Preise für Baustoffe explodieren: Welchen Bauherren jetzt hohe Kosten drohen

Die Preise für Baustoffe steigen in letzter Zeit teils extrem an – besonders Erzeugnisse aus Holz, Metall und Erdölprodukten zeigen eine wahre Preisexplosion. Große Sorgenfalten treibt das aber nicht allen Bauherren auf die Stirn. Es gibt nämlich auch Baustoffe, deren Preisanstieg sich im Rahmen hält. Wir erklären, wer mit welchen Kostensteigerungen rechnen muss.

Wiesbaden. Die Preise für wichtige Baustoffe sind zuletzt dramatisch gestiegen und bereiten damit Bauherren in Deutschland immer größere Sorgen. Konstruktionsvollholz war im Mai 83,3 Prozent teurer als im Vormonat, die Preise für Dachlatten wuchsen zugleich um 45,7 Prozent. Für Bauholz mussten 38,4 Prozent mehr gezahlt werden. Das berichtete jetzt das Statistische Bundesamt. Die amtliche Statistik zeigt auch bei anderen wichtigen Baustoffen dramatische Verteuerungen.

Bei Betonstahlmatten stellten die Statistiker einen Preisanstieg von 30,4 Prozent fest. Stabförmiger Betonstahl verteuerte sich im Mai sogar um 44,3 Prozent. Beide Stahlerzeugnisse sind für die Verstärkung (Armierung) von Betonbauteilen unerlässlich. Dass sich der Frischbeton selbst nur um 1,7 Prozent verteuerte, ist angesichts dessen ein schwacher Trost für die Bauherren. Halbzeug aus Kupfer und dessen Legierungen kostete im Mai 37,7 Prozent mehr. Es wird vor allem für Elektroinstallationen sowie im Heizungsbau benötigt.

Preisexplosion vor allem bei Holz-, Metall- und Erdölprodukten

Neben Holz- und Metallprodukten sind auch Dämmplatten aus Kunststoff wesentlich teurer geworden – hier kletterten die Preise um ein Fünftel (19,9 Prozent). In Kunststoff steckt Erdöl – dessen Preise steigen seit einiger Zeit deutlich an. Kein Wunder, dass auch die Preise für ein weiteres Erdölprodukt auf Baustellen geradezu explodiert sind: Bitumen kostete im Mai 63,9 Prozent mehr als im Vormonat. Es wird zur Abdichtung von Wänden, Dächern und Fundamenten gebraucht.

Die Preise für Kies und Sand stiegen zeitgleich um 4,8 Prozent. Mauerziegel und Dachziegel verteuerten sich nur um 2,2 Prozent, Gipserzeugnisse um 1,4 Prozent. Damit liegen diese Baustoffe immerhin unter der durchschnittlichen Teuerungsrate der Erzeugerpreise, die zuletzt bei 7,2 Prozent gemessen wurde. Das ist der höchste Stand seit dem Jahr 2008. Das zeigt allerdings auch, wie weit überdurchschnittlich die Preise für Metall- und Holzprodukte gestiegen sind – ein wahrlich explosionsartiges Wachstum.

Je nach Materialauswahl: Preisanstieg trifft Bauherren sehr unterschiedlich

Das Statistische Bundesamt äußerte sich auch zu den Ursachen für den Preisschock: Vor allem eine steigende Nachfrage im In- und Ausland, die aufgrund von Versorgungsproblemen mit den Rohstoffen derzeit nicht befriedigt werden kann. Da die Preisanstiege je nach Material recht unterschiedlich ausfallen, ist die Wahl des Materials entscheidend dafür, wie stark Bauherren von der Preisexplosion betroffen sind. Auch hierzu finden sich in der amtlichen Statistik interessante Hinweise. Die Wahl der Materialien zeigt starke Unterschiede je nach Region und Gebäudetyp.

Von den im Jahr 2020 genehmigten neuen Wohngebäuden wurden 29,6 Prozent in Ziegelbauweise geplant. Am zweithäufigsten gab es eine Genehmigung für Gebäude aus Porenbeton (21 Prozent), gefolgt von Holz mit 20,4 Prozent. Kalksandstein kommt auf einen Marktanteil von 16,7 Prozent, Stahlbeton auf 7,9 Prozent. Alle anderen Baustoffe zusammen erreichen einen Anteil von 4,5 Prozent. Bei Einfamilienhaus und Zweifamilienhaus dominiert dabei klar die Ziegelbauweise. Sie bringt es hier auf einen Anteil von 30,1 Prozent.

Baustoff Holz boomt – und wird dadurch zur Kostenfalle

Je mehr Wohnungen ein Gebäude hat, desto größer wird der Anteil von Kalksandstein. Er ist bei mehr als einem Drittel (34,9 Prozent) der neu genehmigten Mehrfamilienhäuser der überwiegend verwendete Baustoff für die tragende Bauwerkskonstruktion. Holz ist als Baustoff unterdessen in den letzten Jahren stark auf dem Vormarsch. Im Jahr 2020 entschieden sich fast ein Viertel (23,1 Prozent) der Bauherren von Ein- und Zweifamilienhäusern für Holzbauweise – im Jahr 2010 waren es erst 16,7 Prozent gewesen.

Bei den beliebten Fertighäusern ist Holz sogar der klar dominante Baustoff: 88,1 Prozent der Fertighäuser bestehen im Wesentlichen aus Holz. Der Boom von Holz als Baustoff ist einerseits eine wichtige Ursache dafür, dass die Holzpreise so massiv ansteigen. Das wiederum bedeutet zugleich auch, dass die Bauherren von Holzhäusern besonders stark von den steigenden Baupreisen getroffen werden. Wer dagegen auf ein klassisches Massivhaus in Ziegelbauweise setzt, bleibt derzeit von der Preisexplosion weitgehend verschont.

zurück zum News-Archiv