Niedergang der Kaufhäuser: Was wird aus unseren Innenstädten?

Der Warenhauskonzern Galeria Karstadt Kaufhof steckt durch die Corona-Pandemie noch tiefer in der Krise als zuvor ohnehin schon. Daher folgte kürzlich die Ankündigung, 62 Kaufhäuser zu schließen, 18 davon in NRW. Bei Karstadt Sports werden 20 der 30 Filialen dicht gemacht, in NRW sind es vier. Droht jetzt eine Verödung der Innenstädte? Das war gestern Thema im Landtag.

Düsseldorf. In einer aktuellen Stunde hat sich der nordrhein-westfälische Landtag gestern (25. Juni 2020) mit der Zukunft der Innenstädte beschäftigt. Die Sorgen sind groß, das zeigten die Wortbeiträge aller Abgeordneten. Der Tenor: Durch die Schließung der Warenhäuser verlieren die betroffenen Innenstädte einen bedeutenden Anziehungspunkt. Wenn dadurch weniger Menschen in die Zentren kommen, schadet das auch den vielen kleineren Geschäften und Gastronomen vor Ort.

Dabei bereitet die Corona-Situation den Einzelhändlern ohnehin ernste Existenzsorgen. Sie verstärkt die Schwierigkeiten, denen der stationäre Einzelhandel ohnehin seit längerem gegenübersteht: Der zunehmende Onlinehandel macht den Geschäften das Leben schwer. Die Innenstädte in Nordrhein-Westfalen werden sich dadurch verändern. Johannes Remmel von den Grünen forderte die Landesregierung dazu auf, die Kommunen aktiv zu unterstützen und ihnen finanzielle Spielräume für Investitionen in lebenswerte Innenstädte zu ermöglichen.

70-Millionen-Sofortprogramm für Innenstädte angekündigt

Die NRW-Landesregierung hat indes bereits am Dienstag (23. Juni) ein Sofortprogramm zur Stärkung der Innenstädte beschlossen. Darüber sollen 70 Millionen Euro bereitgestellt werden, um den Herausforderungen in den Zentren der NRW-Städte möglichst schnell begegnen zu können. Das verkündete NRW-Bauministerin Ina Scharrenbach (CDU) – zuständig unter anderem auch für Kommunales – in ihrer Rede vor dem Landtag. „Wir wollen dafür Sorge tragen, dass Kommunen Leerstände anmieten können, dass sie sie umnutzen können“, sagte Scharrenbach.

Das Programm steht nach den Worten der Ministerin jedoch nicht nur jenen Kommunen offen, die jetzt ihre Kaufhausfiliale verlieren, sondern allen. Scharrenbach betonte, dass der Trend zum Onlinehandel alle Innenstädte vor Herausforderungen stellt: „Der Wandel im Handel ist nicht erst seit Corona da.“ Tatsächlich hatte Scharrenbach schon vor zwei Jahren, im Juli 2018, die Landesinitiative „Zukunft. Innenstadt. Nordrhein-Westfalen.“ gegründet. Neben Kommunen, Bauministerium und Handel wirkt auch Haus & Grund Rheinland Westfalen als Vertreter der Eigentümer in der Landesinitiative daran mit, zukunftsfähige Ideen für Stadtzentren zu entwickeln.

Attraktive Innenstädte sind Immobilieneigentümern wichtig

Das Thema hat für den Landesverband Haus & Grund Rheinland Westfalen eine hohe Bedeutung. „Viele unserer Mitglieder vermieten Ladenlokale an Einzelhändler und Gastronomen. Oft liegen sie in den typischen Innenstadthäusern, wo es oben Wohnungen und im Erdgeschoss Geschäfte gibt“, stellt Konrad Adenauer beunruhigt fest. Der Präsident des Landesverbandes betont: „Wenn durch den Wegfall der Kaufhäuser, den Onlinehandel und die Corona-Situation Innenstädte weniger Kundschaft anziehen, sind gerade diese kleinen Geschäfte in ihrer Existenz bedroht und auf die Vermieter kommen verlustbringende Leerstände zu.“

Dabei sieht man auf Eigentümerseite nicht nur die fehlende Anziehungskraft großer Warenhäuser als Herausforderung für die Zukunft. „Damit der Einzelhandel in den Zentren funktionieren kann, ist auch eine gute Verkehrsanbindung wichtig“, erinnert Erik Uwe Amaya, Verbandsdirektor von Haus & Grund Rheinland Westfalen. „Mit hohen Parkgebühren, Umweltspuren, Fahrradspuren und großflächigen Tempo-30-Zonen wird die Erreichbarkeit der innerstädtischen Geschäfte zunehmend erschwert. Der Öffentliche Nahverkehr oder das Fahrrad sind aber keine Alternative, wenn man volle Einkaufstaschen dabei hat.“

Kommunalpolitik ist gefordert – Land NRW unterstützt

Vor allem Besucher aus dem Umland blieben ohne Auto den Innenstädten fern. Hier sei die kommunale Verkehrspolitik gefordert. Das Sofortprogramm der Landesregierung begrüßte Amaya ebenso wie das umgehende Gesprächsangebot Ina Scharrenbachs an die von Kaufhausschließungen betroffenen Bürgermeister: „Das ist eine wichtige Unterstützung, damit die Kommunen etwas für die Attraktivität ihrer Innenstädte tun können – und damit auch für die Eigentümer vor Ort, die unter Leerständen zu leiden hätten.“

Fest steht: Was nach Kaufhausschließungen und Pandemie aus den Innenstädten wird, hängt am Ende vor allem davon ab, wie die Kommunalpolitik den Herausforderungen begegnet. „Wir hoffen, dass die Kommunen von den Angeboten des Landes auch Gebrauch machen“, sagt Amaya. „Dabei bietet die Kommunalwahl im Herbst den Bürgern die Möglichkeit zu einer Weichenstellung, wie sich ihre Stadtzentren weiterentwickeln.“

 

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