Private Vermieter inserieren nur noch jede zweite freie Wohnung

Unter Wohnungssuchenden ist es schon seit längerem eine weit verbreitete Praxiserfahrung: Ein großer Teil der freien Mietwohnungen geht heutzutage unter der Hand weg. Aber wie hoch ist der Anteil wirklich? Haus & Grund Aachen legt jetzt erstmals Zahlen dazu vor. Sie bringen viel zitierte Mietpreisstatistiken ins Wanken – mit Folgen auch für die Mietpreisbremse.

Düsseldorf/StädteRegion Aachen. Private Vermieter inserieren nur noch etwa jede zweite freie Mietwohnung (53 Prozent) online oder in der Zeitung. Das hat der Eigentümerverband Haus & Grund RheinlandWestfalen im Zuge einer Umfrage unter seinen Mitgliedern festgestellt. „Mit 32 Prozent findet inzwischen rund ein Drittel der privat vermieteten Wohnungen über Mundpropaganda oder persönliche Beziehungen einen Nachmieter, ohne inseriert zu werden“, berichtet Vorstandsvorsitzender Prof. Dr. Peter Rasche mit Blick auf die Ergebnisse der Befragung. Weitere 15 Prozent der Vermieter beauftragten Makler mit der Vermietung. „Auch diese Wohnungen werden teilweise nicht inseriert, weil Makler Listen mit Interessenten führen“, gibt Rasche zu bedenken.

Die Umfrage umfasst mehr als 3.400 Wohnungen privater Vermieter in 82 Städten in ganz Nordrhein-Westfalen. Gefragt wurde, auf welchem Weg die letzte Neuvermietung zustande gekommen ist. Die Daten sind repräsentativ für die Situation bei den privaten Vermietern, die rund zwei Drittel (64,4 Prozent) der Mietwohnungen im Land anbieten. „Bei den anderen Anbietern wird die Quote online inserierter Mietwohnungen noch weitaus geringer sein. Insbesondere Wohnungsgenossenschaften und kommunale Wohnungsunternehmen führen bekanntlich Wartelisten mit Interessenten, unter denen sich für freiwerdende Wohnungen Abnehmer finden“, sagt Tobias Hundeshagen, Geschäftsführer von Haus & Grund Aachen. Auch der Marktführer unter den Online-Immobilienportalen hat kürzlich auf die gestiegene Bedeutung des Graumarkts hingewiesen.

Diese Umstände lassen Mietpreisstatistiken in neuem Licht erscheinen. „Die regelmäßig veröffentlichten Statistiken über die Mietpreisentwicklung stützen sich allein auf die Angebotsmieten in den Online-Portalen. Sie liefern daher ein verfälschtes Bild der Marktlage“, merkt Hundeshagen an. Insofern sei es problematisch, dass die staatliche Mietpreisregulierung mit diesen Statistiken begründet werde. Der von Haus & Grund Rheinland Westfalen erstellte NRW-Wohnkostenbericht 2025 hat dagegen die Entwicklung der Bestands- und Neuvertragsmieten insgesamt für 2024 untersucht und ein Plus von 1,7 Prozent im NRW-Landesdurchschnitt festgestellt – weniger als die Inflationsrate des Jahres. Hundeshagen resümiert: „Die Mietpreisbremse ist mit der statistischen Sachlage nicht zu rechtfertigen.“

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