Energetisches Sanieren: zunehmende Zurückhaltung bei privaten Vermietern

Private Vermieter stehen hinter zwei Dritteln der vermieteten Wohnungen in Deutschland. Wenn der Wohnungsbestand seine Klimaziele erreichen soll, müssen diese Vermieter fleißig sanieren. Das passiert allerdings nicht, wie aktuelle Zahlen zeigen. Vielmehr ist die Modernisierungszurückhaltung groß. Grund sind auch die von der Politik gesetzten Rahmenbedingungen.

Köln. Die privaten Vermieter in Deutschland schrecken zunehmend davor zurück, energetische Modernisierungen vorzunehmen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage, welche das Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) im Auftrag einer Immobilienagentur aus Hannover durchgeführt hat. Demnach planen 59 Prozent der privaten Vermieter aktuell keine energetischen Modernisierungsmaßnahmen. In der Vorjahresbefragung waren es noch 48 Prozent gewesen. Die Daten stammen aus einer Online-Umfrage von etwa 1.000 privaten Vermietern, die im Februar dieses Jahres durchgeführt wurde.

„55 Prozent der Vermieter haben in den vergangenen Jahren energetische Maßnahmen umgesetzt; am häufigsten genannt werden Heizungstausch (34 Prozent), Fenstertausch (25 Prozent) und Dämmmaßnahmen (18 Prozent)“, berichtet das IW. Auch nach der Motivation für die Modernisierung wurde gefragt – Mehrfachnennungen waren zugelassen. Dabei gaben die meisten Vermieter (53 Prozent) an, dass es ihnen um langfristige Energieeinsparungen ging. Ein hohes Bewusstsein um die Verantwortung für ein Gelingen der Energiewende ist also vorhanden. Zugleich hatten 41 Prozent der Vermieter die Zufriedenheit ihrer Mieter im Blick.

Mehr als ein Drittel der Vermieter (38 Prozent) nannte die damit verbundene Wertsteigerung für ihr Objekt als Grund für die Modernisierung. Dagegen spielten ökologische Gründe nur für 31 Prozent der Vermieter eine Rolle. „Wo keine Maßnahmen ergriffen wurden, dominiert fehlende Dringlichkeit (64 Prozent), gefolgt von Kostenaspekten und fehlenden Mieterimpulsen“, schreibt das IW. Dabei dürften fehlende Mieterimpulse allerdings wiederum mit den Kosten zu tun haben, die als Modernisierungsmieterhöhung teilweise umgelegt werden könnten, woran Mieter in der Regel wenig Interesse haben.

Politik müsste bessere Rahmenbedingungen schaffen

Mit Blick auf das Erreichen der Klimaziele für den Gebäudebestand sind die beobachteten Zahlen bedenklich. Die Wohnungsbestände der befragten privaten Vermieter waren relativ alt, datieren überwiegend aus dem Zeitraum von 1949 bis 1994. Bei solchen Immobilien im Alter von mehr als 30 Jahren herrscht in der Regel ein energetischer Sanierungsbedarf vor. Wenn dieser nicht angegangen wird, können die Klimaziele nicht erreicht werden. Die Zahlen sind insofern ein Warnsignal an die Politik: Wer die finanzielle Handlungsfähigkeit privater Vermieter einschränkt, etwa durch eine Mietpreisregulierung, schwächt die Modernisierung.

Auch die Verunsicherung durch die Debatte um die Heizungsgesetzgebung trägt zur Zurückhaltung bei. Die Ergebnisse der Umfrage kommen nicht überraschend. Auch der NRW-Wohnkostenbericht 2025 von Haus & Grund Rheinland Ruhr hatte – zum wiederholten Mal – eine zunehmende Modernisierungszurückhaltung bei den befragten privaten Vermietern beobachtet. Mehr dazu lesen Sie hier. Übrigens: Auch in diesem Jahr wird wieder ein NRW-Wohnkostenbericht erstellt. Die Datenerhebung hierzu hat am 1. Juni begonnen, private Eigentümer sind zur Mitwirkung aufgerufen. Alle weiteren Informationen dazu finden Sie hier.

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