Sommerhitze: Wie verbreitet sind Kühlanlagen in Neubauten?

Die jüngste Hitzewelle hat es wieder deutlich gemacht: In Deutschland besteht angesichts des Klimawandels inzwischen durchaus ein Bedarf, sich verstärkt um eine Kühlung von Wohnungen in den Sommermonaten zu kümmern. Diese Klimaanpassung läuft auch bereits, die Zahl der Neubauten mit Kühlanlage steigt spürbar an. Ein Trend, der jedoch das Problem nicht unbedingt lösen kann.

Wiesbaden. In 4,3 Prozent der im vergangenen Jahr fertiggestellten Wohngebäude gab es eine Anlage zur Kühlung. Das ist zwar noch eine ziemlich kleine Zahl. Allerdings markiert sie einen starken Aufwärtstrend: In den letzten 10 Jahren hat sich der Anteil von Neubauten mit Kühlanlage mehr als verdoppelt. Immerhin lag der Anteil im Jahr 2025 erst bei 1,9 Prozent, wie das Statistische Bundesamt heute (30. Juni 2026) mitgeteilt hat.

Dabei zählt die Statistikbehörde als „Anlagen zur Kühlung“ nicht nur die klassischen Klimaanlagen, sondern sämtliche elektrisch oder thermisch betriebenen Systeme, die den Innenraum eines Gebäudes kühlen können. „Es kann sich neben Klimaanlagen beispielweise auch um eine Deckenkühlung oder um Fußbodenheizungen mit Kühlfunktion handeln“, schreibt das Statistische Bundesamt zur Erläuterung.

Neue Wohnungen immer öfter mit Kühlanlagen ausgestattet

So können die in Neubauten inzwischen häufig eingesetzten Wärmepumpen oftmals auch kühlen, speziell in Verbindung mit einer Fußbodenheizung (wir berichteten). So dürfte die zunehmende Verbreitung der Wärmepumpe (wir berichteten) auch ein Grund für den zunehmenden Anteil von Neubauten mit Kühlanlagen sein. Angesichts des Klimawandels werden Hitzewellen hierzulande häufiger, so dass die Kühlfunktion zunehmend gefragt ist.

Allerdings zeigt die aktuelle Auswertung der amtlichen Statistik auch, dass der Wohnungsbau beim Thema Kühlungstechnik verglichen mit anderen Gebäudearten noch am Anfang steht: „Bürogebäude sind deutlich häufiger mit Anlagen zur Kühlung ausgestattet als Wohngebäude“, stellen die Statistiker fest. Letztes Jahr hatten 37,8 Prozent der neuen Bürogebäude eine Anlage zur Kühlung eingebaut. Zehn Jahre zuvor waren es 30,9 Prozent gewesen.

Kühlanlagen in Nicht-Wohngebäuden deutlich häufiger

Den Grund sieht die Statistikbehörde im Arbeitsrecht: „Dass der Anteil solcher Anlagen in Bürogebäuden deutlich höher ist als in Wohngebäuden, dürfte nicht zuletzt an gesetzlichen Vorgaben liegen – insbesondere mit Blick auf den Arbeitsschutz und die Fürsorgepflicht von Arbeitgebern gegenüber Beschäftigten.“ Auch Gebäude für Bildung, Wissenschaft und Forschung wie Schulen und Universitäten kommen mit 33,9 Prozent auf einen recht hohen Anteil an Neubauten mit Kühlungstechnik.

In einer ähnlichen Liga spielen Gebäude des Gesundheitswesens wie Krankenhäuser. Hier hatten 34,4 Prozent der letztes Jahr fertiggestellten Objekte eine Kühlungsanlage. Dagegen hinken Sozialeinrichtungen wie Kitas oder Pflegeheime mit einem Anteil von nur 14,5 Prozent weit zurück. Allerdings zeigt sich hier ein starker Anstieg, zehn Jahre zuvor hatte die Quote nur bei 5,7 Prozent gelegen.

Kühlung nicht allein durch technische Anlagen möglich

Allerdings ist bei all diesen Zahlen eines nicht zu vergessen: Eine technische Anlage zur Kühlung der Innenräume ist nicht der einzige sinnvolle Hitzeschutz. Im Gegenteil: Eine gute Wärmedämmung des Gebäudes, moderne Fenster mit guter Isolationswirkung, begrünte Dächer und Fassaden, Bäume vor dem Haus und eine Stadtplanung, die Hitzeinseln im Quartier vermeidet, leisten ebenfalls erhebliche Beiträge dazu, Wohnungen kühl zu halten.

Solche Maßnahmen verbrauchen zugleich keinen Strom und tragen nicht zu einer weiteren Aufheizung des Stadtklimas bei. Bei Klimaanlagen ist das Gegenteil der Fall: Sie erhitzen die Stadtluft im Sommer noch zusätzlich, sodass eine immer weitere Verbreitung solcher Geräte das Problem, das sie lösen sollen, ein Stück weit verschärft. Insofern ist der weiterhin relativ niedrige Anteil von Kühltechnik in Wohngebäuden nicht unbedingt als „Rückstand“ zu bewerten.

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