Jahresbilanz: Historisch wenige Blitze verursachen hohe Schäden

Im vergangenen Jahr haben Naturereignisse in Deutschland vergleichsweise wenig Schaden angerichtet – da machten auch die Gewitter keine Ausnahme. Es gab historisch wenige Blitzeinschläge. Trotzdem lag die Summe der von Blitzen verursachten Schäden wieder auf einem sehr hohen Niveau. Das hat auch mit der Verbreitung von Smart-Home-Systemen zu tun.

Berlin. Blitze haben im letzten Jahr in Deutschland deutlich seltener Schäden verursacht als im Vorjahr. Insgesamt rund 180.000 Blitzschäden und Überspannungsschäden kamen bundesweit zusammen, das sind 40.000 weniger als im Vorjahr. Das hat der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) jetzt mitgeteilt. Die deutschen Versicherer gaben rund 310 Millionen Euro für die Regulierung dieser Schäden aus, Hausratversicherungen und Wohngebäudeversicherungen zusammengerechnet. Das sind immerhin 30 Millionen Euro weniger als im Vorjahr.

Ungefähr alle drei Minuten verursachte 2025 ein Blitz einen Schaden, wie die Versicherer ausgerechnet haben. Im Vorjahr war es alle zweieinhalb Minuten zu einem Blitzschaden bzw. Überspannungsschaden gekommen. Die Ursache für den starken Rückgang der Schäden sieht die Versicherungswirtschaft im letztjährigen Wetter: 2025 gab es in Deutschland ganz einfach außergewöhnlich wenige Blitze. Nur rund 100.000 Erdblitze wurden gezählt – also Blitze, welche den Boden erreichen und dort Schäden anrichten können. So wenige Blitze sind seit dem Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 2000 noch nie registriert worden.

Letztes Jahr außergewöhnlich wenige Blitze gezählt

Damit lag die Zahl der Blitze im letzten Jahr um 70 Prozent unter dem langjährigen Durchschnittswert der Jahre 2000 bis 2024. Das blitzreichste Jahr seit Beginn der Aufzeichnung war 2007, damals wurden 573.000 Erdblitze in Deutschland registriert, also mehr als das Fünffache des letztjährigen Wertes. Dabei kommt es hierzulande vor allem in den Sommermonaten zu Gewittern. Hier gab es letztes Jahr eine große Konzentration: Im Juni 2025 wurden in Deutschland rund 29.000 Blitzeinschläge gezählt, also fast ein Drittel der gesamten Jahresmenge.

Allerdings: Trotz der historisch niedrigen Gewitteraktivität im letzten Jahr erreichte die Höhe der durch Blitze verursachten Schäden den zweithöchsten Wert seit dem Jahr 2010. Nur 2024 waren die Schäden noch um 30 Millionen Euro höher. Von 2020 bis 2024 stiegen die Schadenssummen kontinuierlich. Das hat einen Grund: Der einzelne Blitzschaden bzw. Überspannungsschaden wird seit Jahren immer teurer. Im letzten Jahr kostete der durchschnittliche Blitz- bzw. Überspannungsschaden die Versicherer 1.760 Euro. Das sind 11 Prozent mehr als im Vorjahr.

Blitze verursachen immer höhere Schäden

„Diese Entwicklung hält seit einigen Jahren an. Grund dafür ist vor allem die immer hochwertigere und technisch modernere Ausstattung von Gebäuden“, erklärt Jörg Asmussen, Hauptgeschäftsführer des GDV die Entwicklung. Unter dem Stichwort „Smart Home“ halten immer mehr elektrische Systeme mit elektronischer Steuerung Einzug in Gebäude, es gibt elektronisch gesteuerte Rollläden und Markisen, Garagentore und Schließsysteme, elektronische Steuerungen kommen aber auch für Heizungsanlagen, Klimaanlagen, Solaranlagen oder für Systeme zum Einbruchschutz zum Einsatz.

Auch finden sich in Privathaushalten immer mehr Unterhaltungs-Elektronik, Computer, Telefonanlagen und ähnliches. Elektronische Geräte können vor allem durch Überspannung beschädigt werden, also durch eine kurzzeitig unkontrolliert ansteigende Spannung im Stromnetz, wie sie von Blitzeinschlägen verursacht werden kann. Solch ein Überspannungsschaden kann dementsprechend auch in einem Gebäude auftreten, das selbst gar nicht direkt vom Blitz getroffen wurde. Ein solcher Blitzeinschlag in ein Gebäude verursacht dagegen die typischen Blitzschäden am Bauwerk.

Blitzschaden: Welche Versicherung zahlt und wie man sich schützen kann

Dazu zählen etwa Schäden an Dach und Mauerwerk, die von kleinen Abplatzungen bis hin zum komplett abgebrannten Dachstuhl reichen können. Für diese Schäden kommt die Wohngebäudeversicherung auf, ebenso wie für die von Blitzen verursachte Schäden an fest eingebauten elektrischen Installationen, wozu beispielsweise auch Heizungssteuerungen gehören. Auch für Aufräumarbeiten, die Absicherung des Grundstücks oder die Hotelunterbringung der Betroffenen kommt die Versicherung bei Bedarf auf. Die Schäden an der Einrichtung, wozu etwa auch Fernseher und Computer, reguliert die Hausratversicherung.

„Gebäude können mit einem sogenannten äußeren und inneren Blitz- und Überspannungsschutz wirksam vor Blitz- und Überspannungsschäden geschützt werden“, rät der GDV. Der Verband hat einen Blitzratgeber veröffentlicht, der neben Fragen zum Versicherungsschutz auch Tipps zur Vermeidung von Blitzschäden und Überspannungsschäden gibt. Hier kann man den Blitzratgeber kostenlos lesen. So können sich Eigentümer informieren, mit welchen Maßnahmen sich die eigene Immobilie besser gegen Blitzschäden schützen lässt.

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