Schimmelpilzschäden: Kalte Wände sind anfällig

Schimmelpilze in Wohnungen sind nicht unbedingt nur ein Problem im unsanierten Altbau. Auch unsachgemäß ausgeführte Modernisierungsmaßnahmen oder Restbaufeuchte können zum Ärgernis werden. Es gibt die verschiedensten Ursachen und Faktoren, die zu bedenken sind, will man Schimmelbildung vermeiden. Wir geben Tipps und Hinweise dazu.

Berlin. Schimmelpilzbefall im Haus ist nicht nur unschön. Er kann auch die Gesundheit gefährden. „Wer ihn in den eigenen vier Wänden entdeckt, sollte sich deshalb umgehend auf die Suche nach der Ursache begeben“, sagt Uwe Münzenberg, Vorsitzender des Berufsverbands Deutscher Baubiologen. In der Regel brauche es dazu auch Spezialisten. Schimmelpilze sind ein normaler und wichtiger Bestandteil unserer natürlichen Umwelt.

Problematisch wird es für die Bewohner aber, wenn Schimmelpilze aufgrund von Feuchteschäden Innenräume befallen. Dann kann ein dauerhafter Befall das Risiko für ernsthafte gesundheitliche Beschwerden erhöhen. Schimmelpilze wachsen in einem feuchten Umfeld, wobei die Oberfläche nicht sichtbar nass sein muss. Es genügt schon eine hohe relative Feuchtigkeit auf der Oberfläche.

Lüftungs- und Heizverhalten

Wird ein Schimmelpilzbefall entdeckt, bleibt die Frage, woher die erhöhte Feuchtigkeit kommt. In einem ganz normalen Haus kann sie allein durch einen unzureichenden Luftaustausch entstehen. Denn wer durch Duschen, Kochen, Wäschewaschen viel Feuchtigkeit in den eigenen vier Wänden produziert, muss für den regelmäßigen Abtransport dieser feuchten Luft sorgen, bevor sie sich an kalten Stellen niederschlägt.

Auch Temperaturunterschiede auf Wandoberflächen spielen bei der Suche nach den Ursachen von Schimmelpilzbildung oft eine Rolle: „Das Hauptproblem sind zu kalte Wandoberflächen im Verhältnis zur Luftfeuchte“, sagt Münzenberg. Diese finden sich insbesondere an unzureichend gedämmten Außenwänden in Verbindung mit schlecht beheizten Innenräumen. Deshalb ist eine gut ausgeführte Wärmedämmung und gleichmäßige Wärmeverteilung in den Innenräumen so wichtig.

Richtige Beheizung ist wichtig

Je schlechter ein Haus gedämmt ist, desto mehr muss geheizt werden, um kalte Wandoberflächen zu erwärmen. Entscheidend ist auch, dass die Wärme von den Heizflächen gleichmäßig im Raum verteilt wird. Heizkörper sollten daher niemals verdeckt werden. Auch wenn Räume wenig genutzt werden, sollten diese beheizt werden. Ein Haus sollte zudem immer als Ganzes gesehen und bauphysikalische Zusammenhänge beachtet werden.

„Wer beispielsweise nur alte Fenster gegen neue dichte Fenster austauscht, minimiert den natürlichen Luftaustausch und erhöht so das Risiko, dass sich die feuchte Luft an kalten Ecken der Außenwände niederschlägt“, betont er. Da helfe oftmals auch keine Fensterlüftung mehr, obwohl dies fälschlicherweise in vielen Ratgebern zu lesen sei. Abhilfe könne nur eine Erhöhung des natürlichen Luftwechsels, Heizen oder eben eine bessere Wärmedämmung schaffen.

Wärmebrücken

Im Zusammenhang mit Schimmelpilzbildung werden oft auch sogenannte Wärmebrücken genannt; also Schwachstellen in der Wärmedämmung durch die Wärme entweicht. „Wärmebrücken gibt es in jedem Haus“, sagt Münzenberg mit Blick auf Ecken an Außenwänden, Fensterrahmen oder Rollladenkästen. Entscheidend sei, dass die Oberflächentemperatur bestimmte Werte nicht unterschreite.

Immer wieder wird bei einer Modernisierung mit Fenstertausch oder bei abdichtenden Arbeiten an der Gebäudehülle das vorgeschriebene Lüftungskonzept vergessen. Dieses solle sicherstellen, dass die feuchte Luft durch freie oder ventilatorgestützte Lüftung nutzerunabhängig nach außen transportiert werden kann. Schimmelpilze können in Häusern aber auch dann entstehen, wenn ein Wasserschaden nicht schnell genug erkannt und behoben wird.

Wasserschaden und Restfeuchte

Wo Feuchtigkeit aufgrund von Mauerrissen oder undichten Dächern entsteht, können sich ebenfalls Schimmelpilze bilden. Diese Schäden sollten deshalb zügig ausgebessert werden. Als weiteren Grund für Schimmelpilzbefall nennen Sachverständige die sogenannte Neubau-Restfeuchte.

Bauherren sollten deshalb immer darauf achten, dass das Haus möglichst schon vor dem Einzug durch technische Maßnahmen getrocknet wird. Aber auch nach Einzug oder einer umfangreichen Sanierung muss vorhandene Baufeuchte durch anfangs häufigeres oder längeres Lüften beseitigt werden. „Von alleine trocknen unsere gut gedämmten Häuser leider nicht“, erklärt Münzenberg.

zurück zum News-Archiv