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Rekord bei Baugenehmigungen: Kommt jetzt der Bau-Boom?

"Viele neue Baugenehmigungen: Bringen sie bald auch viel zusätzliche Arbeit auf dem Bau?"

„Bauboom im Deutschland“ – diese Schlagzeile war am Wochenende in vielen Gazetten zu lesen. Der Anlass: Das Statistische Bundesamt hatte aktuelle Zahlen vorgelegt, die zeigen: Die Anzahl der erteilten Baugenehmigungen in Deutschland ist kräftig gewachsen. Aber heißt das wirklich, dass wir es mit dem vielerorts ersehnten Bau-Boom zu tun haben? Es gibt einige Indizien dafür, dass Skepsis angebracht ist.

Wiesbaden/Düsseldorf. In den ersten neun Monaten des Jahres 2016 sind in Deutschland so viele Wohnungen genehmigt worden, wie seit 1999 nicht mehr. 276.297 Wohneinheiten erhielten in diesem Jahr eine Baugenehmigung. Die Zahl liegt damit nochmal um 24 Prozent – ungefähr 53.500 Wohnungen – höher als im Vorjahreszeitraum. Das teilte das Statistische Bundesamt am Freitag (18.11.2016) in Wiesbaden mit.

Besonders stark war der Anstieg der Baugenehmigungen bei Mehrfamilienhäusern und Wohnheimen für Flüchtlinge. Um 129,6 Prozent stieg die Zahl der genehmigten Flüchtlingsheime auf 18.400 Stück. Zum Vergleich: Die Zahl der Genehmigungen für Wohnungen in Mehrfamilienhäusern stieg um 27,5 Prozent auf 26.700 Wohneinheiten. Wohnungen in Zweifamilienhäusern konnten um 12,6 Prozent zulegen – das entspricht in absoluten Zahlen etwa 1.900 Einheiten. Rechnet man die Wohnheime aus den Gesamtzahlen heraus, zeigt sich ein deutlich geringerer Anstieg bei den Baugenehmigungen: 16,8 Prozent waren es. Der Boom im Wohnungsbau dürfte also deutlich geringer ausfallen, als die Zahlen es auf den ersten Blick suggerieren.

Genehmigungs-Boom führt nicht automatisch zu Bau-Boom

Hinzu kommt: Eine genehmigte Immobilie wird nicht immer auch tatsächlich gebaut. Grundstücke sind auch Spekulationsobjekte – deren Wert steigt, wenn eine Baugenehmigung belegt, dass auf dem Grundstück tatsächlich gebaut werden kann. „Es ist nicht unwahrscheinlich, dass viele Baugenehmigungen nur eingeholt werden, um dem Spekulationswert des Grundstücks zu erhöhen“, gibt Prof. Dr. Peter Rasche zu bedenken. Der Vorsitzende von Haus & Grund Rheinland zeigte sich deswegen skeptisch, dass tatsächlich viele der neu genehmigten Bauprojekte in die Tat umgesetzt werden.

Die aktuell niedrigen Zinsen sind zwar durchaus ein Anreiz, wirklich zu bauen. Die schlechte Verzinsung lässt Anleger jedoch auch nach alternativen Geldanlagen suchen. Ein Grundstück mit Baurecht ist daher auch als Spekulationsobjekt besonders attraktiv, ohne dass wirklich in absehbarer Zeit gebaut wird. Der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie rechnet laut Medienberichten mit 300.000 Fertigstellungen in diesem Jahr. „Diese Zahl liegt deutlich unter den rund 400.000 neuen Wohnungen, die wir im Jahr bräuchten“, bemerkt Erik Uwe Amaya, Verbandsdirektor von Haus & Grund Rheinland. Damit wirklich mehr gebaut werde, sei es vor allem wichtig, das Bauen nicht durch immer weitere Vorschriften zu <link http: www.hausundgrund-aachen.de aktuelles einzelansicht-aktuelles bauen-in-nrw-ist-erneut-teurer-geworden-787 _blank external-link-new-window internal link in current>verteuern.

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