Politikwechsel in NRW: Bauministerin packt das Thema Landflucht an

Die Wohnungsmärkte in NRW könnten regional kaum unterschiedlicher sein: Wohnungsknappheit und steigende Preise in den boomenden Universitätsstädten, Leerstände und sinkende Immobilienwerte auf dem Land. Ursache ist eine Landflucht – vielen erscheint das Leben in der Stadt heute attraktiver. Die neue Landesregierung will dem entgegenwirken und den ländlichen Raum stärken.

Düsseldorf. Die neue nordrhein-westfälische Bauministerin Ina Scharrenbach (CDU) möchte sich dem Problem der Landflucht stellen. Dazu soll das Leben im ländlichen Raum unter anderem durch eine bessere Anbindung an den Nahverkehr attraktiver werden. Das sagte Scharrenbach jetzt der Rheinischen Post. Unter anderem möchte die Ministerin den Gemeinden mehr Freiraum geben, Baugebiete entlang wichtiger Nahverkehrsachsen wie S-Bahn-Strecken auszuweisen.

„Wir freuen uns, dass die neue Bauministerin sich diesem Thema widmen möchte“, kommentiert der Vorsitzende von Haus & Grund Rheinland das Interview. Prof. Dr. Peter Rasche hatte in der Vergangenheit wiederholt auf das Problem hingewiesen, dass der Wohnungsknappheit in den Städten ein zunehmender Leerstand auf dem Land gegenübersteht. „In diesen Regionen haben private Vermieter große Schwierigkeiten, Wohnungen wirtschaftlich zu vermieten oder zu verkaufen.“ Angesichts sinkender Immobilienwerte macht in diesen Regionen schon der Begriff der Eigentümerarmut die Runde.

Flächenknappheit zwingt dazu, das Umland zu stärken

Die Lösung für die Wohnungsknappheit in den großen Städten nicht nur im Neubau innerhalb der Metropolen zu suchen erscheint noch aus einem weiteren Grund notwendig. Wie berichtet gibt es in den Großstädten kaum noch Bauland. Angesichts dessen ist es wenig realistisch, dass dort die hohe nachgefragte Zahl an Wohnungen wirklich geschaffen werden kann. „Bezahlbare Baugrundstücke finden sich in den Großstädten kaum noch. Ein Ausweichen ins Umland ist deswegen in einem gewissen Maß unvermeidlich“, gibt Erik Uwe Amaya, Verbandsdirektor von Haus & Grund Rheinland, zu bedenken.

„Es ist deswegen ein guter Schachzug, den ÖPNV zu stärken“, findet Rasche. „Dazu gehören aber nicht nur Baugebiete in der Nähe von S-Bahnstrecken. Der Nahverkehr muss insgesamt besser aufgestellt werden, zum Beispiel mit höheren Takten und günstigeren Preisen.“ Auch dichtere Nahverkehrsnetze seien wichtig, um die Abwanderung in Orten zu stoppen, in denen es bereits heute Leerstände gibt. Erik Uwe Amaya betont: „Wenn bestehende Wohngegenden wieder attraktiver werden, besteht auch nicht die Gefahr, dass auf dem Land zu viel neu gebaut und der Leerstand dadurch sogar vergrößert wird.“

Gute Verkehrsanbindung ist wichtiger Standortfaktor

Wie wichtig die Anbindung an die großen Zentren für die Attraktivität des Wohnens außerhalb der Großstädte ist, zeigte erst kürzlich eine Untersuchung des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR). Das BBSR kam in seiner Auswertung der Wanderungsbewegungen innerhalb Deutschlands zu dem Schluss: „Wer die Großstadt verlässt, geht nicht gleich aufs Land. Die große Mehrheit zieht entweder ins engere oder weitere Umland oder in eine andere Großstadt. Nur für wenige sind ländliche Gebiete abseits der Ballungsräume attraktiv.“

Eine gute Erreichbarkeit der Städte ist für die Attraktivität des Lebens auf dem Land ein sehr wichtiger, aber nicht der einzige Aspekt. „Auch schnelles Internet, gute Nahversorgung, ausreichend Ärzte und attraktive Freizeitmöglichkeiten sind wichtig, damit das Leben im ländlichen Raum attraktiv bleibt“, ergänzt Erik Uwe Amaya.

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