Bilanz für 2025: Erstmals seit Jahren wieder mehr Baugenehmigungen

Die Zahl der Baugenehmigungen ist in den letzten Jahren stark eingebrochen. Umso mehr wurde die Jahresbilanz der amtlichen Statistik für 2025 mit Spannung erwartet. Inzwischen liegen die Zahlen vor und belegen: Die Trendwende ist geschafft, die Zahlen wieder gestiegen – allerdings noch immer zu niedrig. Zudem bleibt die bange Frage, wie sich der Bauüberhang künftig entwickeln wird.

Düsseldorf/Wiesbaden. Es ist eine Trendwende nach einem langen Durchhänger: Die Zahl der Baugenehmigungen für Wohnungsbauprojekte ist in Nordrhein-Westfalen im letzten Jahr erstmals in diesem Jahrzehnt wieder angestiegen. Insgesamt genehmigten die Bauämter in NRW im letzten Jahr 44.908 neue Wohnungen. Das sind 4.354 neu genehmigte Wohneinheiten mehr als im Vorjahr, was einem Plus von 10,7 Prozent entspricht. Das hat das Statistische Landesamt IT.NRW jetzt mitgeteilt.

Die amtliche Jahresbilanz zur Entwicklung der Baugenehmigungen zeigt einen überdurchschnittlich starken Anstieg bei den Genehmigungen für die Schaffung von neuem Wohnraum in Bestandsgebäuden: 16,2 Prozent betrug der Zuwachs 2025 in diesem Bereich. Mit insgesamt 8.156 Wohneinheiten stellt diese Art von Projekten aber immer noch einen recht kleinen Anteil an der Gesamtheit der geplanten Bauvorhaben dar. So erhielten 2025 insgesamt 36.752 Wohnungen in Neubauten eine Genehmigung, ein Plus von 9,6 Prozent.

Einfamilienhaus mit besonders hohem Zuwachs

Beim Blick auf die einzelnen Gebäudetypen fallen sehr unterschiedliche Entwicklungen auf. So ist die Zahl der Genehmigungen beim Einfamilienhaus sehr stark gestiegen: 21,4 Prozent betrug das Plus 2025, wenn auch auf einem sehr niedrigen Ausgangsniveau. Insgesamt erhielten nämlich letztes Jahr in NRW 7.152 Einfamilienhäuser eine Baugenehmigung. Genau das gegenteilige Bild zeigt sich beim Zweifamilienhaus: Dessen Genehmigungszahl wuchs 2025 nur um 2,5 Prozent auf 2.042 Wohneinheiten (also 1.021 Zweifamilienhäuser).

Die zahlenmäßig größte Gruppe der neuen Wohneinheiten bilden traditionell die Wohnungen in Mehrfamilienhäusern. Daran hat sich nichts geändert. Beim Mehrfamilienhaus zeigt sich: 2025 erhielten insgesamt 24.555 Wohnungen in diesem Sektor eine Baugenehmigung, was ein Plus von 4,8 Prozent bedeutet. Zusätzlich erhielten letztes Jahr 2.272 Wohnungen in Wohnheimen eine Baugenehmigung. Im Vorjahr waren es noch 1.414 gewesen, das Plus in diesem Bereich beträgt also stolze 60,7 Prozent.

Trendwende nach langjährigem, tiefem Absturz

Einzig in einem Segment zeigte sich im letzten Jahr ein leichter Rückgang bei den Baugenehmigungen: Nur noch 731 Mal genehmigten die NRW-Bauämter die Schaffung neuer Wohnungen in Nichtwohngebäuden, also Häusern, die überwiegend nicht zur Wohnnutzung vorgesehen sind. Im Vorjahr waren es noch 811 Genehmigungen gewesen. Das bedeutet einen Rückgang um 9,9 Prozent – allerdings in jenem Segment, das insgesamt den mit Abstand geringsten Anteil zum Wohnungsneubau in NRW beisteuert.

