Parlamentarischer Abend: Private Kleinvermieter im Fokus

Gestern (26. November 2025) war es wieder soweit: Haus & Grund Rheinland Westfalen und der BFW NRW haben ihren traditionellen Parlamentarischen Abend veranstaltet – gemeinsam mit dem Landtag NRW, der auch als Event-Location fungierte. Die aktuellen Bedingungen für das private Vermieten standen in diesem Jahr im Zentrum des Interesses – dazu gab es viele spannende Fakten.

Düsseldorf. Im NRW-Landtag hat gestern (26. November 2025) der diesjährige Parlamentarische Abend der privaten Wohnungswirtschaft stattgefunden. Die gemeinsame Veranstaltung von Landtag NRW, BFW NRW und Haus & Grund Rheinland Westfalen lockte rund 130 Entscheider aus Politik, Verbänden sowie Bau- und Wohnungswirtschaft ins Restaurant des Landtagsgebäudes. Landtags-Vizepräsident Rainer Schmeltzer (SPD) begrüßte die Gäste im Haus des Volkes. „Private Vermieter sind und bleiben eine der tragenden Säulen des deutschen Mietwohnungsmarktes“, stellte Schmeltzer fest. „Umso wichtiger ist es, sich mit Ihren Anliegen zu befassen und zu verstehen, was die Vermietungsbereitschaft von Privatpersonen hemmt bzw. vielmehr, was sie fördert.“

Genau dazu sollte der Dialog von Politik und privater Wohnungswirtschaft an diesem Abend einen Beitrag leisten. Anschließend begrüßte der Vorsitzende des BFW NRW, Martin Dornieden, die Gäste. Er wies auf die aktuell schwierige Situation aus Stillstand und Verunsicherung beim Wohnungsbau hin. „Ich selbst habe in den letzten 10 Tagen von vier Unternehmen, die ich kenne, wo ich die Inhaber sehr gut kenne, erzählt bekommen: Wir stellen jetzt demnächst Antrag auf Insolvenz.“ Im kürzlich verabschiedeten sogenannten Bau-Turbo und der wiederbelebten KfW-55-Förderung (wir berichteten) sah Dornieden positive Signale. Das allein sei aber bei weitem noch nicht ausreichend und weitere Initiativen erforderlich. Er dankte der Landesregierung für den guten Austausch bei der Reform der Landesbauordnung.

Der Vorsitzende des BFW NRW, Martin Dornieden, äußerte Besorgnis über die wirtschaftliche Lage im Wohnungsbau.

Private Vermieter agieren mit sozialem Verantwortungsbewusstsein

Der Präsident von Haus & Grund Rheinland Westfalen, Walter Eilert, wies anschließend auf die besonderen wirtschaftlichen Umstände der privaten Kleinvermieter hin: „Nur 9,8 Prozent der privaten Vermieter orientieren sich mit regelmäßigen Mietanpassungen an der aktuellen Marktentwicklung“, zitierte er aus der aktuellen Vermieterbefragung von Haus & Grund Deutschland.  „Dabei ist das soziale Verantwortungsbewusstsein oft größer als das eigene wirtschaftliche Interesse“, gab Eilert zu bedenken: Die Vermieterbefragung zeige, dass viele private Vermieter mit ihrer Vermietungstätigkeit unterm Strich gar kein Geld verdienten und somit von der Substanz lebten.

„Wer bezahlbares Wohnen will, muss privates Vermieten stärken!“, stellte Eilert fest und betonte: „Das erfordert weniger Bürokratie und Regulierung, damit private Vermieterinnen und Vermieter nicht die Lust am Vermieten verlieren.“ Sonst bestehe die Gefahr, dass sie ihre Wohnungen an die veräußerten, die ausschließlich Geld verdienen wollten – was nicht im Sinne der Mieter sei. Die seien, wie verschiedene Umfragen in den letzten Jahren gezeigt hätten, mit den privaten Kleinvermietern besonders zufrieden. So liefen 95 Prozent der Mietverhältnisse im direkten privaten Kontakt einfach problemlos.

Der Präsident von Haus & Grund Rheinland Westfalen, Walter Eilert, betonte die Bedeutung der privaten Vermieter für bezahlbares Wohnen.

