Jedes zweite neue Wohnhaus hat eine Wärmepumpe

Die Wärmepumpe boomt: Inzwischen wird sogar mehr als jeder zweite Neubau damit beheizt. Die Gasheizung ist im Rückzug begriffen, allerdings zeigen sich hier deutliche Unterschiede zwischen den verschiedenen Typen von Wohngebäuden. Das ergibt die neueste Statistik zur Heizung in deutschen Neubauten. Der Anteil der Erneuerbaren liegt inzwischen bei mehr als zwei Dritteln.

Wiesbaden. Jedes zweite im letzten Jahr fertiggestellte Wohngebäude wird von einer Wärmepumpe beheizt. Mit einem Anteil von 50,6 Prozent an den primären Heizungen im Neubau war die Wärmepumpe im Jahr 2021 erstmals in mehr als der Hälfte der neuen Wohnhäuser zu finden. Das bedeutet ein sehr starkes Wachstum: Im Jahr 2015 kamen Wärmepumpen im Neubau noch auf einen Anteil von 31,4 Prozent, wie das Statistische Bundesamt jetzt (2. Juni 2022) mitteilte.

Im gleichen Zeitraum sank der Anteil der Neubauten mit Gasheizung von 51,5 auf nur noch 34,3 Prozent. Im Wettstreit mit der Gasheizung hat die Wärmepumpe also in nur 6 Jahren den Spieß komplett umgedreht. Das ist sehr bemerkenswert: Es kommt nicht oft vor, dass sich eine neue Technologie so schnell durchsetzt. Dabei boomt die Wärmepumpe vor allem im Einfamilienhaus und im Zweifamilienhaus: 53,9 Prozent dieser Objekte wurden letztes Jahr mit Wärmepumpe fertiggestellt.

Mehrfamilienhäuser meist noch mit Gas beheizt

Etwas anders liegen die Dinge beim Mehrfamilienhaus: Hier kommt die Wärmepumpe im Neubau nur auf einen Anteil von 30,6 Prozent, noch dominiert in diesem Segment mit 39,1 Prozent die Gasheizung. Bei Mehrfamilienhäusern kommt außerdem in 21,4 Prozent der Neubauten Fernwärme zum Einsatz. Das bietet sich vor allem beim Bau größerer Anlagen an und ist insofern naturgemäß bei den oft einzeln errichteten Einfamilienhäusern kein großes Thema.

Insgesamt lag der Anteil der Fernwärme bei den Neubauten im Jahr 2021 denn auch nur bei 8 Prozent, 2015 waren es 7,8 Prozent gewesen – das Wachstum ist in diesem Bereich also recht gering. Das mag mit den hohen Investitionen in Leitungsnetze zu tun haben. Zugleich liegt in der Fernwärme auch das finanzielle Risiko, dass sich der Nutzer für alle Zeit von einem einzigen Energielieferanten abhängig macht, der seine Preise dann völlig ohne Konkurrenz festlegen kann.

Solarthermie beliebt als Zusatzheizung

Alle anderen nicht fossilen Heizungsalternativen kommen gemeinsam übrigens nur auf einen Anteil von 4,5 Prozent – jedenfalls, was die Nutzung als primäre Heizenergiequelle des Gebäudes angeht. In dieses Segment fällt Holz in Form von Pellets, Hackschnitzeln oder Scheiten für Kaminöfen ebenso wie Solarthermie und Biogas sowie andere Biomasse. Dabei wird insbesondere die Solarthermie vor allem als sekundäre, also zusätzliche, erneuerbare Heizenergiequelle eingesetzt.

Bei jenen Neubauten, die 2021 fertiggestellt wurden und eine zweite Heizenergiequelle bekamen, hatte die Sonnenenergie mit 13,1 Prozent den größten Anteil. Auf dem zweiten Platz folgte Holz mit 11,8 Prozent. Insgesamt lag der Anteil der neuen Wohnhäuser, die ganz oder teilweise mit erneuerbaren Energien beheizt werden, letztes Jahr bei 70,7 Prozent. Das sind nochmal rund 2 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr, 2015 waren es noch 61,5 Prozent gewesen.

Mehr als zwei Drittel der Neubauten regenerativ beheizt

In mehr als der Hälfte – 55,1 Prozent – der Neubauten des vergangenen Jahres diente eine erneuerbare Energiequelle sogar als primäre Heizung. Im Jahr 2015 waren es erst 38 Prozent gewesen. Dabei zählt die amtliche Statistik Wärmepumpen grundsätzlich mit zum Sektor der erneuerbaren Energien, obwohl diese einen nicht ganz unerheblichen Stromverbrauch aufweisen und der Strom nicht zwangsläufig regenerativ erzeugt sein muss. Die Statistik unterscheidet im Übrigen nicht weiter zwischen Luftwärmepumpe und Erdwärmepumpe.

Einzig die Fernwärme stuft die amtliche Statistik weder als erneuerbare, noch als fossile Heizung ein. Die Wärmequelle kann hierbei im konkreten Einzelfall sehr unterschiedlich sein, neben konventionellen Kraftwerken kommen auch Müllverbrennungsanlagen oder sonstige Industrieanlagen als Lieferanten für Fernwärme in Frage. Das kann, muss aber nicht regenerativ oder gar CO2-neutral sein.

Definitiv fossil und definitiv „out“ ist dagegen die Ölheizung: Im letzten Jahr entstanden in Deutschland nur noch 611 neue Wohnhäuser mit Ölheizung, was einem Anteil von nur noch 0,6 Prozent entspricht. Im Jahr 2015 waren es noch 1,1 Prozent gewesen. Es dürfte also nicht mehr lange dauern, bis der Wert auf Null fällt. Interessant ist die Frage, wie sich die Zahlen im laufenden  Jahr entwickeln – der Krieg in der Ukraine könnte neben der Ölheizung auch den Stern der Gasheizung noch schneller sinken lassen als bisher.

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