Erstarrender Wohnungsmarkt: Angebot an Mietwohnungen bricht ein

Die Wohnungsmärkte in Deutschland erstarren zunehmend – vor allem in den Großstädten. Während das Angebot an zu vermietenden Wohnungen deutlich sinkt, steigt die Zahl zum Verkauf stehender Eigentumswohnungen. Das zeigt jetzt eine aktuelle Datenauswertung. Experten sehen eine zu geringe Umzugsmobilität und warnen vor weiterer Regulierung des Marktes.

Köln. Das Angebot an Mietwohnungen in Deutschland geht deutlich zurück. Im zweiten Quartal 2026 waren bundesweit betrachtet 12 Prozent weniger Mietwohnungen inseriert als im ersten Quartal des Jahres 2022. Das zeigt der jüngste Wohnindex vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW). Besonders stark ist das Angebot an Mietwohnungen demnach in den Großstädten eingebrochen: „In Hamburg ist das Mietangebot mit minus 57 Prozent mehr als halbiert. In Frankfurt am Main gibt es 43 Prozent weniger Inserate, in Leipzig 40 Prozent“, berichtet das IW. Für Düsseldorf registrierten die Fachleute ein Minus von 34,2 Prozent.

In Essen sank die Zahl der inserierten Mietwohnungen demnach um 30,2 Prozent, in München um 21,6 Prozent und in Dortmund um 13,6 Prozent. In Stuttgart ging die Zahl der Inserate um 7,4 Prozent zurück und in Köln lag das Minus bei 3,2 Prozent. Nur eine Großstadt in Deutschland fiel durch ein deutliches Wachstum auf: In Berlin lag die Zahl inserierter Wohnungen im 2. Quartal 2026 um 43,3 Prozent höher als im ersten Quartal 2022. Dabei handelt es sich allerdings um einen statistischen Sondereffekt: Der im Jahr 2020 eingeführte Berliner Mietendeckel hatte das Angebot seinerzeit stark einbrechen lassen (wir berichteten).

Allein im ersten Quartal nach der Einführung des Mietendeckels war das Mietwohnungsangebot in der Bundeshauptstadt um 39 Prozent eingebrochen, wie das IW bemerkt. Seitdem das Bundesverfassungsgericht den Mietendeckel im Jahr 2021 als verfassungswidrig gestoppt hatte (wir berichteten), erholt sich das Angebot wieder in Richtung des Normalniveaus. So kann der scheinbare Anstieg in Berlin das Gesamtbild am Ende nicht ändern: Es werden immer weniger Mietwohnungen inseriert. Gleichzeitig beobachtet das IW auf dem Kaufmarkt genau die gegenteilige Entwicklung.

Angebot an Eigentumswohnungen stark gestiegen

„Bundesweit werden nahezu doppelt so viele Eigentumswohnungen und rund 140 Prozent mehr Ein- und Zweifamilienhäuser inseriert als Anfang 2022. Das liegt nicht daran, dass mehr gebaut wird“, berichtet das IW mit Blick auf seine neuesten Auswertungen. „Höhere Finanzierungskosten verkleinern den Kreis der Käufer und verlängern die Vermarktungszeiten – die Objekte schaffen es häufiger in die Portale und verbleiben dort auch länger.“ Naheliegend wäre zudem die Vermutung, dass angesichts sinkender Renditen zunehmend Mietwohnungen in Wohneigentum umgewandelt und zum Kauf angeboten werden.

Auch das könnte dazu beitragen, dass weniger Mietwohnungen zur Miete und mehr Eigentumswohnungen zum Kauf auf dem Markt sind. Die Auswertung des IW erlaubt aber keine Rückschlüsse darauf, inwiefern ein solches Vorgehen von Marktteilnehmern tatsächlich eine Rolle spielt. In jedem Fall zu bedenken ist, dass gerade Mietwohnungen heutzutage immer öfter gar nicht mehr inseriert, sondern über persönliche Beziehungen neu vermietet werden (wir berichteten). Dieser Effekt wird ebenfalls seinen Beitrag dazu leisten, dass das messbare Mietwohnungsangebot kleiner wird.

Allerdings ist auch diese Entwicklung Ausdruck der Tatsache, dass der Markt sehr eng und hart umkämpft geworden ist. „Auf dem Mietmarkt fehlt nicht nur Neubau, sondern auch Bewegung im Bestand“, resümiert Immobilienökonom Pekka Sagner vom IW. „Die Umzugsmobilität ist zu gering – bestehender Wohnraum wird nicht umfänglich genutzt.“ Sagner spricht vor diesem Hintergrund eine eindringliche Warnung an die Politik aus: „Noch strengere Mietregeln würden diesen Effekt verstärken und das Angebot für Wohnungssuchende weiter verknappen.“

 Download

 IW-Wohnindex Q2 2026 (PDF, 579 KB)

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