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Mehr Familien ins Eigenheim bringen – aber wie?

Die Wohneigentumsquote in Deutschland stagniert – bei einkommensschwächeren Haushalten ist sie sogar rückläufig. Angesichts niedriger Zinsen eigentlich erstaunlich. Auch der internationale Vergleich ernüchtert: Deutschland hat die zweitniedrigste Wohneigentumsquote in Europa. Bauministerin Hendricks will deswegen jetzt Eigenkapitalzuschüsse für Familien.

Düsseldorf. Bundesbauministerin Barbara Hendricks (SPD) möchte Familien mit Eigenkapitalzuschüssen unter die Arme greifen, damit sich diese Wohneigentum leisten können. Das sagte die Ministerin jetzt in der WAZ. Demnach plant sie einen Zuschuss zwischen 8.000 und 20.000 Euro, je nach Zahl der Kinder. Damit möchte Hendricks das Problem der niedrigen Wohneigentumsquote angehen. Die liegt in Deutschland bei vergleichsweise mageren 52,5 Prozent. Nach Angaben des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) konnten sich in den letzten Jahren nur die besserverdienenden 40 Prozent der Haushalte Eigentum leisten. Bei den unteren 20 Prozent der Einkommen ist die Wohneigentumsquote sogar gesunken.

Hintergrund: Die Banken erwarten für ein Baudarlehn 10 oder sogar 20 Prozent Eigenkapital. Außerdem müssen die Bauherren die Nebenkosten des Immobilienkaufs aus der eigenen Tasche zahlen – der Notar und die Grunderwerbsteuer schlagen mit hohen Summen zu Buche. Insgesamt gehen Experten von 45.000 bis 50.000 Euro Eigenkapital aus, die eine Familie für ein Eigenheim mitbringen muss. Gerade jungen Familien fällt es in Zeiten niedriger Zinsen sehr schwer, so viel Kapital für einen Immobilienkauf anzusparen. Nach Untersuchungen des IW verfügen nur 20 Prozent der heutigen Mieter über so viel Geld.

Eigenkapitalzuschuss: linke Tasche, rechte Tasche

Angesichts dessen klingt der Vorschlag der Bauministerin auf den ersten Blick sinnvoll. Auf den zweiten Blick erweist er sich jedoch als kurios: „Mit dem vorgeschlagenen Eigenkapitalzuschuss würde der Bund von der linken in die rechte Tasche des Bürgers wirtschaften“, bemerkt Prof. Dr. Peter Rasche. Der Vorsitzende von Haus & Grund Rheinland stellt fest: „Unser Staat ist selbst dafür verantwortlich, dass die Menschen so viel Eigenkapital benötigen. Zum Beispiel mit der Erhöhung der Grunderwerbsteuer in NRW auf 6,5 Prozent.“

Das belegt auch ein internationaler Vergleich, den das IW angestellt hat. Für den Kauf einer 250.000 Euro teuren Eigentumswohnung muss ein Bauherr in Deutschland – je nach Bundesland – zwischen 11.500 und 20.000 Euro Nebenkosten aufbringen. In den Niederlanden wären es nur 6.500 Euro, in Großbritannien umgerechnet 3.250 Euro. Kein Wunder: In den Niederlanden liegt die Grunderwerbsteuer bei einem  Steuersatz von 2 Prozent. Der gilt auch in Großbritannien bei Kaufpreisen unter 250.000 Pfund. Erst darüber fallen 5 Prozent Grunderwerbsteuer an. Dazu profitieren britische Bauherren von einem Freibetrag: die ersten 125.000 Euro des Kaufpreises müssen überhaupt nicht versteuert werden.

Auch bei den Notargebühren ginge es preiswerter

Auch für den Grundbucheintrag zahlt man in unseren Nachbarländern weniger. Die Niederlande haben die Notarkosten mit einer Liberalisierung des Marktes sinken  lassen. Außerdem berechnen Notare in den Niederlanden ihre Gebühren nach fixen Preisen – und nicht wie in Deutschland in Abhängigkeit vom Wert der verkauften Immobilie. In Großbritannien unterstützen Anwälte  die Käufer im Kaufprozess und organisieren den Grundbucheintrag gleich mit, was kostendämpfend wirkt.

„Es wäre sicher hilfreich, die Notargebühren vom Wert der Immobilie abzukoppeln“, sagt Erik Uwe Amaya. Der Verbandsdirektor von Haus & Grund Rheinland fordert auch bei der Grunderwerbsteuer ein Umdenken – auch wenn das in Deutschland nicht leicht durchzusetzen ist. Denn die Grunderwerbsteuer fließt in die Kassen der Länder und die Gelder werden nicht in den Länderfinanzausgleich einbezogen. Gerade klamme Länder wie Nordrhein-Westfalen haben deswegen besonders kräftig die Grunderwerbsteuer erhöht – und eher kein Interesse an einer Senkung.

„Damit stopft NRW die Löcher in seiner Kasse auf Kosten der Zukunft von jungen Familien“, warnt Amaya. „Mehr Familien ins Eigenheim zu bringen wäre ein wichtiger Baustein für eine sichere Altersversorgung und eine Entlastung für den Mietwohnungsmarkt.“ Eine Senkung der Grunderwerbsteuer sei deswegen ein wichtiger Beitrag sowohl zu  bezahlbarem Wohnen, als auch zur Alterssicherung.

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