Düsseldorf. Die neue Landesregierung möchte die Digitalisierung im Land vorantreiben. Das gilt gerade auch für den Bausektor, wie Bauministerin Ina Scharrenbach (CDU) jetzt mitgeteilt hat. Ihr Ministerium werde die Kommunen dabei unterstützen, zeitgemäße Systeme zur digitalen Einreichung von Bauanträgen auf- und auszubauen. „Mit der Digitalisierung der Planungs- und Baubranche werden zum einen Prozesse beschleunigt“, sagte Scharrenbach im Hinblick auf die aktuelle Trägheit beim Neubau. „Zudem wird die Attraktivität der Bauwirtschaft als Arbeitgeber erhöht.“
Damit hat die Ministerin gleich zwei Probleme angesprochen, die derzeit den Neubau dringend benötigter Wohnungen verlangsamen. Einerseits fehlt der Bauwirtschaft das Personal, um schneller zu bauen. Einen Handwerker für einen Auftrag zu finden ist inzwischen recht schwierig geworden. Andererseits dauert es sehr lange, eine Baugenehmigung zu erhalten. <link http: www.hausundgrund-rheinland.de aktuelles einzelansicht personalmangel-bauantraege-nur-schleppend-bearbeitet-3271 _blank external-link-new-window internal link in current>Wie berichtet sind Bearbeitungszeiten von deutlich über einem halben Jahr bei Bauanträgen keine Seltenheit in Nordrhein-Westfalen.
Digitale Planungsprozesse für schnellere Baugenehmigungen
„Zu oft trifft digital auf analog“, beklagt Ministerin Scharrenbach die gegenwärtige Situation. „Dies verlangsamt oftmals den gesamten Bauprozess. Deshalb gilt: Wir brauchen die Beschleunigung vom Start bis zum Ziel.“ Scharrenbach begrüßte deswegen eine Initiative der Baubranche: Am Donnerstag (10. August) hatten die Kammern und Verbände der Bauwirtschaft eine „Düsseldorfer Erklärung“ an die Ministerin geschickt. In dem Manifest bekennen sich die Verbände zur Einführung digitaler Prozesse. Das Schlagwort lautet BIM – Building Information Modelling.
Die Einführung dieser neuen, digitalen Arbeitsmethode stellt die Branche vor einen Kraftakt. Verbände wie Ministerium sind sich der Tatsache bewusst, dass der Bausektor sich durch viele kleine und mittelständische Planungs- und Handwerksbetriebe auszeichnet. Auf den Weg der Digitalisierung müssten all diese Betriebe mitgenommen werden, sagten die Verbände und die Ministerin unisono. Die Verbände sehen in der Digitalisierung jedoch große Chancen und sicherten der Landesregierung daher ihre volle Unterstützung zu.
„Durch das nunmehr gemeinsam von der Bauindustrie, dem Westdeutschen Handwerkskammertag, der Architekten- und der Ingenieurkammer in Nordrhein-Westfalen vorgelegten Positionspapier geht ein starkes Signal für die voranschreitende Digitalisierung der Baubranche aus“, lobte Ministerin Scharrenbach die Düsseldorfer Erklärung. Sie ließ erklären, dass sie noch in diesem Jahr zum Thema „digitales Bauen“ Gespräche mit den kommunalen Spitzenverbänden und Akteuren der Bauwirtschaft aufnehmen wird. Wichtiges Ziel dabei solle es sein, die behördlichen Genehmigungsprozesse zu beschleunigen.
Digitale Bauwirtschaft: Eigentümer werden profitieren
Positiv bewertet auch der Eigentümerverband Haus & Grund Rheinland den Aufbruch des Bausektors in die digitale Zukunft. „Derzeit wartet man vielfach sehr lange auf eine Baugenehmigung“, bemerkt Prof. Dr. Peter Rasche, Vorsitzender von Haus & Grund Rheinland. „Aus unserer Sicht ist eine Digitalisierung der Genehmigungsverfahren ein wichtiger Beitrag zu mehr Wohnraum in Gebieten mit hoher Nachfrage.“
Verbandsdirektor Erik Uwe Amaya sieht auch aus einem anderen Grund erhebliche Chancen in der Digitalisierung: „Wenn für jedes Haus am Computer ein Modell gebaut wird, können alle Beteiligten in 3D nachsehen, ob der Plan auch stimmig ist. Man kann Baufehler erkennen, bevor sie gemacht werden.“ So ließen sich Fehlkonstruktionen vermeiden, deren Beseitigung im Nachhinein teuer werden könnte. So seien letztlich gerade die Eigentümer die Profiteure der Digitalisierung auf dem Bau.