Die gestiegenen Genehmigungszahlen beenden eine längere Durststrecke: Seit dem Jahr 2020, als noch 61.849 Baugenehmigungen erteilt wurden, sank die Zahl der neu genehmigten Wohnungen jedes Jahr. Dabei kam es im Jahr 2023 zu einem massiven Einbruch der Genehmigungszahlen von 59.099 auf nur noch 43.603. Das zeigt auch, dass der jüngste Anstieg nicht nur die Vorjahreszahl, sondern auch die Zahl aus 2023 übertrifft. Eine deutliche Trendwende, wenngleich die Entfernung zum Niveau von 2020 noch groß ist.

Baugenehmigungen: NRW liegt voll im Bundestrend

Ein Blick auf die ebenfalls kürzlich vom Statistischen Bundesamt veröffentlichten Baugenehmigungszahlen für 2025 zeigt unterdessen, dass NRW voll im Bundestrend liegt: Bundesweit stieg die Zahl der neu genehmigten Wohnungen letztes Jahr um 10,8 Prozent. Dabei zeigen sich allerdings interessante Unterschiede bei der Aufschlüsselung nach Gebäudetypen: Mit einem Plus von 17,2 Prozent kam das Einfamilienhaus bundesweit auf einen deutlich kleineren Zuwachs als in NRW. 

Auch das Zweifamilienhaus kam mit einem Minus von 1,1 Prozent bundesweit deutlich schlechter weg als in Nordrhein-Westfalen. Dagegen war beim Mehrfamilienhaus bundesweit ein Zuwachs von 12,1 Prozent festzustellen, was ein wesentlich größeres Plus bedeutet als in NRW. Bemerkenswert: Das Statistische Bundesamt hat ausgerechnet, dass in Deutschland im vergangenen Jahr 95 Prozent aller neu genehmigten Wohnungen auf Planungen von Unternehmen und Privatpersonen zurückgehen.

Private Bauherren zentrale Säule des Wohnungsbaus

Dabei entfielen 108.000 neue Wohnungen auf Bauanträge von Unternehmen und 79.200 auf Privatleute. Mit 14,9 Prozent lag das Plus bei den Privaten ungefähr auf dem gleichen Niveau wie bei den Unternehmen, die auf 14,6 Prozent kamen. Die öffentliche Hand spielt im Wohnungsneubau also praktisch keine Rolle – mit sinkender Tendenz, das Minus bei den Genehmigungen betrug bundesweit im letzten Jahr 23,3 Prozent. Die öffentliche Hand ist also weit davon entfernt, die Entwicklung des Neubaus signifikant beeinflussen zu können.

Zugleich machen die Zahlen deutlich, wie hoch die Bedeutung privater Bauherren für den Wohnungsbau ist: Sie waren 2025 für stolze 40 Prozent der neu erteilten Baugenehmigungen verantwortlich. Wer den Wohnungsbau weiter ankurbeln möchte, kommt also nicht darum herum, die Investitionsbedingungen für private Bauherren zu verbessern. Der Bedarf dafür ist hoch: Mit bundesweit insgesamt 198.100 erteilten Genehmigungen für Neubauwohnungen lag die Zahl weit unter den laut Experten nötigen 400.000 Neubauwohnungen pro Jahr.

Dabei ist außerdem zu bedenken, dass es sich bei den Baugenehmigungszahlen nur um einen Frühindikator für die zukünftige Neubautätigkeit handelt, denn bei weitem nicht jede genehmigte Wohnung wird auch tatsächlich in absehbarer Zeit gebaut. Die Zahl genehmigter, aber noch nicht errichteter Wohnungen stellt den sogenannten Bauüberhang da – die aktuellsten Zahlen hierzu veröffentlicht die amtliche Statistik jedes Jahr im Frühsommer, so dass derzeit noch keine belastbaren, aktuellen Informationen hierzu vorliegen.

 

zurück zum News-Archiv