Düsseldorf. Auf den ersten Blick sieht es unspektakulär aus: Die Wohnnebenkosten des durchschnittlichen rheinischen Haushalts haben 2015 um 1,4 Prozent höher gelegen als 2014. Statt monatlich 3,60 Euro mussten die Bürger 3,65 Euro pro Quadratmeter für die Nebenkosten ausgeben. Das ist das Ergebnis des Wohnkostenberichts 2016, den Haus & Grund Rheinland jetzt veröffentlicht hat. Aus der Studie geht hervor, wie sich jeder einzelne Kostenpunkt auf der Nebenkostenabrechnung von 2014 zu 2015 verändert hat. Dabei zeigt sich: Die Nebenkosten wären noch viel stärker gestiegen, wenn die Heizkosten vergangenes Jahr nicht deutlich zurückgegangen wären.
Das Verhältnis von Nettokaltmieten und Wohnkosten in Euro pro Monat und m².
Niedriger Ölpreis kaschiert steigende Nebenkosten
Vor 2 Jahren kostete ein Hektoliter Heizöl im Rheinland im Jahresdurchschnitt noch 64 Euro – 2015 waren es nach Angaben des Statistischen Bundesamtes nur noch 48,86 Euro. Der Gaspreis stagnierte. So verwundert es nicht, dass der durchschnittliche Haushalt im vergangenen Jahr geringere Heizkosten hatte. Fielen 2014 noch 79 Cent Heizkosten pro Quadratmeter und Monat an, waren es 2015 nur noch 77 Cent. Sie machen jedoch mit 21 Prozent weiterhin den mit Abstand größten Kostenfaktor auf der Betriebskostenrechnung aus.
„Wären die Heizkosten zumindest konstant geblieben, hätten die Betriebskosten insgesamt sogar um 1,9 Prozent zugelegt – und damit stärker als die Nettokaltmieten“, bemerkt Prof. Dr. Peter Rasche. Der Vorsitzende von Haus & Grund Rheinland entnimmt dem Wohnkostenbericht: Im Durchschnitt zahlte der rheinische Haushalt im Jahr 2014 eine Nettokaltmiete von 6,56 Euro pro Quadratmeter. Ein Jahr später waren es 6,68 Euro – ein Plus von 1,8 Prozent. Hierbei hat wohl die Einführung der Mietpreisbremse und der Kappungsgrenzenverordnung eine Rolle gespielt. „So mancher Vermieter hat vor dem Inkrafttreten die Miete angepasst“, sagt Rasche. Für die nächsten Jahre erwartet er daher noch kräftiger steigende Wohnkosten: „Vorzieheffekte bei den Mieten wird es nicht mehr geben und der Ölpreis dürfte kaum auf so einem niedrigen Niveau bleiben.“ Immerhin seien die Öl-Förderländer bereits in einem intensiven Dialog mit dem Ziel, sich auf gedrosselte Fördermengen zu einigen.
Die Größten Kostenfaktoren unter den Wohnnebenkosten.
Die größten Kostentreiber liegen in öffentlicher Hand
Für den Anstieg der „2. Miete“ zeigt der Wohnkostenbericht auch die Ursachen auf. Wie schon im <link http: www.hausundgrund-rheinland.de themen wohnkostenbericht wohnkostenbericht-2014 _blank external-link-new-window internal link in current>Wohnkostenbericht 2014 festgestellt wurde, sind 70 Prozent der Betriebskosten durch politische Entscheidungen allein verursacht. So ist der Aufwärtstrend bei der Grundsteuer weiterhin ungebrochen. Wies der letzte Wohnkostenbericht für 2013 noch 23 Cent Grundsteuer pro Quadratmeter und Monat aus, sind es 2014 schon 24 und im Folgejahr 25 Cent gewesen. Im rheinischen Durchschnitt, wohlgemerkt. Die einzelnen Kommunen legen sehr unterschiedliche Hebesätze fest. Faustregel: Je schlechter es um die kommunalen Finanzen bestellt ist, desto mehr wird bei der Grundsteuer hingelangt. So gilt im schuldenfreien Langenfeld ein Hebesatz von 380 Prozent. Das hoch verschuldete Duisburg langt seinen Bürgern dagegen mit 855 Prozent in die Tasche.
Die Grundsteuer liegt auf dem 3. Platz der größten Nebenkosten. „Wir fordern deswegen im Interesse bezahlbarer Wohnkosten erneut das Land auf: Erlasst endlich eine Grundsteuerbremse!“, sagt Erik Uwe Amaya. Der Verbandsdirektor von Haus & Grund Rheinland sieht zwei Möglichkeiten dafür: „NRW könnte eine Obergrenze für die Hebesätze festlegen oder beschließen, dass die Hebesätze den Bundesdurchschnitt nicht überschreiten dürfen.“
Die Grundsteuer: Große regionale Unterschiede in NRW.
Bezahlbares Wohnen braucht niedrigere Nebenkosten
Mit 8 Prozent sind die Müllgebühren der zweitgrößte Posten der Nebenkostenrechnung. 2015 sind sie zwar nur um 1 Prozent gestiegen, was pro Quadratmeter weniger als 1 Cent monatlich ausmacht. Es gibt aber große lokale Unterschiede. Nach Zahlen von Haus & Grund Deutschland muss ein Vierpersonenhaushalt in Leverkusen jährlich 909 Euro für die 7-tägige Müllabfuhr zahlen, in Solingen nur 172 Euro. Einige Kommunen haben hier also deutlichen Handlungsbedarf.
„Unsere Studie zeigt: Die vom Gesetzgeber verantworteten Wohnnebenkosten sind weiterhin der größere Kostentreiber als die Nettokaltmieten“, fasst Erik Uwe Amaya zusammen. Der Verbandsdirektor von Haus & Grund Rheinland sendet eine eindeutige Botschaft an die Politik: „Die Debatte um eine Verschärfung der Mietpreisbremse hilft wenig, um das Wohnen bezahlbar zu halten. Die Politik muss endlich die Bürger bei den Nebenkosten entlasten.“
Für den Wohnkostenbericht hat Haus & Grund Rheinland die Daten von rund 600 vermieteten sowie selbstgenutzten Wohneinheiten im gesamten Verbandsgebiet ausgewertet. Die Studie berücksichtigte all jene Kostenpunkte, die ein Vermieter über die Betriebskostenabrechnung auf seine Mieter umlegen darf.
Den kompletten Wohnkostenbericht 2016 können Sie <link file:1155 _blank download internal link in current>hier kostenlos herunterladen.