Kleinvermietung ist eine Erfolgsgeschichte

Ein Impuls-Statement hielt anschließend NRW-Bauministerin Ina Scharrenbach (MdL, CDU). „Ich persönlich finde, dass die Kleinvermietung in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg eine echte Erfolgsgeschichte ist, weil das vermietungsfähige Eigentum sich in Volkshand befindet“, stelle die Ministerin heraus. Viele Kleinvermieter fühlten sich allerdings überfordert, unter anderem auch durch das Gebäudeenergiegesetz, stellte Scharrenbach fest. Das sei schlecht in einem Immobilienmarkt, in dem sich weit über 60 Prozent der vermietbaren Immobilien in Bürgerhand befinden. Vor diesem Hintergrund mahnte Scharrenbach zugleich, die Mietenkommission im Bund solle sich nicht nur mit den Eingriffsinstrumenten beschäftigen, sondern damit, „dass wir das Mietrecht wieder in eine Harmonie bekommen.“

Sie kündigte außerdem an, dass der Landtag im Dezember die Pläne für die reformierte Landesbauordnung beraten wird. Mit der Initiative „Bürokratie am Bau – Ciao!“ hatte Scharrenbach Hinweise auf überflüssige Vorschriften gesammelt (wir berichteten). „Das ist viel Gutes eingegangen“, stellte sie fest. Die Ergebnisse der Initiative seien in die geplante Bauordnungsreform eingeflossen. Sie betonte: „Bauordnungsrechtlich werden nur noch 10 Prozent der DIN-Vorschriften vorgeschrieben in Nordrhein-Westfalen. Das ist eine echte Bürokratie-Entlastung.“ Auch die Schaffung von neuem Wohnraum im Bestand solle durch die den neuen „Bau-Code für Nordrhein-Westfalen“ erleichtert werden.

NRW-Bauministerin Ina Scharrenbach (MdL, CDU) informierte über die laufenden Reformbestrebungen an der Landesbauordnung.

Private Kleinvermieter in Deutschland: Interessante Erkenntnisse von Prof. Voigtländer

Viele interessante Erkenntnisse hatte Prof. Dr. Michael Voigtländer mitgebracht. Der Experte vom Institut der Deutschen Wirtschaft Köln hat jüngst in einer Studie untersucht, wie sich die Situation der privaten Kleinvermieter in Deutschland und insbesondere in Köln und Düsseldorf in den letzten Jahren entwickelt hat (wir berichteten). Auftraggeber der Studie waren der Kölner Haus- und Grundbesitzerverein sowie Haus & Grund Düsseldorf, also die größten Mitgliedsvereine von Haus & Grund Rheinland Westfalen. Voigtländer räumte mit dem Bild des wohlhabenden und geldgierigen Vermieters auf und stellte nüchtern fest: „Jährliche Einnahmen abzüglich der Kosten: 5.475 Euro.“ Der durchschnittliche private Vermieter verdient also nicht einmal 500 Euro im Monat mit der Vermietung.

„Und, was auch ein wichtiger Punkt ist: 41 Prozent sind älter als 65 Jahre“, stellte Voigtländer fest. Das sei im Hinblick auf politische Maßnahmen zu berücksichtigen. Außerdem fänden sich private Vermieter in allen Einkommensgruppen. Zwar gehörten 37 Prozent der privaten Vermieter zu den 20 Prozent der Bevölkerung mit den höchsten Einkommen. „Aber wir finden eben auch 8 Prozent der Vermieter unter den 20 Prozent der geringsten Einkommen. Weitere 12 Prozent sind in dem nächstärmsten Einkommensquintil.“ Damit haben also 20 Prozent der Vermieter unterdurchschnittliche Einkommen. Diese Menschen seien auf das Vermietungsgeschäft dringend angewiesen und entsprechend stark von Mietpreisregulierungen betroffen.

Es gehe beim Immobilienbesitz nicht darum, hohe sofortige Erträge zu erzielen, „sondern es geht darum, langfristig etwas aufzubauen, um Altersvorsorge zu betreiben.“ Über 50 Prozent der Befragten sagten in der jüngsten Studie, dass sie die Mieten im laufenden Mietverhältnis gar nicht angepasst haben. Daneben haben 28 Prozent der Vermieter Mietanpassungen wegen gestiegener Kosten vorgenommen, aber nur 7 Prozent der Vermieter hätten die Miete angepasst, weil es der Markt hergibt. „Auch in der Neuvermietung sagen 50 Prozent, sie haben gar nicht verändert“, stellte Voigtländer überraschenderweise fest. Er sprach sich dafür aus, im Mietrecht einen besseren Ausgleich zwischen Mietern und Vermietern anzustreben, um die Kleinvermietung zu erhalten: „Damit ist Deutschland sehr gut gefahren im Wohnungsmarkt und darauf sollten wir wieder abzielen.“

Interessante Zahlen und Fakten zu privaten Vermietern hatte Prof. Dr. Michael Voigtländer vom IW Köln mitgebracht.

