stark zugenommen

Die Zahl der Zweipersonenhaushalte ist um 29 Prozent gestiegen. Diese Entwicklung hat erhebliche Folgen für den Wohnungsmarkt. Denn: Die Bevölkerungszahl ist seit den 90er-Jahren sehr stabil und auch zuletzt nur leicht angestiegen. Im Jahr 1991 zählte die amtliche Statistik 80,2 Millionen Haushaltsmitglieder in Privathaushalten (Haupt- und Nebenwohnsitz). Für das Jahr 2018 liegt die Zahl um 3 Prozent höher bei 82,5 Millionen. Wenn unter diesen Bedingungen die Zahl der Haushalte steigt, wächst die Nachfrage nach Wohnungen.

Und genau das ist zu beobachten: Seit dem Jahr 1991 hat sich die Zahl der Haushalte in der Bundesrepublik um 17 Prozent vergrößert – von damals 35,3 Millionen auf heute eben 41,1 Millionen. Der Bedarf an Wohnraum ist demnach drastisch gewachsen, heute benötigen die Deutschen 5,8 Millionen Wohnungen mehr als noch 1991. Fatalerweise ebbte der Neubau aber in den 90er-Jahren ab – weil die Bevölkerung ja nicht mehr wuchs. An die wachsende Zahl von Haushalten dachte niemand.

Kleinere Haushalte – große Bestandswohnungen

Die Zahlen beeinflussen noch eine weitere Statistik: Die Wohnfläche der Deutschen steigt seit Jahren. Nach Zahlen des statistischen Landesamtes IT.NRW hat der Durchschnittsbürger in Nordrhein-Westfalen inzwischen 45,3 Quadratmeter zur Verfügung. Der Grund liegt nicht nur in gestiegenen Ansprüchen, sondern auch in der Zunahme an kleinen Haushalten. Der Großteil des Wohnungsbestandes ist in der Nachkriegszeit entstanden, als die Haushalte noch deutlich größer waren.

Die amtlichen Zahlen für NRW zeigen: Die durchschnittliche Wohnung hat hierzulande – Küche mitgerechnet – 4,1 Zimmer. Der Anteil der Zweizimmerwohnungen liegt nur bei 10,1 Prozent, Einzimmerwohnungen kommen sogar nur auf 3,1 Prozent. So finden die Single- und Zweipersonenhaushalte von heute im Bestand kaum angemessen kleine Wohnungen und müssen auf mehr Fläche leben, als eigentlich nötig wäre. Die Folge: Selbst bei niedrigen Mieten fühlen sich diese Haushalte vergleichsweise stark von den Wohnkosten belastet.

Das betrifft freilich nicht nur die Kaltmieten: Auch die Betriebskosten fallen für eine größere Wohnung höher aus als für eine kleinere Behausung. Die Entwicklung der Betriebskosten ist insgesamt sogar das größere Problem als die Entwicklung der Mietpreise – mehr dazu erfahren Sie im NRW-Wohnkostenbericht 2019 von Haus & Grund Rheinland Westfalen.

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