Rückgang der Beschäftigten: So viele Sanitär- und Heizungsbauer fehlen

Die Energiewende im Gebäudebestand hat zu einem Boom bei der Installation von Wärmepumpen und Solaranlagen geführt. Der Krieg in der Ukraine und die explodierenden Gaspreise haben den Trend nochmals deutlich verstärkt. Doch die Handwerker, die dafür gebraucht werden, fehlen. Eine aktuelle Statistik zeigt jetzt auf, wie groß der Fachkräftemangel tatsächlich ist.

Wiesbaden. Die Zahl der Beschäftigten im Sanitär- und Heizungsbau ist in Deutschland in den letzten 10 Jahren um 9,4 Prozent zurückgegangen. Nur noch rund 275.000 Beschäftige hat die Branche aktuell in Deutschland, vor 10 Jahren waren es noch etwas mehr als 300.000. Das hat das Statistische Bundesamt jetzt mitgeteilt. Besonders bedenklich: Von den heute noch aktiven Installateuren sind 22,4 Prozent älter als 55 und erreichen entsprechend bald das Rentenalter.

Auch dieses demographische Problem hat sich drastisch verschärft: Vor 10 Jahren fielen nur 12,9 Prozent der Beschäftigten im Sanitär- und Heizungsgewerbe in diese Altersgruppe. Zum Vergleich: Der Anteil der über 55-Jährigen unter allen Erwerbstätigen in Deutschland lag 2012 noch bei 16,3 Prozent, heute sind es 22 Prozent. Die demographische Entwicklung hat sich also bei den Installateuren ganz besonders stark ausgewirkt.

Heizungsinstallateure: Riesige Nachfrage, großer Fachkräftemangel

Das Gewerbe hat also ganz offensichtlich in den letzten 10 Jahren ein erhebliches  Nachwuchsproblem entwickelt. Immerhin steuert die Branche aber gegen: Die Zahl der Auszubildenden konnte in den letzten 10 Jahren um 13,5 Prozent gesteigert werden. Das ist auch dringend notwendig, denn für die Energiewende im Gebäudebestand sind die Fachleute für Sanitär- und Heizungsbau essentiell. Sie warten und ersetzen schließlich Heizungen, installieren aber auch die boomenden Wärmepumpen.

Gerade angesichts von Ukraine-Krieg und Gaskrise hat sich die Nachfrage noch weiter vergrößert. Dabei war sie ohnehin schon hoch. Die Umsätze der Branche stiegen in den letzten 10 Jahren um sagenhafte 73,1 Prozent von 2,7 auf 4,6 Milliarden Euro. Auch die Anzahl der Betriebe mit mehr als 20 Mitarbeitern hat in dieser Branche in der letzten Dekade deutlich zugenommen: Sie stieg um 39,6 Prozent auf inzwischen gut 3.700 Betriebe.

Die Nachfrage kann das dennoch bei weitem noch nicht befriedigen. Das zeigt die Entwicklung der Preise. Im Juni dieses Jahres zahlten Verbraucher für Sanitärarbeiten 14,4 Prozent mehr und im Bereich Heizung/Klima 13,5 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Das ist fast das Doppelte der gleichzeitig gemessenen Inflationsrate von 7,6 Prozent. Im entscheidenden Handwerk für die Energiewende herrscht also aktuell ein großer Fachkräftemangel und eine Entspannung der Lage ist mittelfristig nicht zu erwarten. Die Preise sind hoch und dürften weiter steigen.

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