Wiesbaden. Die Zahl der noch bei den Eltern lebenden jungen Erwachsenen ist in Deutschland zuletzt etwas gestiegen: 30 Prozent der 25-Jährigen wohnte im Jahr 2025 noch bei den Eltern, von 2022 bis 2024 hatte der Wert stets bei 28 Prozent gelegen. Das hat das Statistische Bundesamt jetzt mitgeteilt. Im europäischen Vergleich bleibt Deutschland damit aber ein Land, in dem der Nachwuchs relativ früh flügge wird. Im EU-Durchschnitt ziehen die Kinder im Alter von 26,3 Jahren zuhause aus, in Deutschland liegt der Durchschnitt mit 24,1 Jahren weiterhin etwas darunter.
In Österreich (25,3 Jahre) und Frankreich (23,8 Jahre) ist die Situation ähnlich nah am EU-Durchschnitt. Ganz anders dagegen in Nordeuropa: Hier zieht der Nachwuchs besonders früh bei den Eltern aus. Europaweiter Spitzenreiter ist Finnland: Dort verlassen die Kinder im Schnitt im Alter von 21,3 Jahren den elterlichen Haushalt. Auch Dänemark (21,8 Jahre), Litauen (22,7 Jahre), Estland (22,7 Jahre) und Schweden (23,1 Jahre) kommen auf Werte weit unter dem EU-Durchschnitt. Das gegenteilige Bild zeigt sich allerdings in Süd- und Südosteuropa, wo es sehr hohe Nesthocker-Quoten gibt.
Deutschland etwas unter dem EU-Durchschnitt
So sind die jungen Menschen in Kroatien die Nesthocker Nr. 1 in Europa: Sie ziehen im Schnitt erst im Alter von 31,5 Jahren bei den Eltern aus. Auch Griechenland und die Slowakei (jeweils 30,9 Jahre), Spanien und Italien (jeweils 30,2 Jahre) kommen auf stark überdurchschnittliche Werte. Direkte Rückschlüsse auf die Ursachen erlaubt diese von der EU-Statistikbehörde Eurostat vorgenommene Auswertung nicht. Zwar wurden auch Daten zur Erwerbstätigkeit der jungen Menschen erfasst: In Deutschland waren mit 77 Prozent mehr als drei Viertel der bei den Eltern lebenden 25- bis 34-Jährigen erwerbstätig, 80 Prozent davon in Vollzeit.
Diese Information erlaubt aber noch keinen Rückschluss darauf, ob hier eventuell ein ungünstiges Verhältnis zwischen dem erwirtschafteten Arbeitseinkommen und den marktüblichen Wohnkosten vorliegt. Insofern bleibt offen, inwieweit wirtschaftliche Gründe, Wohnraumknappheit oder einfach andere private Erwägungen hinter der beobachteten Nesthocker-Quote stecken. Auch ein Grund für die leicht gestiegenen Nesthocker-Zahlen in Deutschland lässt sich insofern nicht aus der Statistik ableiten. Interessant, aber nicht neu, ist zugleich die ungleiche Geschlechterverteilung.
Auszugsalter aus dem Elternhaus beeinflusst Wohnungsmarkt
Mit 36 Prozent lebte letztes Jahr mehr als jeder Dritte 25-jährige Mann noch im Haushalt der Eltern, bei den gleichalterigen Frauen waren es nur 23 Prozent. Auch mit zunehmendem Alter behalten die Töchter ihren Vorsprung beim Ausziehen aus dem Elternhaus. „Mit 30 Jahren wohnten immerhin noch 13 Prozent der Söhne mit im Elternhaushalt, jedoch nur 7 Prozent der Töchter (insgesamt: 10 Prozent)“, berichtet das Statistische Bundesamt über die Situation in Deutschland. Und weiter: „Mit 40 Jahren wohnten nur noch 5 Prozent der Männer und 2 Prozent der Frauen bei den Eltern (insgesamt: 3 Prozent).“
Auch wenn die Gründe hinter den Zahlen vermutlich vielfältig sind, die Konsequenzen sind klar: In einem Land, in dem die jungen Menschen verhältnismäßig früh den elterlichen Haushalt verlassen, werden bei gleicher Bevölkerungszahl mehr Wohnungen benötigt als in einem Land mit höherer Nesthocker-Quote. Insofern hat die Frage, wie früh der Nachwuchs flügge wird, tatsächlich Konsequenzen für die Nachfragesituation auf den Wohnungsmärkten, zumal jüngere Menschen vor allem kleinere, preisgünstige Wohnungen nachfragen– während Familien mit Kindern, gleich welchen Alters, größere Wohnungen brauchen.
