Preise für Wohnimmobilien steigen weiter kräftig

Die Preisentwicklung am Immobilienmarkt geht weiterhin steil nach oben – vor allem bei Wohnimmobilien. Neue Zahlen zeigen jetzt, dass sich der Preisanstieg in diesem Jahr sogar noch einmal weiter beschleunigt hat. Das geschieht gar nicht so sehr trotz, sondern vielmehr gerade wegen dem neuen Trend zu steigenden Zinsen und hoher Inflation. Wohneigentum droht künftig für viele unbezahlbar zu werden.

Berlin. Die Immobilienpreise in Deutschland entwickeln sich in diesem Jahr bislang weiterhin so dynamisch wie bisher. Auch der Krieg in der Ukraine, die steigenden Zinsen und hohen Inflationsraten konnten den Trend bislang nicht bremsen. Im ersten Quartal dieses Jahres kosteten Immobilien satte 8,8 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Der Preisanstieg war damit sogar noch etwas stärker als im vorherigen Quartal, da hatte er bei 8,4 Prozent gelegen.

Das geht aus Zahlen hervor, die gestern (10. Mai 2022) vom Verband deutscher Pfandbriefbanken veröffentlicht wurden. Der Verband vertritt unter anderem die großen Immobilienfinanzierer Deutschlands und führt einen Immobilienpreisindex. Dazu wertet der Verband die Daten zu den tatsächlich durchgeführten Immobilientransaktionen von mehr als 700 Kreditinstituten aus. Dem Index liegen also real gezahlte Preise zugrunde und nicht etwa Angebotspreise.

Steigende Immobilienpreise: Wohnimmobilien am stärksten betroffen

Der Index zeigt auch auf längere Sicht, wie dramatisch sich die Kaufpreise für Immobilien in Deutschland entwickelt haben. Er rangiert aktuell bei 190,8 Punkten, das Basisjahr mit 100 Punkten ist das Jahr 2010. Die Immobilienpreise sind also in den letzten 12 Jahren um atemberaubende 90,8 Prozent gestiegen. Am stärksten trifft die Teuerung dabei die Wohnimmobilien. Sie verteuerten sich im ersten Quartal dieses Jahres um 10,7 Prozent.

Dagegen stiegen die Preise für Gewerbeimmobilien nur um 1,8 Prozent. Die einzelnen Teilmärkte entwickelten sich dabei sehr unterschiedlich: Während Bürogebäude um 3,9 Prozent teurer wurden, sanken die Preise für Einzelhandelsobjekte um 3,2 Prozent. Hierin spiegelt sich wohl die Pandemielage wieder: Die Corona-Zeit hat den Einzelhandel in große Schwierigkeiten gebracht, das Abebben der Pandemie hat zuletzt aber wieder zur vermehrten Rückkehr ins Büro geführt.

Wohnimmobilien zunehmend unbezahlbar

Der sogar noch beschleunigte Preisanstieg bei Wohnimmobilien erklärt sich aus einer gewissen „Torschlusspanik“: Wie berichtet bewegen die steigenden Zinsen und hohen Inflationsraten derzeit viele Privatleute dazu, den Umzug ins Eigenheim jetzt noch schnell in die Tat umzusetzen, bevor es für sie unfinanzierbar geworden ist. Das Angebot ist allerdings weiterhin knapper als die Nachfrage, explodierende Baukosten befeuern die Preisdynamik zusätzlich.

Das ist natürlich eine Momentaufnahme. Für die Zukunft rechnet der Verband der Pfandbriefbanken laut Medienberichten damit, dass sich die Preisdynamik abflacht, weil Immobilien durch die steigenden Zinsen für immer mehr Menschen unbezahlbar werden dürften. Bei Gewerbeimmobilien könnte eine kriegsbedingte Eintrübung der Konjunktur auf die Nachfrage drücken. Die Entwicklung der Baupreise dürfte sinkenden Preisen jedoch weiter in einem gewissen Maß entgegenwirken.

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