Rekord: Baupreise steigen so stark wie seit 51 Jahren nicht mehr

Die Baupreise explodieren – und stark betroffen ist der Wohnungsbau. Im August zeigt die amtliche Statistik den größten Preissprung seit mehr als einem halben Jahrhundert. Wohngebäude wurden um 12,6 Prozent teurer, während der Straßenbau ein Plus von „nur“ 7 Prozent meldet. Die Entwicklung hat verschiedene Ursachen – doch alle sind sie letztlich Konsequenzen aus der Corona-Pandemie.

Wiesbaden. Die Preise für den Bau neuer Wohngebäude haben in Deutschland im August einen so großen Sprung gemacht, wie seit 51 Jahren nicht mehr. Um durchschnittlich 12,6 Prozent stiegen die Baupreise im Vergleich zum Vorjahresmonat. Einen so großen Anstieg gab es zuletzt vom November 1969 zum November 1970 – damals waren die Preise um 13,1 Prozent in die Höhe geschnellt. Das hat das Statistische Bundesamt jetzt mitgeteilt.

Für den starken Anstieg gibt es zwei Gründe. Einerseits galt im August 2020 wegen der Corona-Pandemie vorübergehend eine geringere Mehrwertsteuer. Andererseits lag der Preisanstieg aber auch bei herausgerechneter Mehrwertsteuersenkung noch bei sehr hohen 9,7 Prozent. Den Grund dafür sehen die Statistiker in den stark gestiegenen Preisen für die teilweise sehr knapp gewordenen Baumaterialien – auch das ist eine Folge der Corona-Pandemie (wir berichteten).

Corona-Folge: Baupreise explodieren

Dabei zeigt die Preisentwicklung eine steigende Tendenz: Im Mai hatte die amtliche Statistik einen Anstieg der Baupreise um 6,4 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat festgestellt. Der Preisanstieg im August betrug im Vergleich mit Mai 2021 noch einmal 3,5 Prozent. Da nicht alle Baumaterialien gleich knapp sind, zeigen sich bei der Preisentwicklung auch erhebliche Unterschiede zwischen den einzelnen Baugewerken.

Am stärksten mussten die Zimmerleute ihre Preise anheben. Wegen der massiv gestiegenen Preise für Holz sind die Preise für Holzarbeiten im Schnitt um 46,5 Prozent in die Höhe geschnellt. Den zweitstärksten Preisanstieg gab es bei Entwässerungskanälen: Deren Herstellung hat sich um 15,1 Prozent verteuert. Bei Betonarbeiten stiegen die Preise mit 14,8 Prozent ähnlich stark, die Dachdecker mussten 14,5 Prozent mehr verlangen als im Vorjahresmonat.

Auch Ausbau und Instandhaltung stark verteuert

Bei den Klempnern zeigte sich ein Preisanstieg von 13,8 Prozent – hier machten sich vor allem gestiegene Metallpreise bemerkbar. Insgesamt errechnet sich so eine Verteuerung von 14,5 Prozent für die Rohbauarbeiten. Die Ausbauarbeiten verteuerten sich mit 11 Prozent nicht ganz so stark. Größter Preistreiber war hier der Estrich mit einem Preisanstieg von 14 Prozent. Metallbauarbeiten legten um 13,7 Prozent zu, Tischlerarbeiten um 12 Prozent.

Für Heizanlagen und die Technik zu Wassererwärmung berechneten die Installateure 10,9 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Angesichts solcher Zahlen versteht es sich von selbst, dass auch Instandhaltungsarbeiten deutlich teurer geworden sind. Insgesamt 11,9 Prozent beträgt das Plus in diesem Sektor. Insgesamt ist der Wohnungsbau besonders hart vom Preisanstieg betroffen: Im Straßenbau kletterten die Preise im Schnitt nur um 7 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

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