Mehr Baugenehmigungen im ersten Quartal – Sorgen bleiben

Im Sommer 2024 hatten die Baugenehmigungszahlen in Deutschland ein Langzeittief erreicht. Seither zeigt sich eine langsame Erholung. Dieser Trend hält vorläufig an, wie jetzt die Zahlen zum ersten Quartal des laufenden Jahres zeigen. Allerdings gibt das keinen Anlass zur Euphorie: Angesichts der großen wirtschaftlichen Unsicherheit ist unklar, wie viel am Ende wirklich gebaut werden wird.

Wiesbaden. Der Aufwärtstrend bei den Baugenehmigungen hat auch im ersten Quartal des laufenden Jahres angehalten. Bundesweit erteilten die Bauämter in den Monaten Januar, Februar und März Baugenehmigungen für 63.500 Wohnungen. Das sind 14,6 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Das hat das Statistische Bundesamt jetzt mitgeteilt. Besonders groß war das Plus beim Zweifamilienhaus: Verglichen mit dem Vorjahresquartal erhielten im ersten Quartale 2026 stolze 23,2 Prozent mehr Zweifamilienhäuser eine Baugenehmigung. Mit insgesamt 3.600 genehmigten Einheiten bleibt dieser Gebäudetyp aber selten.

Deutlich häufiger gefragt ist das Einfamilienhaus: Insgesamt 12.100 Einfamilienhäuser erhielten im ersten Quartal 2026 eine Baugenehmigung, das waren 13,7 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Am häufigsten genehmigten die Bauämter Wohnungen in Mehrfamilienhäusern: 33.100 Stück bedeuten ein Plus von 14,9 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Lediglich bei neu genehmigten Wohnungen in Wohnheimen gab es derweil ein Minus von 3,1 Prozent zu verzeichnen. Insgesamt soll der Löwenanteil der neu genehmigten Wohnungen in Neubauten entstehen, insgesamt 51.700 Stück.

Wachstum nicht nur im Neubau

Doch auch wenn die Schaffung neuer Wohnungen in bereits bestehenden Gebäuden noch vergleichsweise geringe Stückzahlen aufweist, das Wachstum ist auch in diesem Bereich erheblich. Insgesamt erhielten im ersten Quartal 2026 bundesweit 10.500 neue Wohnungen eine Baugenehmigung, die in bereits bestehenden Gebäuden geschaffen werden sollen. Das sind 12,3 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. 

Stark gestiegen ist auch die Zahl der erteilten Baugenehmigungen für neue Wohnungen in neuen Nichtwohngebäuden: Die insgesamt 600 Wohnungen dieser Art bedeuten Plus von 73,7 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. „Hierunter fallen zum Beispiel Hausmeisterwohnungen in Schulgebäuden oder Wohnungen in Innenstadtlagen über Gewerbeflächen“, erklärt das Statistische Bundesamt hierzu.

Mehr Baugenehmigungen – wenig Optimismus

Die Zahl der erteilten Baugenehmigungen gilt als wichtiger Frühindikator für die zukünftige Bautätigkeit. Wohnungen, die heute nicht genehmigt werden, können zukünftig auch nicht gebaut werden. Mehr als die Voraussetzung zu Bau ist mit der Baugenehmigung allerdings nicht geschaffen: Längst nicht jede genehmigte Wohnung wird auch wirklich zeitnah errichtet. Angesichts der aktuellen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind Zweifel angebracht, ob der Anstieg der Genehmigungszahlen ähnlich stark steigende Fertigstellungszahlen zur Folge haben wird. Vielmehr könnte es sein, dass letztlich vor allem der Bauüberhang steigt.

So dürften einerseits tendenziell wieder steigende Bauzinsen die Finanzierung der genehmigten Projekte erschweren. Andererseits dürften sich auch die im Zuge des Irankrieges deutlich gestiegenen Energiekosten in steigenden Baukosten niederschlagen. In der Bauwirtschaft herrscht deshalb trotz der steigenden Baugenehmigungszahlen aktuell kein großer Optimismus. So ist der vom ifo-Institut errechnete Geschäftsklimaindex der Baubranche negativ und im April von -19,3 Punkten noch weiter gefallen auf -28,4 Punkte. Es ist also davon auszugehen, dass die Lage im Wohnungsbau vorerst schwierig bleibt.

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