Sarstedt/Düsseldorf. Der Wohnungsmangel in Deutschland hat einen neuen Höchststand erreicht: Ende 2024 fehlten insgesamt rund 1,4 Millionen Wohnungen. Auf die höchste Zahl fehlender Wohnungen kommt dabei das Land Nordrhein-Westfalen, wo es Ende 2024 rund 376.000 Wohnungen zu wenig gab. Auf Platz zwei liegt Bayern mit 233.000 fehlenden Wohnungen. Das hat das Pestel-Institut in einer neuen Studie anhand von Daten aus der amtlichen Statistik errechnet. Für die Zukunft geht das Institut davon aus, dass insgesamt 2,4 Millionen Wohnungen bis 2030 neu gebaut werden müssten, um den Bedarf zu decken.
Die als „Sozialer Wohn-Monitor“ bezeichnete Untersuchung ist gestern (15. Januar 2026) veröffentlicht worden. Auftraggeber war ein Bündnis, an dem unter anderem der Deutsche Mieterbund, die Caritas und die Industriegewerkschaft Bau beteiligt sind. „Um das Wohnungsdefizit bis 2030 abzubauen, müssten gut 400.000 Wohnungen pro Jahr neu gebaut werden“, sagte Matthias Günther, Leiter der Studie. Das ist keine Überraschung, diese Zahl kursiert schon seit Jahren nicht nur in Fachkreisen, sondern auch in der Politik. Es zeigt jedoch, dass sich an der grundsätzlichen Sachlage seit Jahren wenig geändert hat.
Prognose: Neubau kann Bedarf auch weiterhin nicht decken
Angesichts in den letzten Jahren stark gesunkener Baugenehmigungszahlen (wir berichteten) rechnet das Pestel-Institut nicht damit, dass diese Zielmarke erreicht wird. Vielmehr geht man davon aus, dass in den nächsten Jahren Neubauzahlen von nur rund 200.000 Wohnungen im Jahr realistisch sind. In der niedrigen siebenstelligen Zahl leerstehender Wohnungen in Deutschland sieht man zugleich kein großes Potenzial, durch deren Wiedervermietung den Wohnungsmangel zu mildern: Größere Leerstände gibt es vor allem in jenen ländlichen Regionen, in denen auch der Wohnungsbedarf geringer ist.
Die Macher der Studie weisen besonders auf den hohen Bedarf an Sozialwohnungen hin. Sie schätzen, dass inzwischen rund 23 Millionen Menschen in Deutschland Anspruch auf einen Wohnberechtigungsschein hätten. Dem stehe allerdings nur noch etwa eine Million Sozialwohnungen gegenüber. Diese Zahl müsse verdoppelt werden, doch der Neubau von Sozialwohnungen stagniere bundesweit betrachtet. Die Studie kritisiert in diesem Zusammenhang die Förderung des sozialen Wohnungsbaus, bei welcher der Bund für fünf Jahre Mittel zusagt und sie dann über die Jahre gestaffelt an die Länder weitergibt. Dadurch müssten die Länder Gelder vorstrecken, was den Neubau bremse.
Haus & Grund mahnt Abbau von Investitionshemmnissen an
Der Eigentümerverband Haus & Grund Rheinland Westfalen weist in diesem Zusammenhang seit Jahren darauf hin, dass die Verfügbarkeit bezahlbarer Mietwohnungen sich nur durch eine erhebliche Steigerung des Wohnungsneubaus in allen Marktsegmenten erreichen lässt. Neben der unbestritten hohen Bedeutung des öffentlich geförderten Wohnungsbaus ist das ambitionierte Ziel von 400.000 Neubauwohnungen im Jahr allerdings auch nicht ohne investitionsfreudige private Investoren erreichbar. Schließlich sind es private Eigentümer, die rund zwei Drittel der Mietwohnungen in Deutschland anbieten.
Allerdings haben überbordende Bürokratie, stark gestiegene Baukosten, erschwerte Finanzierungsbedingungen, hohe Grundstückspreise und nicht zuletzt regulatorische Eingriffe ins Mietrecht mit einer Regulierung von Mietpreisen (Mietpreisbremse, abgesenkte Kappungsgrenze) Investitionen in Mietwohnungsneubau unattraktiver gemacht. Haus & Grund Rheinland Westfalen setzt sich daher dafür ein, dass solche Investitionshemmnisse beseitigt werden, damit private Eigentümer ihre Funktion als zentrale Säule des deutschen Wohnungsmarktes wieder mit steigenden Investitionen in den Neubau wahrnehmen können.
