Berlin. Nach einem kurzen Rückgang zu Beginn des vergangenen Jahres bewegen sich die Konditionen weiterhin meist in der Spanne zwischen 3 und 4 Prozent. Experten erwarten, dass sich die Kreditzinsen auf absehbare Zeit auf hohem Niveau einpendeln – und sogar weiter steigen könnten. Für viele heißt das: Bauen, Kaufen oder die Anschlussfinanzierung wird auf Jahre hinaus teurer bleiben als erhofft.
Dass die Zinsen trotz geldpolitischer Lockerungen der Notenbanken auf hohem Niveau verharren, hat mehrere Ursachen. Der wichtigste Treiber ist der Kapitalmarkt selbst. Viele Staaten verschulden sich immer stärker. Deutschland nähert sich einer Gesamtverschuldung von 3 Billionen Euro, die USA und Japan verzeichnen ebenfalls Rekordstände. Wenn Staaten mehr Anleihen ausgeben, um Geld von Investoren einzusammeln, steigt das Angebot an Schuldtiteln am Markt, die Kreditwürdigkeit der Schuldner sinkt – und Investoren fordern als Ausgleich höhere Verzinsung.
Ein Phänomen, das zuletzt auch bei Bundesanleihen zu beobachten war: Die Renditen der Papiere, die als wichtiger Maßstab für Hypothekenzinsen gelten, sind im vergangenen Jahr von rund 2 auf fast 3 Prozent geklettert. Diese Entwicklung schlägt sich entsprechend auf die Bauzinsen nieder – da hilft es auch nicht, dass sich der Leitzins zuletzt halbiert hat. Nach kurzer Entspannung sind die Kosten für Baugeld wieder gestiegen. 67 der vom Immobilienfinanzierer Interhyp befragten Experten rechnen mit weiter steigenden Zinsen. Zinssätze über 4 Prozent könnten bald nichts Ungewöhnliches mehr sein.
Mehrbelastungen durch hohe Zinsen
Was diese Entwicklung in der Praxis bedeutet, lässt sich an einem einfachen Beispiel verdeutlichen. Wer 300.000 Euro finanzieren möchte und bei einem Zinssatz von 3,10 Prozent mit einer anfänglichen Tilgung von 3 Prozent startet, kommt auf eine monatliche Rate von rund 1.525 Euro. Steigt der Zinssatz auf 4 Prozent, erhöht sich die Belastung auf etwa 1.750 Euro pro Monat. Das entspricht einer Mehrbelastung von rund 225 Euro monatlich beziehungsweise über 2.700 Euro im Jahr.
Gerade für Haushalte, die knapp kalkulieren oder bei denen sich das verfügbare Einkommen ohnehin durch gestiegene Lebenshaltungskosten unter Druck befindet, kann ein solcher Unterschied entscheidend sein. Hinzu kommt: Wer heute finanziert, muss nicht nur die aktuelle Rate stemmen können, sondern sollte auch im Blick behalten, wie sich die Restschuld und mögliche Anschlusskonditionen in einigen Jahren auf die Haushaltsrechnung auswirken.
Statt auf deutlich sinkende Bauzinsen zu hoffen, ist es sinnvoll, mit stabilen, eher höheren Finanzierungskosten zu rechnen und die eigene Belastbarkeit in mehreren Szenarien zu prüfen. Längere Zinsfestschreibungen, etwa über 15 oder 20 Jahre, können mehr Sicherheit geben, weil sie vor unerwarteten Zinsanstiegen schützen. Zwar sind solche Laufzeiten häufig etwas teurer, dafür erkauft man sich aber Planungssicherheit – ein Faktor, der in einem schwankungsanfälligen Markt für viele Eigentümer besonders wertvoll ist.
