Twente/Düsseldorf. Mehr als die Hälfte der digitalen Stromzähler liefert falsche Werte, die weit über dem tatsächlichen Stromverbrauch liegen. Bis zu 582 Prozent des wirklich verbrauchten Stroms weisen die Geräte aus und erzeugen damit für die betroffenen Haushalte entsprechend überhöhte Stromrechnungen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der niederländischen Universität Twente.
In der Studie hatte der Professor Frank Leferink neun handelsübliche digitale Stromzähler auf ihre Messgenauigkeit hin untersucht. Darunter waren auch Modelle, die in Deutschland im Einsatz sind. Die Industrie preist die digitalen Zähler als „intelligente Stromzähler“, die beim Energiesparen helfen sollen. Doch ganz so intelligent sind die Geräte laut den Ergebnissen des Forschers nicht: Ausgerechnet die zunehmende Zahl von stromsparenden Geräten in den Haushalten sei die Ursache für die erheblichen Messfehler.
„Intelligente Stromzähler“ scheinbar doch nicht intelligent genug
Die Stromaufnahme moderner, stromsparender Geräte folgt nicht mehr dem klassischen Wellenmuster. Vielmehr wechselt ihre Stromaufnahme abrupt. Die getesteten Zähler seien auf dieses Verhalten elektrischer Verbraucher jedoch nicht richtig eingerichtet. Daraus ergeben sich die fehlerhaften Messungen, heißt es in der Studie. Verbraucherschützer in den Niederlanden fordern bereits Konsequenzen: Die digitalen Stromzähler müssten flächendeckend überprüft und nötigenfalls ersetzt werden.
In Deutschland könnten Millionen von Verbrauchern betroffen sein – immerhin sind bereits rund 6 Millionen digitale Stromzähler im Einsatz. Bei der Bundesnetzagentur sind die Details der niederländischen Studie noch nicht bekannt, wie der Spiegel schreibt. Demnach will man bei der Bundesnetzagentur jetzt die Ergebnisse der Studie prüfen und dann gegebenenfalls handeln. Die Einführung der sogenannten Smart Meter gilt schon lange als das Pannenprojekt im Rahmen der Energiewende. Probleme unter anderem beim Datenschutz hatten zu jahrelangen Verzögerungen geführt.
