Wohnungsbau schwächelt: Baugenehmigungen weiter rückläufig

Im vergangenen Jahr wuchs die Zahl der Baugenehmigungen in Deutschland kräftig, der Begriff des Bau-Booms machte die Runde. Die von Experten für notwendig befundenen 400.000 neuen Wohnungen im Jahr konnten trotzdem nicht entstehen. Ein Problem, denn in diesem Jahr scheint der Boom schon wieder abzuflauen. In fast allen Bereichen meldet das Statistische Bundesamt jetzt Rückgänge.

Wiesbaden. Die Zahl der Baugenehmigungen für Wohnungen ist in Deutschland rückläufig. Nachdem das Statistische Bundesamt im Mai wieder sinkende Zahlen gemeldet hatte, berichtet die Statistikbehörde heute (13. Juli 2017) von einer weiter gesunkenen Zahl bei den genehmigten Bauanträgen. Von Januar bis Mai 2017 erteilten die Bauämter für 11.300 Wohnungen weniger eine Baugenehmigung als im Vorjahreszeitraum. Das entspricht einem Rückgang von 7,6 Prozent. Insgesamt gaben die Behörden damit noch 137.100 Wohneinheiten das Okay.

Der noch im vergangenen Jahr beobachtete Boom bei Baugenehmigungen im Wohnungsbau ist offensichtlich ins Stocken geraten. Von den Rückgängen betroffen ist in erster Linie der Neubau von Ein- und Zweifamilienhäusern. Das Statistische Bundesamt rechnet vor, dass 11,3 Prozent weniger Einfamilienhäuser eine Genehmigung bekamen. Bei Zweifamilienhäusern betrug der Rückgang 3,7 Prozent.

Auch im Bestand entstehen weniger neue Wohnungen

Auch Wohnungen in Gebäuden, die bislang nicht zu Wohnzwecken dienten, sind zunehmend weniger gefragt. Die Zahl der Baugenehmigungen für solche Projekte sank um 2,4 Prozent auf nur noch 1.898 Stück. Viel stärker eingebrochen ist dagegen die Schaffung von Wohnraum durch den Um- oder Ausbau bestehender Gebäude. Diese Projekte hatten im letzten Jahr noch besonders stark zugenommen. In den ersten fünf Monaten des laufenden Jahres sank die Zahl der genehmigten Projekte dieser Art jedoch um 25,5 Prozent. Das entspricht einem Rückgang um 5.400 Wohnungen. Angesichts des hohen Potentials, das Studien dieser Art des Wohnungsbaus bescheinigen, sind die Zahlen ernüchternd.

Zwar ist der Rückgang zum Teil auch darauf zurückzuführen, dass aktuell nicht mehr so viele Flüchtlingsheime gebaut werden. Die Zahl der Genehmigungen für Wohnungen in Wohnheimen hat um 32,4 Prozent abgenommen. Doch angesichts der rückläufigen Zahlen in fast allen anderen Segmenten des Wohnungsbaus erscheint es zunehmend unrealistisch, dass die vielfach genannte Zahl der 400.000 benötigten Wohnungen pro Jahr in 2017 auch nur annähernd zu schaffen ist.

Gegen den Trend: Mehr Wohnungen in Mehrfamilienhäusern genehmigt

Gegen den Trend gestiegen ist allerdings die Zahl neu genehmigter Wohnungen in Mehrfamilienhäusern. Die Zunahme lag bei 4 Prozent. Insgesamt gaben die Bauämter damit den Startschuss für bundesweit 66.200 Wohnungen – ein höherer Wert wurde in den ersten fünf Monaten des Jahres seit 1998 nicht mehr gemessen. Demnach erlebt der Geschosswohnungsbau weiterhin einen Aufschwung. Angesichts knapper Flächen in den besonders nachfragestarken Großstädten überrascht dieser Trend nicht.

Einen hohen Anteil am Wohnungsneubau hat offensichtlich der Mietwohnungsbau. Die Zahl erteilter Baugenehmigungen für Eigentumswohnungen stagniert nämlich weitgehend. Aktuell ist ein Plus von mageren 0,8 Prozent zu verzeichnen. Bei all diesen Zahlen ist zu bedenken, dass nicht jedes genehmigte Projekt auch – zumindest in absehbarer Zeit – tatsächlich gebaut wird. Die Ursachen für die schwachen Zahlen dürften in verschiedenen Bereichen liegen: Sowohl die hohen Kaufnebenkosten, als auch knappes Bauland und die dadurch steigenden Grundstückspreise sind hierbei anzuführen.

 

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