Junge Menschen ziehen immer früher bei den Eltern aus

Die jungen Menschen in Deutschland sind nicht gerade Nesthocker: Deutlich früher als im EU-Durchschnitt ziehen sie bei den Eltern aus. Und der Trend zum frühen Abschied nimmt sogar immer weiter zu – daran konnte überraschender Weise nicht einmal die Corona-Pandemie etwas ändern, wie aktuelle Zahlen jetzt belegen. Auf dem Wohnungsmarkt sorgt das für hohe Nachfrage.

Wiesbaden. Immer mehr Menschen in Deutschland ziehen schon in jungen Jahren aus dem Elternhaus aus. Mit 31,2 Prozent hatte im letzten Jahr knapp ein Drittel der 15- bis 24-Jährigen das elterliche Nest verlassen. Das sind 2,6 der insgesamt 8,3 Millionen Menschen dieser Altersgruppe in Deutschland. Damit hat sich trotz Corona und mancherorts angespannter Wohnungsmärkte der bestehende Trend sogar noch verstärkt.

Das hat das Statistische Bundesamt jetzt mitgeteilt. Demnach standen im Jahr 2011 erst 2,4 Millionen Menschen im Alter zwischen 15 und 24 Jahren auf eigenen Beinen, was einem Anteil von 27,5 Prozent an der Altersgruppe entsprach. Im Jahr 2019 waren es noch 28,3 Prozent gewesen, 2020 waren es 29,8 Prozent. Das zeigt deutlich, dass die Corona-Pandemie und die damit einhergehenden wirtschaftlichen Probleme den Trend nicht aufhalten konnten.

Junge Menschen in Deutschland verlassen früh das Elternhaus

Dabei ist Deutschland im europäischen Vergleich noch nie als Land der Nesthocker bekannt gewesen. Auch im letzten Jahr zogen die jungen Menschen in Deutschland im Schnitt 3 Jahre früher aus dem Elternhaus weg, als ihre Altersgenossen im europäischen Durchschnitt. In Deutschland ziehen die jungen Menschen durchschnittlich im Alter von 23,6 Jahren bei den Eltern aus, der europäische Durchschnittswert liegt dagegen mit 26,5 Jahren deutlich höher.

Besonders die Südeuropäer sind häufig Nesthocker: Erst mit 33,6 Jahren ziehen die jungen Menschen in Portugal zuhause aus – im Durchschnitt. Die Griechen kommen auf 30,7 Jahre, Italiener auf 29,9 und Spanier auf 29,8 Jahre. Verglichen damit zieht es die jungen Menschen in Deutschland ausgesprochen früh hinaus in die eigene Behausung. Frankreich kommt auf den gleichen Wert von 23,6 Jahren. Doch es geht auch noch früher, vor allem in Skandinavien.

Söhne bleiben länger bei den Eltern als Töchter

So wird der Nachwuchs in Schweden im Schnitt schon mit 19 Jahren flügge, in Finnland mit 21,2 Jahren. Dabei zeigt sich übrigens grundsätzlich, dass junge Frauen früher bei den Eltern ausziehen als junge Männer. Im EU-Durchschnitt ist es bei Frauen schon mit 25,5 Jahren soweit, bei Männern erst mit 27,4 Jahren. Der Effekt lässt sich auch in Deutschland beobachten. Bei den 15- bis 24 Jährigen Männern wohnen aktuell 27,6 Prozent nicht mehr im Elternhaus.

Bei den jungen Frauen dieser Altersgruppe sind dagegen schon 35,1 Prozent ausgezogen. Allerdings hat sich dieser Unterschied zwischen den Geschlechtern in den letzten zehn Jahren verringert. Im Jahr 2011 waren es noch 22,3 Prozent der Männer und 33,0 Prozent der Frauen zwischen 15 und 24 Jahren, die nicht mehr bei den Eltern lebten. Für den Wohnungsmarkt bedeutet die Situation in Deutschland freilich eine größere Nachfrage und höheren Umzugsbedarf als in anderen Ländern.

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