Ist ein als Atombunker konstruiertes Wochenendhaus genehmigungsfähig?

Seit dem Angriff Russlands auf die Ukraine ist die weltpolitische Lage extrem angespannt. Auch in Deutschland macht sich bei einigen Menschen Kriegsangst breit, zumal der russische Machthaber verschiedentlich mit dem Einsatz von Atomwaffen gedroht hat. Wer sich deswegen einen Bunker zulegen möchte, kann diesen aber nicht so einfach als Wochenendhaus genehmigen lassen.

Trier. Wer sich einen privaten Atombunker bauen möchte, der hat schlechte Chancen auf eine Baugenehmigung, wenn er die Errichtung eines „atombombensicheren Wochenendhauses“ beantragt. Ein Bunker ist einfach kein typisches Wochenendhaus und daher auch in einem Quartier, in dem schon Wochenendhäuser stehen, nicht genehmigungsfähig. So hat es zumindest das Verwaltungsgericht Trier kürzlich entschieden (Urteil vom 12.04.2022, Az.: 7 K 292/22.TR).

Damit zog eine Bauherrin den Kürzeren, die sich im Konzer Ortsteil Oberemmel (Rheinland-Pfalz) einen 90 Quadratmeter großen Atombunker bauen wollte. Das eingeschossige, achteckige Gebäude sollte bis auf den Eingang unter der Erde verschwinden und mit 50 Zentimeter starken Stahlbetonwänden ausgestattet sein. Fenster waren nicht vorgesehen. Das Erdreich darüber sollte bepflanzt werden.

Bauvoranfrage für „atombombensicheres Wochenendhaus“ abgelehnt

Das fragliche Baugrundstück liegt in einem bisher mit 40 Gebäuden bebauten Innenbereich des Ortsteils, der passender Weise den Namen „Auf dem Schanzgraben“ trägt. Einen Bebauungsplan gibt es für das Gebiet nicht. Die Bauherrin stellte eine Bauvoranfrage beim zuständigen Bauamt, die allerdings abgelehnt wurde. Die Behörde verweigerte den Bauvorbescheid für das Vorhaben.

Begründung: Die Erschließung sei nicht gesichert und der Bunker füge sich nicht in die Bebauung der näheren Umgebung ein. Das bestritt die Bauherrin, schließlich stünden im Quartier schon andere Wochenendhäuser. Die Nutzungsform ihres Gebäudes als Wochenendhaus, das im Ernstfall auch als Schutzraum nutzbar wäre, stehe damit sehr wohl im Einklang mit seiner Umgebung.

Atombunker wäre städtebaulicher Fremdkörper

Vor dem Verwaltungsgericht kam die Bauherrin mit diesem Argument allerdings nicht durch. Das Gericht stellte zwar fest, dass es tatsächlich nicht das erste Wochenendhaus in der Umgebung wäre. Allerdings sei die fensterlose, unterirdische Bauausführung für ein Wochenendhaus völlig untypisch und auch in der Umgebung ein Novum. Es würde vielmehr ein städtebaulicher Fremdkörper entstehen.

Die Richter meinten außerdem, das Vorhaben erzeuge „eine Außenwirkung, die geeignet sei, im Gebiet ähnliche Bauwünsche aufkommen zu lassen.“ Das zöge „bodenrechtliche Spannungen“ nach sich, die letztlich von der Gemeinde mit einer Bauleitplanung geregelt werden müssten. Das Gericht räumte aber ein, dass an der Errichtung privater Schutzräume durchaus ein öffentliches Interesse bestehe, welches die Kommune durchaus im Rahmen einer Bauleitplanung berücksichtigen könnte.

Hinweis: Entscheidungen der Rechtsprechung sind sehr komplex. Eigene juristische Bewertungen ohne fachkundige Kenntnis sind daher nicht empfehlenswert. Ob dieses Urteil auch auf Ihren Sachverhalt Anwendung findet, kann ein Rechtsberater Ihres Haus & Grund-Ortsvereins mit Ihnen als Mitglied erörtern. Die rechtsanwaltliche Beratung durch Ihren Ortsverein ist in der Regel in der Mitgliedschaft enthalten, es fallen keine anwaltlichen Gebühren an.

 

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