Mechanischer Einbruchschutz: Fenster und Türen sind Schwachstellen

Gerade jetzt in der dunklen Jahreszeit hat der Wohnungseinbruch wieder vermehrt Konjunktur. Vor allem im Schutz der Dämmerung schlagen die Täter gerne zu. Bei den meisten Einbrüchen gehören vor allem Fenster und Türen zu den häufigsten Einstiegspunkten. Wie also schützt man Schwachstellen wie Haus- und Wohnungstüren sowie leicht erreichbare Fenster am besten?

Berlin. Im Jahr 2021 wurden in Deutschland insgesamt 54.236 Wohnungseinbruchdiebstähle erfasst – die Tendenz ist sinkend, was auch daran liegt, dass immer mehr Eigentümer auf einen verbesserten Einbruchschutz bei Fenstern und Türen setzen. Auch die Kriminalstatistik zeigt, dass es sich lohnt, solche Maßnahmen zu ergreifen: Knapp die Hälfte der Einbruchsversuche scheitern mittlerweile. Denn die unerwünschten Eindringlinge brechen ihr Vorhaben im Allgemeinen nach wenigen Minuten erfolglosen Versuchens ab.

Dennoch: Bei 77 Prozent der Einbrüche hebeln Diebe Fenster und Türen auf. Vor allem bei Terrassentüren und leicht erreichbaren oder bodentiefen Fenstern im Erdgeschoss, im Keller oder der Garage kann es sich lohnen, auf einen erhöhten Einbruchschutz zu setzen. Hier gelangt der unerwünschte Besucher besonders leicht in die Wohnung. Von zusätzlichen Sicherheitsbeschlägen mit Pilzkopfzapfen über abschließbare Fenstergriffe oder einbruchhemmende Rollläden bis hin zu einer speziellen Fensterverglasung – beim Thema Einbruchschutz gibt es viele Möglichkeiten, die Sicherheit in den eigenen vier Wänden zu erhöhen.

Beim Kauf auf Sicherheitsklasse achten

Im Jahr 2011 trat mit der DIN EN 1627 eine europaweit gültige Norm in Kraft, die Haustüren und Fenster hinsichtlich ihrer Einbruchhemmung klassifiziert. Maßgeblich sind die verwendeten Werkzeuge und die Zeit, die ein Einbrecher braucht, um die Sicherheit der Tür zu überwinden. Zu der Einteilung gehört neben dem Material aber auch immer die entsprechende Montage, um die Sicherheitsklasse zu erreichen.

Für die für private Haushalte polizeilich empfohlene Sicherheitsklasse RC2 gehört neben Sicherheitsbeschlägen zusätzlich auch eine einbruchhemmende Verglasung. Eine in der Anschaffung etwas günstigere Alternative sind Fenster mit der Sicherheitsklasse RC2N. Sie verfügen ebenfalls über die gleichen Sicherheitseinrichtungen sowie einen abschließbaren Fenstergriff, allerdings besteht die Scheibe aus normalem Glas. Um einen optimalen Schutz zu gewährleisten, lohnt es sich aber gerade bei Fenstern im Erdgeschoss, zusätzlich in Sicherheitsgläser zu investieren.

Sicherheitsbeschläge nachrüsten

Auch bei bestehenden Fenstern und Türen, die nicht durch neue ersetzt werden sollen, gibt es verschiedene Lösungen der Nachrüstung, wie etwa spezielle Schließzylinder oder Schutzbeschläge. Viele Bestandsfenster sind mit einfachen Beschlägen ausgestattet, die lediglich dazu dienen, das Fenster fest zu schließen. Sie verfügen meist nur über Rollzapfen, die keinen ausreichenden mechanischen Schutz vor Einbruchsversuchen bieten. Halbwegs versierte Diebe überwinden solche Hürden sekundenschnell mit einem handelsüblichen Schraubendreher. Das Aufhebeln erfolgt zudem relativ geräuschlos. Der Rollzapfen wird einfach zur Seite gedrückt, sodass der Fensterrahmen über die Führung springt und geöffnet werden kann.

Anders sieht es bei einbruchhemmenden Beschlägen aus. Das sind zusätzlich gesicherte Beschläge im Fensterrahmen, die den Rahmen des Fensterflügels und den Blendrahmen fest miteinander verbinden, sodass ein schnelles Aufhebeln verhindert wird. Eine Pilzkopfverriegelung bietet dabei deutlich mehr Sicherheit: Das Verhaken der Pilzköpfe mit den im Fensterrahmen befindlichen Aussparungen in der Sicherheitsschließplatte sorgt für ein erschwertes Aufhebeln der Fenster. Je nach Sicherheitsstufe und Größe des Fensters variiert dabei die Anzahl der Pilzkopfzapfen mit Sicherheitsschließplatte.

Zusätzliche Elemente

Vor allem Fenster im Erdgeschoss und ersten Stock können zudem durch eine Vergitterung geschützt werden. Hier sollten Produkte gewählt werden, die eine hohe Stabilität aufweisen und gegen Demontage geschützt sind. Einbruchhemmende Gitter fallen ebenfalls unter die DIN EN 1627, und auch hier erhält man mit der Widerstandsklasse RC2 einen soliden Einbruchschutz. Weitere Möglichkeiten sind Roll- und Scherengitter sowie einbruchhemmende Rollläden, die bei Fenstern und Türen nachgerüstet werden können.

Abschließbare Fenstergriffe sind ein zusätzliches Element zur Erhöhung der Sicherheit. Allerdings ist ihre Wirksamkeit gegen Einbrecher begrenzt. Untersuchungen der Polizei zeigen, dass die früher noch häufiger praktizierte Methode des Einschlagens der Scheibe, um dann den innenliegenden Fenstergriff zu bedienen, heute eher selten Anwendung findet. Das Risiko für den Täter, sich dabei zu verletzen sowie durch den Lärm der berstenden Scheibe auf sich aufmerksam zu machen, ist zu hoch.

Haus- und Wohnungstüren können zudem mit einem Stangenschloss oder einer Querverriegelung nachträglich geschützt werden. Bei einem Querriegelschloss, auch Panzerriegel genannt, handelt es sich um einen verschließbaren Riegel, der horizontal über die gesamte Breite einer Tür verläuft und an beiden Seiten des Türrahmens verankert ist. Ein Stangenschloss verläuft vertikal an der Griffseite einer Tür oder eines Fensters und wird an dessen Ober- und Unterseite befestigt.

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