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Mit HBCD belastete Dämmplatten: Wie soll es weitergehen?

Seit Anfang dieses Monats gelten Dämmplatten aus Styropor als Sondermüll, wenn sie das bis 2015 verwendete Flammschutzmittel HBCD enthalten. Wie berichtet gibt es seither einen Entsorgungsengpass, der Baustellen lahmzulegen droht. Das Bundesumweltministerium wünscht sich vom Bundesrat jetzt, die Einstufung der Dämmplatten zu korrigieren.

Berlin. Die Bundesregierung hat die Bundesländer dazu aufgerufen, die Einstufung von Dämmplatten mit dem Flammschutzmittel HBCD als Sondermüll zurückzunehmen. Medienberichte zitieren einen Sprecher des Ministeriums mit der Aussage, man würde einen entsprechenden Beschluss des Bundesrates befürworten. Das Umweltministerium habe sich „immer dafür eingesetzt, dass dieser Dämmstoff nicht als Sondermüll und entsprechend auf Sondermülldeponien entsorgt werden muss“.

Die Begründung des Ministeriums ist, dass der Stoff unter großer Hitze schadlos verbrannt werden kann (<link http: www.hausundgrund-aachen.de aktuelles einzelansicht-aktuelles entsorgungskrise-bei-daemmplatten-bauherren-droht-kostenanstieg-781 _blank external-link-new-window internal link in current>wir berichteten). Solange der Abfall als Sondermüll gilt, dürfen herkömmliche Verbrennungsanlagen ihn aber nicht verwerten und nehmen das Material derzeit nicht an. So bleiben Entsorger und Baufirmen auf Ihrem Verschnitt sitzen. Der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Entsorgungswirtschaft (BDE) forderte daher in der FAZ die Bundesländer auf, „schnell und pragmatisch zu handeln“.

Stroh eine mögliche Alternative zu Styropor

Angesichts der aktuellen Schwierigkeiten mit der Entsorgung der herkömmlichen Dämmplatten stellt sich die Frage, ob chemisch behandeltes Styropor für die Dämmung von Häusern der Weisheit letzter Schluss ist. Denn auch wenn inzwischen ein anderes Flammschutzmittel eingesetzt wird und sich das Material schadlos verbrennen lässt – nachhaltig ist diese Form der Dämmung nicht. Eine mögliche Alternative könnten Wände sein, die aus gepresstem Stroh aufgebaut sind. Medienberichten zufolge hat das Norddeutsche Zentrum für Nachhaltiges Bauen (NZNB) seinen Sitz in einem solchen Haus.

Die Wände aus den vorgefertigten Strohballen-Modulen sind sehr preiswert und bieten eine gute Wärmedämmung. Berechnungen des Fraunhoferinstituts für Bauphysik zeigten: Eine Strohwand von 36 Zentimetern Dicke isoliert sogar besser als eine Wand, die aus 17,5 Zentimeter starken Ziegelsteinen und 12,5 Zentimeter dicken Polyurethan-Schaumplatten besteht. Der Heizbedarf in einem solchen Gebäude liegt bei nur 40 Kilowattstunden pro Quadratmeter Wohnfläche und Jahr und erfüllt damit das Kriterium für ein Niedrigenergiehaus.

Nachhaltig bauen gegen Entsorgungsprobleme von morgen

Auch beim Brandschutz schneiden Stroh-Gebäude nicht schlecht ab. Das Stroh ist so dicht verpresst, dass es erst nach mehr als einer Stunde Feuer fängt. Wird die Wand mit einer 5 Zentimeter dicken Lehmschicht verputzt, hält sie einem Feuer sogar 90 Minuten lang stand. Deswegen hat das Deutsche Institut für Bautechnik vor rund zwei Jahren die Allgemeine Bauaufsichtliche Zulassung für das Material erteilt. Allerdings kann Stroh für die Wände nur dann eingesetzt werden, wenn sichergestellt ist, dass keine Feuchtigkeit von unten in die Wand eindringen kann.

Wenn ein solches Gebäude abgerissen wird, ist die Entsorgung des Strohs völlig unbedenklich. Das heute bestehende Entsorgungsproblem mit den HBCD-behandelten Dämmplatten lässt sich dadurch aber nicht lösen: Bis 2015 sind diese Dämmungen in zahlreichen Gebäuden verbaut worden. Wann immer in Zukunft ein solches Gebäude abgerissen oder umgebaut wird, entsteht Abfall, der entsorgt werden muss. Das Thema bleibt deswegen ein wichtiger Punkt auf der aktuellen politischen Agenda. Bleibt abzuwarten, ob der Bundesrat eine zeitnahe Lösung des Problems in Angriff nimmt.

 

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