Torschlusspanik beim Eigenheimkauf

Auf dem Markt für Wohnimmobilien hat sich seit Jahresbeginn eine äußerst ungünstige Situation zusammengebraut: Stark steigende Kreditzinsen, hohe Inflation und explodierende Baukosten treffen nach Jahren großer Nachfrage und knappen Angebots auf sehr hohe Kaufpreise. Viele wollen jetzt noch schnell ihr ersehntes Eigenheim kaufen, bevor es zu spät ist.

München. Die deutschen Baufinanzierer beobachten aktuell einen großen Run auf Wohnimmobilien. Das geht aus Berichten der Deutschen Presseagentur (dpa) hervor, die sich auf Zahlen der Landesbausparkassen und des Finanzvermittlers Interhyp stützen. Darlehen in Höhe von rund 890 Millionen Euro hat die Bayerische Landesbausparkasse demnach in den ersten vier Monaten dieses Jahres schon zugesagt. Das sind 70 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum, wie es von dem Kreditinstitut hieß. In Nordrhein-Westfalen berichtet die LBS West von einem Anstieg der Kreditzusagen um 50 Prozent im gleichen Zeitraum.

Für die Entwicklung gibt es im Wesentlichen drei Ursachen. Einerseits neigt sich die langjährige Niedrigzinsphase offensichtlich dem Ende zu. Seit Anfang dieses Jahres sind die durchschnittlichen Zinsen für Kredite mit einer Laufzeit von zehn Jahren auf 2,6 Prozent gestiegen, wie Interhyp berichtet. Das Institut rechnet in diesem Jahr mit einem weiteren Anstieg auf etwa 3 Prozent. Das ist ganz erheblich, lagen die Zinsen doch im vergangenen Jahr mit rund einem Prozent noch sehr viel niedriger.

Eigenheim kaufen: Die finanzielle Luft wird immer dünner

Die steigenden Zinsen führen dazu, dass eine zunehmende Zahl potentieller Eigenheimbesitzer sich den Kauf der eigenen Immobilie nicht mehr leisten kann. Die in den letzten Jahren massiv gestiegenen Kaufpreise für Wohnimmobilien hatten viele Eigenheimkäufer nur wegen der niedrigen Zinsen noch stemmen können. Für diese Käufergruppe wird die Luft jetzt immer dünner. Viele versuchen daher offenbar, schnell noch an ein Eigenheim zu kommen, bevor es zu spät ist. In NRW hilft dabei die Maßnahme der Landesregierung, Käufer mit Zuschüssen von der hohen Grunderwerbsteuer zu entlasten (wir berichteten).

Andererseits hat die Inflation in den letzten Monaten immer neue Rekorde erreicht. Im März 2022 ermittelte das Statistische Bundesamt eine Inflationsrate von 7,3 Prozent. Für den April geht die Behörde nach ersten Berechnungen von 7,4 Prozent aus. Die Verbraucherpreise stiegen demnach zuletzt um 0,8 Prozent. Damit wächst der Druck auf Anleger, ihr Geld rasch in möglichst inflationssichere Häfen zu bringen. Ein sicherer Hafen bei Inflation ist die Investition in beständige Sachwerte – wie etwa Immobilien. Auch diese Überlegung hält die Nachfrage hoch.

Toxische Mischung: Zinsen, Inflation und Baukosten steigen stark

Zugleich sehen aber auch Viele, die sich Eigenkapital für ein Eigenheim angespart haben, dessen Wert durch die Inflation zusammenschmelzen. Dadurch spüren sie den Zugzwang, möglichst bald den Kauf einer Immobilie unter Dach und Fach zu bekommen, solange das Ersparte noch nicht zu sehr an Wert verloren hat. Dabei sehen sie sich allerdings einem dritten Problem gegenüber: Den stark steigenden Baukosten. Hintergrund ist wie berichtet unter anderem der mangelnde Nachschub bei vielen wichtigen Baumaterialien.

Hier zeigten sich in letzter Zeit Preisanstiege, die nochmal weit über der Inflationsrate lagen. Eine Entwicklung, die sinkenden Preisen auch dann noch entgegenwirken wird, wenn in den nächsten Monaten viele Nachfrager vorm Markt verschwinden, weil sie sich keinen Immobilienkauf mehr leisten können. Genau damit rechnet man bei Interhyp den Medienberichten zur Folge: Die Mischung aus steigenden Baukosten, hoher Inflation und steigenden Zinsen sieht man zunehmend als Problem für die Leistbarkeit von Wohnimmobilien.

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