Gemeinsame Tradition von Haus & Grund sowie BFW NRW

Schon seit vielen Jahren veranstalten der Landesverband Haus & Grund Rheinland Westfalen und der BFW NRW einen gemeinsamen Parlamentarischen Abend im Landtag. Hintergrund: Private Immobilieneigentümer und Kleinvermieter teilen mit der mittelständischen Wohnungs- und Immobilienwirtschaft viele gemeinsame Interessen. Seit einigen Jahren ist auch der Landtag NRW als Mitveranstalter und Gastgeber Teil des Events. Das Restaurant des Landtagsgebäudes bot so auch in diesem Jahr wieder einen würdigen Rahmen für den Abend – mit Blick auf den Rhein und kurzen Wegen für die teilnehmenden Abgeordneten, die noch bis weit in den Abend im Plenum über den neuen Landeshaushalt debattierten.

„Es hat mich sehr gefreut, dass so viele Abgeordnete heute Abend bei uns waren“, sagte Wal-ter Eilert nach der Veranstaltung. „Nach dem interessanten Vortragsprogramm haben sich beim Get-Together noch viele wertvolle Gespräch ergeben. Dieser Abend ist immer wieder eine gute Gelegenheit, mal abseits des Alltagstrubels in entspannter Atmosphäre Erfahrungs-werte und Meinungen auszutauschen.“ Impressionen vom Parlamentarischen Abend finden Sie in der untenstehenden Bilderstrecke. Ein Video mit den Höhepunkten des Abends er-scheint in Kürze auf unserem Youtube-Kanal.

Großes Interesse: Der Parlamentarische Abend war gut besucht und lieferte viele interessante Informationen.

Zu den Gästen zählten unter anderem (jeweils in alphabetischer Reihenfolge):

Mitglieder des Landtages, u.a.:

Christian Berger (CDU)
Dr. Jörg Geerlings (CDU)
Guido Görtz (CDU)
Wilhelm Hausmann (CDU)
Jens Kamieth (CDU)
Matthias Kerkhoff (CDU)
Arndt Klocke (Bündnis 90/Die Grünen)
Thomas Kutschaty (SPD)
Sandy Meinhardt (SPD)
Christof Rasche (FDP)
Andrea Reh (SPD)
Jochen Ritter (CDU)
Simon Rock (Bündnis 90/Die Grünen)
Fabian Schrumpf (CDU)
Christin-Marie Stamm (SPD)
Ellen Stock (SPD)
Petra Vogt (CDU)
Sebastian Watermaier (SPD)
Ralf Witzel (FDP)
Stephan Wolters (CDU)

Aus der Landesregierung:

Ina Scharrenbach (CDU, MdL), Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung des Landes Nordrhein-Westfalen

Aus anderen Verbänden, u.a.:

Simon Adenauer, Leiter Planung und Bauen, Architektenkammer Nordrhein-Westfalen
Hans Jörg Depel, Geschäftsführer Mieterverein Köln
André Juffern, Mitglied der Geschäftsführung Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen
Joachim Krebs, Geschäftsführer Haus & Grund Bochum-Stiepel
Markus Lehrmann, Hauptgeschäftsführer Architektenkammer Nordrhein-Westfalen
Andreas Noje, Geschäftsführer Haus & Grund Ruhr
Sahra Primus, Geschäftsführerin Mieterverein Köln
Christian Reiff, Geschäftsführer Haus & Grund Mülheim an der Ruhr
Thomas Stausberg, Leiter Wohnraumförderung NRW.BANK
Judith Turner, Geschäftsführerin Deutscher Mieterbund NRW
Peter Wallisch, 1. Stellvertretender Vorsitzender Immobilienverband Deutschland IVD Region West e.V.
Thomas Michael Wessel, Vorsitzender Haus & Grund Mülheim an der Ruhr
Nils Zeppenfeld, Wohnraumförderung NRW.BANK

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